28. Juni 2020 / 22:53 Uhr

Wolfsburgs siebter Platz: Ein Erfolg, der nicht restlos glücklich macht

Wolfsburgs siebter Platz: Ein Erfolg, der nicht restlos glücklich macht

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Jörg Schmadtke ist mit Platz sieben zufrieden
Jörg Schmadtke ist mit Platz sieben zufrieden
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Der VfL Wolfsburg spielt auch in der kommenden Saison international, Manager Jörg Schmadtke ist zufrieden. Restlos glücklich macht dieser Erfolg jedoch nicht.

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Mit ein paar Stunden Abstand zum Abpfiff war Jörg Schmadtke, Manager des VfL Wolfsburg, dann „mit Platz sieben total glücklich“. Aber mit Platz sechs wäre er eben noch glücklicher gewesen, „auch um ein paar Terminprobleme wegzunehmen“. Aber es sollte nicht sein – weil es für den Wolfsburger Fußball-Bundesligisten beim Saisonfinale eine nicht überraschende 0:4-Niederlage gegen Meister Bayern gab. Und weil Vizemeister Dortmund bei der deutlich überraschenderen 0:4-Pleie gegen Hoffenheim die Schützenhilfe verweigerte.

VfL Wolfsburg gegen die Bayern - Die Bilder

Kollegen-Talk: Robin Knoche, Josip Brekalo und Ex-VfLer Ivan Perisic Zur Galerie
Kollegen-Talk: Robin Knoche, Josip Brekalo und Ex-VfLer Ivan Perisic ©

Der BVB ohne Gegenwehr – das machte den VfL sauer. „Der letzte Spieltag hat viel Aussagekraft über jede einzelne Mannschaft“, sagte Schmadtke am Samstag. Die Dortmunder wollte er nicht explizit nennen, aber am Sky-Mikrofon war klar, dass er sie meinte. „Ziehen Sie“, so Schmadtke auf Nachfrage, „ihre eigenen Schlüsse daraus...“ Deutlicher war derweil Maximilian Arnold: „Ich hätte nicht gedacht, dass Dortmund so spielt. 0:4, was soll man dazu noch sagen...“ Dortmund-Boss Hans-Joachim Watzke konterte dann am Sonntag im Doppelpass: „Wenn ich selber 0:4 verloren hätte, würde ich einfach die Klappe halten...“

Schmadtke: "Konstanz auf hohem Niveau"

Der VfL war derweil schon wieder im Sachlichkeits-Modus angekommen. „Wir haben das Ergebnis aus der Vorsaison jetzt mit verändertem Personal bestätigt – das ist Konstanz auf hohem Niveau“, so Schmadtke. „Ein Platz mehr oder weniger ist da nicht entscheidend, Platz sieben“ sei nach Rang sechs im Vorjahr „kein Schritt zurück. Es war keine herausragende Saison, aber eine gute.“

Und so steht unterm Strich mit dem Einzug in die Europa-League-Quali ein Erfolg, der nicht restlos glücklich macht. Was hat gefehlt? Vor allem Heimstärke: Der VfL hat nur vier (!) Partien im eigenen Stadion gewonnen, lediglich Paderborn und Bremen stehen noch schlechter da. „Unsere Heimbilanz ist eigentlich nicht passend für eine Mannschaft, die international spielen will“, so Schmadtke. „Aber die Stärken unseres Spiels passten einfach auswärts besser: defensiv gut stehen, nach Balleroberung möglichst schnell in die Spitze spielen. Bei Heimspielen geht es oft darum, von hinten aufzubauen – und das fiel uns ein bisschen schwerer.“

"Victor und Klaus hatten nicht die Durchschlagskraft"

Und: Die VfL- Offensive hat aus Schmadtkes Sicht noch Verbesserungsbedarf. „Um weiter oben zu landen, haben uns 15 bis 20 Tore gefehlt“, so der Manager. „Jetzt ist die Frage: Wie bekommst du deine eigenen Spieler da weiter entwickelt – und an welcher Stelle musst du das vielleicht mit einem Transfer lösen."

Heißt im einzelnen: "Weghorst war ein wichtiger Faktor, Brekalo und Steffen haben ihre Tore gemacht, das war okay. Aber Mehmedi und Ginczek haben zwischendurch mehr oder weniger lange gefehlt, Victor und Klaus hatten am Ende in dieser Saison nicht die Durchschlagskraft, die du brauchst. Da fehlt uns was, da werden wir wahrscheinlich jemanden dazu nehmen."

Aber Schmadtke sagt auch: "Gut war, dass die Mannschaft druckresistent war und defensiv stabil. Wobei: Auch defensiv ist da noch Potenzial. Bei den Gegentoren hätte ich gern eine 3 vorn stehen, bei den eigenen Toren eine 6 – dann hätten wir auch gleich zehn Punkte mehr...“

<b>Koen Casteels</b>: Bärenstark – vor und nach dem Wechsel. Note: 2 Zur Galerie
Koen Casteels: Bärenstark – vor und nach dem Wechsel. Note: 2 ©

Und dann hätte es auch keine gemischten Gefühle nach dem Saisonfinale gegeben. „Ich persönlich bin zufrieden mit dem siebten Platz“, so formulierte es Trainer Oliver Glasner, „obwohl ich den sechsten gern gehabt hätte.“ Auch Arnold war klar, dass dem Frust über Platz sieben irgendwann die Freude über den erneuten Einzug ins internationale Geschäft folgen werde. Aber unmittelbar nach dem Spiel am Samstag war es noch nicht so weit. „Heute werde ich mich noch mal ärgern“, sagte er, „und saufe mir richtig einen rein.“

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Guilavogui-Comeback mit Gelb-Rot

Erstmals nach seiner hartnäckigen Knieverletzung hatte Josuha Guilavogui gegen die Bayern in der VfL-Startelf gestanden. Aber der sonst so zuverlässige Kapitän hatte große Probleme. Er kam in vielen Szenen zu spät, was wiederum mit seiner fehlenden Spielpraxis zusammenhängen dürfte. In der 72. Minute hatte Guilavogui seinen Landsmann Michael Cuisance zu Fall gebracht. Es gab Elfer für die Bayern – und Gelb-Rot für den VfLer. Kam die Partie für den 29-Jährigen zu früh? „Nein, ich bin froh, dass er jetzt wieder zur Verfügung steht“, so VfL-Trainer Oliver Glasner. Guilavogui war für Xaver Schlager (Innenbanddehnung) ins Team gerutscht.