18. November 2020 / 22:43 Uhr

Wolfsburgs Pongracic in Quarantäne, Schmadtke sieht Länderspiel-Reisen weiter kritisch

Wolfsburgs Pongracic in Quarantäne, Schmadtke sieht Länderspiel-Reisen weiter kritisch

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Corona-Fall nach Länderspielreise: Marin Pongracic (l.) muss in Quarantäne. VfL-Manager Jörg Schmadtke sieht Auswahl-Spiele weiter sektpisch. 
Corona-Fall nach Länderspielreise: Marin Pongracic (l.) muss in Quarantäne. VfL-Manager Jörg Schmadtke sieht Auswahl-Spiele weiter sektpisch.  © 2020 Getty Images /dpa
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Manager Jörg Schmadtke sieht Länderspiel-Reisen ohnehin kritisch, jetzt hat es einen Spieler seines VfL Wolfsburg erwischt: Marin Pongracic hat sich bei der kroatischen Nationalmannschaft mit Corona infiziert und fällt erst einmal aus.

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Das Wort „Siehste!“ würde Jörg Schmadtke nie gebrauchen, dabei hätte er durchaus Grund dazu. Der Manager des VfL Wolfsburg hatte angesichts der Corona-Gefahr schon Anfang Oktober Länderspiel-Reisen kritisiert und seine Bedenken zu Beginn der am Mittwoch zu Ende gehenden Abstellungsperiode erneuert. Und er darf sich bestätigt sehen: Die gesamte Nations League ist geprägt von coronabedingten Ausfällen und Spielabsagen, am Dienstagabend erwischte es dabei auch den VfL: Marin Pongracic wurde positiv auf das Covid-19-Virus getestet, musste die kroatische Nationalmannschaft vor dem 2:3 gegen Portugal verlassen und befindet sich in häuslicher Quarantäne.

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Den Wolfsburgern wird er damit beim Spiel am Samstag auf Schalke und wahrscheinlich auch mindestens eine Woche später im Heimspiel gegen Bremen fehlen. Nach Kevin Mbabu, Renato Steffen und Landsmann Josip Brekalo ist Pongracic der vierte Corona-Fall beim VfL.

Deutschland in der Einzelkritik gegen Spanien

 Die deutsche Nationalmannschaft in der Einzelkritik gegen Spanien. Zur Galerie
Die deutsche Nationalmannschaft in der Einzelkritik gegen Spanien. ©

„Wir schicken unsere Nationalspieler aus der Blase im Verein zu ihren Landesverbänden – und bis dort dann die nächste Blase aufgebaut sein kann, sind sie fast schon wieder auf der Heimreise“, so Schmadtke nach Bekanntwerden der Pongracic-Infektion zur AZ/WAZ. Mit „Blase“ meint der Manager die mit Hygienekonzepten geschützten und abgeschirmten Abläufe rund um die Mannschaft, deren Sicherheit mit stets wiederholten Tests so weit wie möglich gewährleistet wird. Im Verein selbst sei das leichter zu organisieren, aber sobald die Spieler zu den Nationalteams müssen, „haben wir da keine Sicherheit. Wenn Spieler, die in verschiedenen Ländern beschäftigt sind, zusammenkommen, ist es auch schwieriger, da besseren Schutz zu gewährleisten.“ Wo genau Pongracic sich angesteckt hat, ist nicht zu ermitteln, im Team der Kroaten hatte allerdings schon in der vergangenen Woche ein Corona-Fall für Aufsehen gesorgt. Beim 3:3 in der Türkei musste Domagoj Vida, zur Pause ausgewechselt werden. Der Verband hatte in der Halbzeit erfahren, dass der Pongracic-Nebenmann in der Innenverteidigung womöglich positiv auf das Coronavirus getestet wurde.

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Am Mittwoch, nach der planmäßigen Rückkehr von der Nationalmannschaft, wäre Pongracic in Wolfsburg ohnehin getestet worden, der VfL führt stets bei allen Nationalspielern Tests durch, erst dann dürfen sie wieder ins Vereinstraining einsteigen. Auch deshalb habe noch keine Infektion innerhalb des Kaders zu einer Infektionskette geführt. Schmadtke: „Wir versuchen, hier mit hoher Disziplin und permanenter Testung die größtmögliche Sicherheit zu erzeugen. Das bekommen wir insgesamt in der Bundesliga sehr gut hin, weil die Hygiene-Konzepte gut sind und weil alle Beteiligten sich strikt daran halten.“ Für die Profis gibt es beispielsweise auch Regeln fürs Freizeitverhalten – etwa die, private Kontakte zu minimieren. „Das funktioniert sehr gut“, so Schmadtke, „dass es dennoch den einen oder anderen Fall gibt, ist eine ganz normale Auswirkung so einer Pandemie.“


Die VfL-Nationalspieler Renato Steffen und Admir Mehmedi waren derweil ebenfalls Corona-Betroffene – zumindest indirekt. Ihr Nations-League-Spiel mit der Schweiz wurde am Dienstagabend abgesagt, weil sich beim Gegner Ukraine die Infektionsfälle gehäuft hatten. Beide kehrten am Mittwoch nach Wolfsburg zurück.

1899 Hoffenheim, bisher letzter VfL-Gegner in der Bundesliga, hat ebenfalls einen neuen Corona-Fall zu beklagen, der in direktem Zusammenhang mit den Länderspielen steht. Sargis Adamyan, Torschütze beim 1:2 in Wolfsburg, wurde bei der Nationalmannschaft Armeniens positiv getestet, nach Verbandsangaben sind weitere Spieler und Mitglieder aus dem Trainerstab mit dem Coronavirus infiziert. Nach Andrej Kramaric, Kasim Adams, Kevin Vogt, Sebastian Rudy, Ishak Belfodil, Robert Skov, Munas Dabbur und Jacob Bruun Larsen ist Adamyan bereits der neunte Corona-Fall in der Hoffenheimer Mannschaft. Das Team hatte sich zuletzt in eine mehrtägige freiwillige Quarantäne begeben und trainiert erst seit Montag wieder miteinander.

Die deutsche Nationalmannschaft ist derweil von Corona-Problemen verschont worden, hat sie seit dem 0:6 am Dienstagabend gegen Spanien ganz andere Probleme. VfL-Manager Schmadtke, der das Spiel nicht bis zum Ende geschaut hat (“War zu schmerzhaft“) hält nichts von einer hektischen Diskussion um die Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw. „Die Diskussion ist sehr von Emotionen und von Polemik geprägt, zudem wird da jetzt öffentlicher Druck reingebracht.“ Gegen Spanien sei das DFB-Team „nicht leistungsfähig genug gewesen, um auf dem Niveau bestehen zu können“, aber „eine Trainerdiskussion zuzulassen, ist in solchen Phasen nicht gut. Zudem wird diese Diskussion oft von vermeintlichen Experten geführt, die selbst noch nie eine solche Aufgabe hatten.“

Ösi-Duo des VfL schafft den Aufstieg

Wahnsinniger Abend für das VfL-Duo Pavao Pervan und Xaver Schlager: Die Wolfsburger schafften durch ein spätes 1:1 gegen Verfolger Norwegen im letzten Gruppenspiel der Nations League mit der österreichischen Nationalmannschaft den Aufstieg von der B- in die A-Liga. Mit drei Punkten Vorsprung sicherten sich die Ösis Platz eins in Gruppe eins. Während Pervan gegen Norwegen durchspielte, wurde Schlager nach 65 Minuten für Adrian Grbic (FC Lorient) ausgewechselt – und der sorgte mit seinem Ausgleichstreffer in der vierten Minute der Nachspielzeit für den Aufstieg. Ebenfalls Grund zu jubeln hatte Wolfsburgs Nummer 1 Koen Casteels. Zwar saß der Schlussmann im letzten Gruppenspiel gegen Verfolger Dänemark nur auf der Bank, durfte sich nach dem 4:2-Erfolg dennoch freuen. Mit dem Sieg sicherten sich die Belgier Platz eins in Gruppe zwei und erreichten somit das Final-Four-Turnier der vier besten Teams der Nations League im kommenden Jahr.