18. April 2021 / 22:10 Uhr

Wolfsburgs kuriose Lage: Viele Baustellen, aber "alle Trümpfe in unserer Hand"

Wolfsburgs kuriose Lage: Viele Baustellen, aber "alle Trümpfe in unserer Hand"

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
VfL-Baustellen: Paulo Otavio ist schon wieder gesperrt, die Diskusion um die Zukunft Trainer Oliver Glasner geht weiter.
VfL-Baustellen: Paulo Otavio ist schon wieder gesperrt, die Diskusion um die Zukunft Trainer Oliver Glasner geht weiter. © imago images/regios24
Anzeige

Der VfL Wolfsburg hat zwei Spiele nacheinander verloren, Dortmund und Leverkusen holen auf. Die Defensive macht sorgen, um die Zukunft des Trainers wird weiter munter diskutiert. Oliver Glasner findet dennoch: "Wir haben alle Trümpfe in unserer Hand."

Um sich die aktuelle Situation des VfL einmal klar zu machen, sollte man sich am besten vorstellen, vor der Saison hätte es folgende Prognose gegeben: Fünf Spieltage vor Schluss wird Wolfsburgs Fußball-Bundesligist Dritter sein, damit vor Dortmund, Mönchengladbach und Leverkusen liegen, und fünf Punkte Vorsprung auf Nicht-Champions-League-Platz fünf haben, dazu noch ein durchaus ordentliches Torverhältnis. Es hätte zu gut geklungen, um wahr zu sein. Nun ist es wahr. Und doch ist nicht alles gut.

Anzeige
<b>Koen Casteels</b>: Der sonst so souveräne Rückhalt erwischte einen gebrauchten Tag, sah beim ersten und beim zweiten Gegentor nicht gut aus. Note: 5 Zur Galerie
Koen Casteels: Der sonst so souveräne Rückhalt erwischte einen gebrauchten Tag, sah beim ersten und beim zweiten Gegentor nicht gut aus. Note: 5 ©

Das 2:3 (1:3) am Samstag gegen den FC Bayern war die zweite VfL-Niederlage in Folge. Der Vorsprung auf Rang fünf ist kleiner geworden. Individuelle Fehler hinten und das Auslassen zweier Top-Chancen vorn führten zur zweiten Niederlage der Saison. Jamal Musiala (2) und Eric-Maxim Choupo-Moting trafen für den Rekordmeister, Wout Weghorst und Maximilian Philipp für den VfL. Wolfsburgs direkter Verfolger Eintracht Frankfurt verlor zwar auch (0:4 in Mönchengladbach), aber Dortmund und Leverkusen rückten mit ihren Siegen näher.

Dazu hat der VfL Baustellen, die er lange nicht hatte. Die über Wochen unbezwingbar scheinende Defensive musste jetzt sieben Gegentreffer in den letzten beiden Spielen hinnehmen. Zudem haben die Wolfsburger eine Trainer-Diskussion, bei der es nur ein schwacher Trost ist, dass allen anderen Top-Teams der Liga diese auch haben. Und: Er hat ein sehr anspruchsvolles Restprogramm.

Um dieses erfolgreich zu absolvieren, muss an ein paar Stellschrauben gedreht werden. „Ein Tor und die Konsequenz im Verteidigen", habe gegen die Bayern gefehlt, bilanzierte Manager Jörg Schmadtke. "Insgesamt haben wir es in der zweiten Halbzeit besser gemacht als in der ersten – nichtsdestotrotz kann man einen Qualitäts-Unterschied feststellen." Aber "mit mehr Konsequenz im Zweikampf, mit ein bisschen mehr Fortune und ein bisschen mehr Konsequenz vorn kannst du das Spiel nicht nur unentschieden gestalten - sondern vielleicht sogar als Gewinner beenden.“

Anzeige

Weil das aber nicht passierte, steckt der VfL nach der ersten Heimniederlage der Saison in einer kuriosen Lage: Einerseits wird das Ziel Königsklasse immer offensiver verkauft, andererseits war einem aus Wolfsburger Sicht beim Blick auf die Tabelle schon einmal wohler. Und so klingt es fast ein bisschen trotzig, wenn Trainer Oliver Glasner mit Blick auf die Tabelle sagt: "Es ist jetzt die Herausforderung für uns alle, uns auf Fußball, auf unsere Aufgebe zu fokussieren." Ob der schrumpfende Vorsprung die Mannschaft nervös macht "wird sich zeigen", die Tabellensituation sollte den VfL aber "beflügeln", wie der Trainer findet. "Es ist immer noch eine fantastische Ausgangssituation, ich sehe alle Trümpfe in unserer Hand. Wenn du dann nervös wirst, ist es deine eigene Schuld".

Für den VfL geht's am Mittwoch in Stuttgart weiter - mit neuen Außenverteidigern. Paulo Otavio, gerade von der Sperre nach dem Dunkelrot-Foul in Hoffenheim zurück, sah seine fünfte Gelbe Karte - und auch Kevin Mbabu kassierte seine fünfte Verwarnung der Spielzeit. Beide sind damit für eine Partie gesperrt. Auch so eine Baustelle, die eher ungelegen kommt. Mit voraussichtlich Jerome Roussillon und Ridle Baku auf den Außenpositionen sollte die VfL-Defensive nun schleunigst wieder zum Bollwerk werden, wenn der Sprung in die Königsklasse gelingen soll. Glasner: "Wir wollen in die Champions League einziehen - das heißt, dass wir da auch besser werden müssen."

In Sachen eigener Zukunft ist der Trainer weiterhin deutlich defensiver. Immerhin: Mit Bayern-Kollege Hansi Flick, der in Wolfsburg ankündigte, seinen Klub verlassen zu wollen, sprach er am Abend vor dem Spiel an der Hotelbar über Fußball und persönliche Perspektiven. "Ich bin eingeweiht, was er macht. Und er ist eingeweiht, was ich mache", verriet der Noch-VfL-Coach anschließend bei Sky. Noch so eine Geschichte, die man sich am Anfang der Saison nicht auszudenken getraut hätte.

[Anzeige] Alle Spiele der Fußball WM live und exklusiv bei MagentaTV. Mit dem Tarif MagentaTV Flex für nur 10€ pro Monat, monatlich kündbar.