10. Mai 2021 / 22:01 Uhr

Wolfsburg sitzt Hannover im Nacken: "War damals überhaupt nicht mit zu rechnen"

Wolfsburg sitzt Hannover im Nacken: "War damals überhaupt nicht mit zu rechnen"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Bundesligisten aus Niedersachsen: Der VfL (l.) holt in der Ewigen Tabelle demnächst Hannover 96 (r. Siggi Reich in der Saison 1988/89) ein.
Bundesligisten aus Niedersachsen: Der VfL (l.) holt in der Ewigen Tabelle demnächst Hannover 96 (r. Siggi Reich in der Saison 1988/89) ein. © Boris Baschin / dpa
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Mit dem 3:0 gegen Union Berlin ist der VfL Wolfsburg am Samstag in der Ewigen Tabelle am MSV Duisburg vorbeigezogen. Jetzt jagt er Nachbar Hannover 96.

Mit dem 3:0-Sieg am Samstag gegen Union Berlin festigte der VfL Wolfsburg nicht nur den dritten Tabellenplatz in der Fußball-Bundesliga, er machte auch in der Ewigen Tabelle mal wieder einen Sprung nach oben: Mit jetzt 1149 Punkten (die Punktzahlen aller Teams seit 1963 wurden auf die 1991 eingeführte Drei-Punkte-Regel umgerechnet) ist Wolfsburg jetzt auf Rang 16, überholte den MSV Duisburg (1147). In der kommenden Saison dürfte der VfL dann schon in der Hinrunde auf Rang 15 klettern - und damit bester niedersächsischer Bundesligist aller Zeiten werden. Denn es sind nur noch 25 Punkte, die die Wolfsburger von Hannover 96 trennen.

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Wolfsburg demnächst vor Hannover. "Zu meiner aktiven Zeit war damit überhaupt nicht zu rechnen", sagt Siggi Reich, Wolfsburger Profi-Urgestein und von 1992 bis 1996 bei Hannover 96 unter Vertrag. "96 hatte damals ein Stadion für 60.000 Leute und einen Schnitt von 40.000 Zuschauern, beim VfL kamen vielleicht 800. Das war eine andere Welt." Auch was das Umfeld und die Verwurzelung in der Stadt angeht, war Hannover viel weiter als das deutlich kleinere Wolfsburg. "96 war", so der Stürmer, "ähnlich wie Schalke, Dortmund oder der HSV immer ein Verein, der von großer Emotionalität profitierte."

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Hannover war - trotz einiger Auf- und Abstiege - verglichen mit Wolfsburg großer Fußball, ebenso wie Borussia Mönchengladbach, Dortmund, Bielefeld oder Uerdingen - Reichs weitere Erstliga-Stationen. 1981 hatte er den damaligen Oberligisten VfL verlassen müssen, um Profi zu werden. Der damals 21-Jährige entschied sich für Gladbach - und gegen Eintracht Braunschweig, dem dritten niedersächsischen Klub in der Bundesliga-Geschichte. "Auch Eintracht wäre damals ein großer Schritt gewesen, das war ja auch ein gestandener Bundesligist." Das Angebot des Nachbarn war auch durchaus verlockend: "Ich hätte in der Region bleiben können, das wäre persönlich möglicherweise einfacher gewesen. Aber Gladbach setzte mehr auf junge Spieler und deren Entwicklung. Deswegen war das für mich der richtige Schritt."

Die Braunschweiger (Platz 20) hatte der VfL in der Ewigen Tabelle bereits vor fünf Jahren überholt, die Kräfte-Verhältnisse in Niedersachsen verschieben sich bereits seit Jahren mehr und mehr Richtung VW-Klub. Liegt's nur an Volkswagen? "Sicherlich auch", so Reich, der 1991 zum VfL zurückkehrte und 1992 ein großer Faktor beim Aufstieg in die 2. Liga war. Aber schon bevor Ex-VW-Chef Martin Winterkorn den Profi-Fußball vor 2007 fest im Konzern verankerte, sei der VfL auf dem richtigen Weg gewesen. "Gute Manager, gute Trainer - und oft auch eine nötige Portion Glück bei den Spielerverpflichtungen", nennt der ehemalige Angreifer weitere Gründe. Und: "Richtige Entscheidungen von den richtigen Leuten an den richtigen Stellen" - das ist womöglich "ein Unterschied" zu den beiden Niedersachsen-Rivalen.

Dass 96 und Eintracht wegen ihrer langen Fußball-Tradition und ihres großen Umlands eine breitere Fan-Base haben, werde sich dennoch so schnell nicht ändern. "Man macht weder einen Eintracht-Fan noch einen 96-Anhänger mal eben zum VfL-Fan", glaubt er. Aber dass sich die sportlichen Kräfteverhältnisse dauerhaft wieder ändern, sei im Moment auch schwer vorstellbar. "Da müsste einiges passieren."