17. Mai 2020 / 14:44 Uhr

VfL-Manager Schmadtke: "Es war ungewohnt - und ich will mich nicht daran gewöhnen müssen..."

VfL-Manager Schmadtke: "Es war ungewohnt - und ich will mich nicht daran gewöhnen müssen..."

Andreas Pahlmann und Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Jörg Schmadtke (r.) und Marcel Schäfer mit Mundschutz auf der Tribüne in Augsburg
Jörg Schmadtke (r.) und Marcel Schäfer mit Mundschutz auf der Tribüne in Augsburg
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Sportlich lief es für den VfL Wolfsburg gut - und erfolgreich. Aber die Umstände rund um den 2:1-Sieg am Samstag waren speziell. Kleiner Fauxpas: VfL-Trainer Oliver Glasner hat die Corona-Regeln vor lauter Freude kurz vergessen.

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Als das Siegtor fiel, musste sich Oliver Glasner dann doch etwas zusammenreißen. "Ich habe kurz die Coaching-Zone verlassen, weil ich mich so gefreut habe", schilderte der VfL-Trainer. "Dann ist mir schnell eingefallen: Upps, wieder zurück und ja nicht jemandem zu nahe kommen. Die Freude war groß. Aber es ist jetzt eben so, dass wir uns sehr disziplinieren müssen." Was nicht leicht fällt, wenn ein Spiel so endet wie dieses: Mit 2:1 (1:0) hat Wolfsburgs Fußball-Bundesligist sein Geisterspiel beim FC Augsburg gewonnen, klettert in der Tabelle damit auf Europa-League-Rang sechs. Daniel Ginczek sicherte mit einem Tor in der Nachspielzeit die drei Punkte, zuvor hatten Renato Steffen für den VfL und Tin Jedvaj für den FCA getroffen.

Der VfL Wolfsburg in Augsburg - Die Bilder des Geisterspiels

Leere Ränge: Die WWK-Arena in Augsburg Zur Galerie
Leere Ränge: Die WWK-Arena in Augsburg ©

Es war ein Sieg unter besonderen Umständen - keine Zuschauer, kein normaler Jubel, Ersatzspieler mit Mundschutz auf der Tribüne hinter der Bank. Die Vorgaben aus dem DFL-Hygiene-Konzept wurden "gut umgesetzt", befand Manager Jörg Schmadtke. "Unser Spiel und das, was ich anschließend noch im Fernsehen von den anderen Spielen gesehen habe, waren besser als erwartet. Aber es war ungewohnt - und ich will mich ehrlich gesagt auch nicht daran gewöhnen müssen..."

Am Samstagvormittag hatte Schmadtke zusammen mit den VfL-Hygiene-Beauftragten Dr. Günter Pfeiler und Heiko Wehe schon mal die Kabine im Augsburger Stadion inspiziert, eine knappe Stunde vor Spielbeginn rollte dann der VfL-Bus vor. "Wir haben versucht, das Beste aus der Situation zu machen", sagte Glasner und erläuterte die Abläufe: "Wir sind ziemlich knapp mit zwei Bussen zeitversetzt ins Stadion gekommen und sind dann mit Abstand rein. Es war sogar etwas stressig für die Spieler, rechtzeitig fertig zu werden." Die Busse parkten nicht in der Arena, sondern davor. Aber es hat alles geklappt.

Doch es ging noch weiter. Glasner: "In der Pause wurden wir instruiert, dass wir nicht gleichzeitig durch den Spielertunnel gehen sollen, aber das haben die Spieler alle super gemacht." Auswechselspieler nahmen auf der Tribüne Platz, Wolfsburger Trikots wurden über Sitze gezogen, damit jeder Spieler wusste, wo er zu sitzen hat. "Aber das ist alles nicht spielentscheidend", so Glasner.

Der VfL Wolfsburg in Augsburg: Noten und Einzelkritik

<b>Koen Casteels:</b> Der Belgier im Wolfsburger Tor war in Augsburg wenig gefordert. Zunächst parierte er in der ersten Halbzeit einen Schuss von Juan Vargas im Nachfassen. Doch beim Ausgleich sah er nicht gut aus, der Kopfball von John Anthony Brooks rutschte ihm durch die Handschuhe. - Note: 4 Zur Galerie
Koen Casteels: Der Belgier im Wolfsburger Tor war in Augsburg wenig gefordert. Zunächst parierte er in der ersten Halbzeit einen Schuss von Juan Vargas im Nachfassen. Doch beim Ausgleich sah er nicht gut aus, der Kopfball von John Anthony Brooks rutschte ihm durch die Handschuhe. - Note: 4 ©

Trotz der schwierigen und ungewohnten Umstände machten es die Wolfsburger gut, auch wenn noch nicht alles so geklappt hat, wie es sich der Coach vorgestellt hat. Das ist angesichts der rund neunwöchigen Corona-Pause aber nicht ungewöhnlich. "Man hat gesehen, dass wir noch nicht so im Rhythmus sind, wir hatten Abstimmungsprobleme, es waren technische Fehler und Ungenauigkeiten dabei. Das wird von Spiel zu Spiel besser werden. Insgesamt bin ich zufrieden", sagte Glasner. Vor allem in der Anfangsphase machten sich die Patzer bemerkbar, mit zunehmender Spieldauer bekam der VfL mehr Sicherheit ins Spiel.

Und von außen wirkte es so, als würden sich die VfLer im Laufe des Spiels immer besser mit den Gegebenheiten arrangieren können. So empfand es auch Torschütze Renato Steffen: "Schwer war es eigentlich nur am Anfang, aber dann hat man das irgendwann abgehakt und blendet aus, was drumherum passiert. Es war ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt." Und so war einiges zu hören, was sonst kaum zu hören ist. Vereinzelt gab es Rufe wie "Verschieben!" oder "Pass auf!" Und, so Steffen: "Nicht normal jubeln zu können, war spezieller als alles andere. Macht möchte sich freuen - und muss sich doch zusammenreißen."

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An Spiele ohne Fans werden sich die VfLer noch etwas gewöhnen müssen. Auch Glasner hofft, dass die Normalität schnell wieder einkehrt. "Wer den Fußball liebt, der liebt ihn mit den Fans. Natürlich wollen wir am liebsten beim Siegtreffer wieder mit den Fans feiern. Wir spielen auch wegen den Emotionen", so der Coach, der einen guten Vergleich parat hatte: "Wenn du Geburtstag hast, ist es auch viel schöner, wenn dir Leute gratulieren und du den Tag mit jemandem teilen kannst. Allein im Keller zu sitzen, wäre nicht mal halb so schön."

Sky verzeichnete am Samstag Rekord-Einschaltungen für die Einzelspiele im Pay-TV und für die frei empfangbare Konferenz, insgesamt schauten über sechs Millionen Menschen zu. Schmadtke: "Was wir da machen, scheint von den Zuschauern angenommen zu werden - und es waren richtig gute Spiele dabei." Und: "Wir sollten aufpassen, dass wir die Bewertung nicht nur aufgrund der Umstände vornehmen. Wenn das ein Spiel vor vollen Rängen gewesen wäre, hätten wir gesagt: Wir haben ein richtig gutes Bundesliga-Spiel gesehen!"