22. Juli 2021 / 11:41 Uhr

Wolfsburg-Leader und U21-Europameister: So tickt Olympia-Kapitän Maximilian Arnold

Wolfsburg-Leader und U21-Europameister: So tickt Olympia-Kapitän Maximilian Arnold

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Maximilian Arnold vom VfL Wolfsburg führt das deutsche Team als Kapitän an.
Maximilian Arnold vom VfL Wolfsburg führt das deutsche Team als Kapitän an. © IMAGO/Christian Schroedter (Montage)
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Maximilian Arnold genießt bei DFB-Trainer Stefan Kuntz größtes Vertrauen und soll die Olympia-Fußballer durch das Turnier führen. Der Mittelfeldmann vom VfL Wolfsburg geht bei den Olympischen Spielen als Kapitän der deutschen Auswahl voran. Der SPORTBUZZER stellt ihn vor.

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Auf den Satz "Du bist bei Olympia dabei" wartete Maximilian Arnold vergeblich. Als Stefan Kuntz, Trainer der deutschen Fußball-Auswahl für die Olympischen Spiele in Tokio, bei dem Mittelfeldmann des VfL Wolfsburg anrief, ging es gar nicht um das Ob, sondern nur noch um das Wie. Das sei, so schildert es Arnold, "ganz lustig" gewesen. Kuntz habe auch "gar nicht richtig gefragt: ,Willst du mit?‘ Er hat es einfach vorausgesetzt und nur gesagt: ‚Lass uns mal die Mannschaft durchgehen ...‘ Und da war ich dann mit dabei ..."

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Maximilian Arnold spielt seit der B-Jugend für Wolfsburg, der gebürtige Sachse ist einen langen Weg gegangen. Talentiertes Eigengewächs, jüngster Bundesliga-Spieler des VfL, Stammkraft, Führungsspieler. Auf dem Wolfsburger Weg in die Champions League war er in der vergangenen Saison der Taktgeber vor der Abwehr, die erste Anspielstation im Aufbau, in seiner Bedeutung einem Football-Quarterback nicht unähnlich. Der 27-Jährige füllte diese Rolle mit so beeindruckender Konstanz aus, dass die Rufe nach einer Nominierung für die A-Nationalmannschaft immer lauter wurden. Der Bundestrainer überhörte sie, Kuntz profitiert davon und hofft im Auftaktkracher bei Olympia gegen Brasilien (Donnerstag, 13.30 Uhr, ARD und Eurosport) auf die Führungsqualitäten Arnolds.

Denn für den U21- und Olympia-Coach ist Arnold, der seit der U16 in allen Nachwuchs-Nationalmannschaften spielte, eine feste Größe. Mit Arnold als Kapitän wurde Deutschlands wichtigste Talente-Mannschaft 2017 U21-Europameister, der Coach und der Wolfsburger haben eine so hohe Meinung voneinander, dass es dem 27-Jährigen manchmal fast peinlich ist. "Ich mag das nicht, wenn das immer so betont wird", sagt Arnold. "Weil der eine oder andere vielleicht denken könnte: Der Arnold ist nur dabei, weil er gut mit dem Kuntz kann. Ja, wir schätzen uns, aber dass ich jetzt dabei sein darf, hängt mit meinen Leistungen zusammen. Ich habe mir das erarbeitet."

Dass Arnold nun auch bei Olympia die Kapitänsbinde trägt, überraschte niemanden mehr. Dass er die Sache ehrgeizig angeht, auch nicht. "Ich will ins Finale", sagt er, wohl wissend, dass das Team nicht so stark ist, wie es hätte sein können. Denn der Kader, den Kuntz und Arnold vor einigen Wochen am Telefon durchgingen, ist eine Art Notaufgebot. Weil es keine Abstellungspflicht gibt, verweigerten viele Klubs ihren Spielern die Teilnahme. Von den 100 Profis, die der Trainer vor einem halben Jahr auf der Liste hatte, bleiben gerade einmal 18 übrig. 22 hätte Kuntz mitnehmen dürfen. Wenn man so ambitioniert ist wie Arnold, dann ist das ärgerlich. "Wir haben schon ein paar gute Spieler dabei. Es wäre mehr möglich gewesen, wenn alle Klubs mitgezogen hätten", sagt er. "Es wird bei uns stark darauf ankommen, dass wir als ein Team auftreten. Anders wird es nicht gehen."

Schmadtke: Bei Olympia ohne Zuschauer wird Sinn der Veranstaltung "ad absurdum geführt"

Die Konfliktlinie zwischen dem olympischen Ehrgeiz des DFB und den Interessen der Klubs kann Arnold auch bei seinem eigenen Arbeitgeber erkennen. Denn ginge es nach Wolfsburgs Manager Jörg Schmadtke, hätte man auf Olympia und vor allem Olympia-Fußball auch gern ganz verzichten können. Zuschauer aus aller Welt wird es diesmal coronabedingt nicht geben, und "wenn das fehlt, wird der ganze Sinn dieser Veranstaltung ziemlich ad absurdum geführt", so Schmadtke. Dass sich jemand wie Arnold dennoch auf Olympia freut, könne er darum "nur bedingt" verstehen. Dem Spieler mitten in der Vorbereitung unter Neu-Coach Mark van Bommel die Teilnahme zu erlauben, sei "ein Kompromiss" mit dem DFB gewesen. Schmadtke deutlich: "Wäre es nur nach meiner Sicht der Dinge und den Interessen des Vereins gegangen, wäre Maximilian nicht dabei."

Als Arnold das Wolfsburger Team Richtung Olympia verließ, gaben ihm Trainer und Manager mit auf den Weg, "dass ich am besten nach der Vorrunde zurückkommen soll", verrät Kuntz’ Kapitän schmunzelnd. Aber an dieser Stelle hört er lieber auf wen anders: "Meine Frau hat gesagt: ,Wenn du zu Olympia fährst, muss sich das schon lohnen!‘ Und so ist es ja auch. Man fährt ja dahin und will das Ding gewinnen."