11. November 2020 / 18:50 Uhr

Wolfsburg-Profi Pongracic: "Die Diagnose war ein Schock"

Wolfsburg-Profi Pongracic: "Die Diagnose war ein Schock"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Marin Pongracic
Erstmals bei der kroatischen Nationalmannschaft dabei: Marin Pongracic vom VfL Wolfsburg. © Imago Images
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Für Marin Pongracic hat sich am Mittwochabend ein Traum erfüllt - der Innenverteidiger des VfL Wolfsburg durfte erstmals für Kroatien Nationalelf ran. Dabei hat der Abwehrmann des Fußball-Bundesligisten eine schwere Zeit hinter sich...

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Beim 2:1-Sieg des VfL Wolfsburg gegen 1899 Hoffenheim am Sonntag hatte Marin Pongracic erstmals wieder für den Wolfsburger Fußball-Bundesligisten auflaufen dürfen, nachdem er zuvor wochenlang wegen gefehlt hatte. Der Grund: Pfeiffersches Drüsenfieber. Eine Viruserkrankung, bei der die Patienten häufiger mit Halsschmerzen, geschwollenen Lymphknoten, Fieber und Mattheit zu kämpfen haben. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Innenverteidiger über seine Erkrankung, seine Einladung zur kroatischen Nationalelf und ein WhatsApp-Foto von Argentinien-Legende Diego Maradona.

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Sie sind erstmals bei der kroatischen Nationalelf dabei – wie fühlt sich das an?

Einfach nur gut, nachdem ich schon zweimal eingeladen worden war, dann jedoch immer absagen musste. Beim ersten Mal war ich noch in Salzburg und hatte ich mich vorher verletzt. Beim letzten Mal bin ich dann zuvor am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt.

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Ende August kam die Nachricht, dass Sie wegen dieser Viruserkrankung ausfallen werden – wie war diese Zeit ohne Fußball?

Sehr hart, wie für jeden anderen Fußballer auch. Man wartet nur auf den Moment, dass man wieder zurückkommen kann. Ich hatte noch Glück im Unglück, denn nach sieben oder acht Wochen, als ich wieder zurück in Wolfsburg war, konnte ich schon wieder individuell etwas machen. Jetzt bin ich seit zwei, drei Wochen wieder im Mannschaftstraining, war zweimal in Folge wieder im Kader und habe gegen Hoffenheim schon ein paar Minuten Einsatzzeit bekommen, was absolut geil war. Und nun bekomme ich die Chance, hier bei der kroatischen Nationalmannschaft dabei zu sein.

Sie versprühen sehr viel Zuversicht…

...ja, weil ich den Fußball sehr vermisst habe. Es macht einfach Spaß, wieder dabei sein zu können. Wieder im Kader stehen, das Trikot anziehen, auf dem Platz gegen den Ball treten – das ist alles total schön.

Diagnose Pfeiffersches Drüsenfieber: Was denkt man da im ersten Moment?

Es war ein Schock, auch weil ich erst gar nicht wusste, was das genau ist. Aber wenn ich es gewusst hätte, hätte es mir wahrscheinlich auch nicht viel geholfen. Man muss sich ausruhen, sich gesund ernähren, viel schlafen und darf die Geduld nicht verlieren. Das ist mir ganz gut gelungen.

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie sich nicht gut fühlen?

Irgendwann in der Vorbereitung im Training habe ich gemerkt, dass ich keine Kraft habe, sehr schlapp bin. Zuhause habe ich viel geschlafen. Als meine Lymphknoten ein bisschen angeschwollen sind, bin ich zum Arzt gegangen – und dann gab es die Diagnose.

Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich habe angefangen, Informationen darüber zu sammeln und habe gemerkt: Die Ausfallzeit kann zwei Wochen betragen Es kann aber auch bis zu sechs Monate dauern. Ich kenne auch das Beispiel des ehemaligen Spielers von 1860 München (Olaf Bodden, Anmerk. d. Redaktion), der seine Karriere beenden musste. Klar, ich bin jünger, aber man hat trotzdem ein bisschen Angst und fragt sich: Wie lange wird es bei einem selbst dauern?

Wo haben Sie wieder zu Kräften gefunden?

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Ich war die meiste Zeit zu Hause bei der Familie, ab und an war ich zur Behandlung in München. Man kann bei dieser Krankheit nicht viel behandeln, man muss einfach geduldig bleiben.

Beim VfL waren Sie vor Ihrer Erkrankung erste Wahl in der Innenverteidigung – wie lautet Ihr Ziel nach Ihrer Rückkehr?

Ich möchte mir den Platz zurückerobern. Ich habe die Spiele verfolgt habe und habe natürlich auch mitbekommen, dass wir einen Neuzugang (Maxence Lacroix, Anmerk., d. Red.) für die Innenverteidigung bekommen haben. Ich muss sagen: Die Jungs haben es sehr gut gemacht, wir haben sehr wenig Tore bekommen. Es ist selbstverständlich, dass ich mich nach so einer langen Pause hinten anstellen und mich über Trainingsleistungen empfehlen muss. Ich bleibe dran und werde auf meine Chance warten. Ich versuche immer, positiv zu denken.

Im nächsten Jahr findet die EM statt…

...das wäre die Schlagsahne auf der Torte für mich, wenn ich dabei sein dürfte. Ich bin unglaublich stolz und glücklich, dass ich jetzt bei der Nationalelf sein kann. Das ist ein Lebensziel, ein Traum, der jetzt in Erfüllung geht. Aber mein Fokus liegt ganz klar auf dem VfL und auf der Bundesliga. Da will ich mich mit Top-Leistungen für die EM empfehlen.

Was wollen Sie mit dem VfL in dieser Saison erreichen?

Dass wir noch besseren Fußball spielen und noch bessere Ergebnisse erzielen. Ich wünsche mir, dass wir als Team noch besser auf dem Platz harmonieren. Wir haben eine gute Mannschaft, mit der wollen wir uns für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren.

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Dafür braucht es eine stabile Abwehr und eine gefährliche Offensive. Wie oft sagen Sie ihrem Freund und Mitspieler Josip Brekalo, er muss mehr Tore schießen?

Ja, darüber scherzen wir gern mal. Aber ich versuche ihn eher zu motivieren als ihn rund zu machen. Das mag niemand gern. Doch man muss schon sagen: Wenn wir hinten weiterhin so stabil bleiben und vorn noch ein paar Kisten mehr machen, dann wird‘s ein gutes Jahr!

Bei WhatsApp haben Sie ein Profil-Foto, das Diego Maradona als Bild auf einer Hauswand zeigt – sind Sie ein großer Maradona-Fan?

Eigentlich nicht, ich finde das Bild einfach geil. Ich war zweimal in Neapel, da wird er vergöttert, das finde ich Hammer. Und ganz nebenbei finde ich Neapel ziemlich faszinierend.

Und von welchem Spieler sind Sie ein Fan?

Eher von Lionel Messi. Ich bin von klein auf Barcelona-Fan. Jeder, der mit mir darüber diskutieren will, dass es mal einen besseren Spieler gab als Messi, muss wissen: Ich komme dann mit sehr vielen guten Gegen-Argumenten…(lacht). Denn Messi ist der beste Spieler der Geschichte.