05. März 2021 / 23:01 Uhr

Wolfsburgs Oberbürgermeister: Champions League ein realistisches Ziel

Wolfsburgs Oberbürgermeister: Champions League ein realistisches Ziel

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Klaus Mohrs ist Schirmherr des VfL-Arbeitskreis Identifikation
Klaus Mohrs ist Schirmherr des VfL-Arbeitskreis Identifikation © Roland Hermstein
Anzeige

Der VfL Wolfsburg und seine Identität: Ein neuer Arbeitskreis soll im April starten. Der  spezielle Dreiklang zwischen Werk, Fußball und Stadt ist ein besonderes Merkmal beim Tabellendritten der Bundesliga - und Oberbürgermeister Klaus Mohrs wünscht sich, "dass das auch VW ein bisschen offensiver zeigt.“

Anzeige

Mehr Nähe, mehr Verankerung in der Region, mehr Sichtbarkeit – Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg gründet einen „Arbeitskreis Identifikation“, beteiligt dabei unter anderem Fans, VW und Wirtschaftsvertreter. Corona allerdings macht den Start schwierig, das erste Treffen des Arbeitskreises soll im April stattfinden – möglichst nicht per Videoschalte, sondern als persönliche Zusammenkunft.

Anzeige

Zum Themenfeld des Arbeitskreises wird auch die Außendarstellung gehören – und da wünscht sich Klaus Mohrs, Oberbürgermeister und Schirmherr des Arbeitskreises, ein bisschen mehr Selbstbewusstsein aufseiten des VfL, dem oft mangelnde Tradition vorgeworfen wird. „Mag sein“, so Mohrs, „dass der VfL schon ein paar Probleme hat, die ein Traditionsverein vielleicht nicht hat. Aber: Ich sehe es auch als Chance, dass wir eben kein Verein sind, in dem seit 100 Jahren alles in dieselbe Richtung geht - und wo man vielleicht manchmal den Moment verpasst, in dem eine Richtungsänderung notwendig ist.“ Wie es dem Verein gelingt, den Frauenfußball als selbstverständlichen Teil der eigenen Identität zu begreifen, sei ein gutes Beispiel dafür. Hilfreich sei da natürlich, dass die VfL-Fußballerinnen „nicht nur erfolgreich sind, sondern extrem attraktiven Sport bieten“, so Mohrs.

Mehr zum VfL Wolfsburg

Aktuell geht’s auch bei den Männern in die richtige Richtung. Dem VfL winkt die dritte Champions-League-Teilnahme nach 2009 und 2015. Mohrs: „Ich denke, dass der Lauf im Moment so gut ist, dass ein Champions-League-Platz sogar ein realistischen Ziel sein darf. Denn wer sich im Sport nicht an den höchsten Zielen orientiert, hat auf Dauer keinen Erfolg.“ VfL-Geschäftsführer Michael Meeske, der ebenfalls Teil des Arbeitskreises sein wird, formuliert es nur wenig defensiver: „Unser Ziel ist es, europäisch zu spielen. Und wir nehmen alles, was darüber hinaus geht, auch gern mit...“

Was dem VfL dabei in die Karten spielt: Der gute Lauf in der Bundesliga und die Art wie die Mannschaft spielt, passt zum Bild, das der Klub gern vermitteln möchte. Meeske: „Wie die Mannschaft als Einheit die Spiele gestaltet, dabei herausragende Spieler hat, ohne von ,Stars’ abhängig zu sein – das entspricht schon sehr stark dem, was mit ,Arbeit, Fußball, Leidenschaft’ gemeint ist.“ Was natürlich auch – und schon länger – für die Frauen gelte.

Erfolg kann eine wichtige Grundlage für Identifikation sein, vielleicht ist er sogar die Wichtigste. Dass der beim VfL nur im Zusammenspiel mit VW funktionieren kann, ist klar – und sorgt vor allem überregional oft für einen besonders skeptischen Blick. Dabei, so Mohrs, „ist für die Menschen dieser Stadt und dieser Region die Nähe zu Volkswagen gar nichts Schlimmes. Die Menschen identifizieren sich auch mit VW.“ Dieser spezielle Dreiklang zwischen Werk, Fußball und Stadt sei etwas, „das man ruhig offensiver zeigen darf – und manchmal wünsche ich mir, dass das auch VW ein bisschen offensiver zeigt.“

Die VfL-GmbH ist eine VW-Tochter und damit eben auch eine besondere Farbe im Bundesliga-Portfolio. „Natürlich wissen wir, dass wir oft als ,Werksverein’ gesehen werden oder sogar als ,Plastikverein’, was wir nicht sind“, so Meeske. „Aber wir sollten uns nicht verstecken.“ Das Wolfsburger Konstrukt könne vielmehr „auch ein spannender Aspekt von Fußball sein. Es gibt die sogenannten Traditionsvereine, es gibt Vereine in großen Städten – und es gibt eben Vereine wie den VfL mit ganz eigenen Schwerpunkten. Ich finde, dem Fußball tut diese Vielfalt gut.“