10. Januar 2022 / 18:25 Uhr

Wolfsburg-Sportdirektor Schäfer: Darum bleibt Kohfeldt Trainer

Wolfsburg-Sportdirektor Schäfer: Darum bleibt Kohfeldt Trainer

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Rückendeckung: Marcel Schäfer (r.) steht in Wolfsburg weiter zu Trainer Florian Kohfeldt.
Rückendeckung: Marcel Schäfer (r.) steht in Wolfsburg weiter zu Trainer Florian Kohfeldt. © (c) Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Anzeige

Der VfL Wolfsburg am Boden, Trainer Florian Kohfeldt gerät zwangsläufig in den Blickpunkt. Aber noch hat der Ex-Bremer die volle Rückendeckung der sportlichen Führung.

Es will einfach nicht aufhören… Das ernüchternde 0:1 des VfL Wolfsburg am Sonntagabend in Bochum beim Rückrunden-Start in die Fußball-Bundesliga war bereits die achte Pflichtspiel-Niederlage in Folge der Niedersachsen, die sechste hintereinander in der Liga. Und so gerät zwangsläufig Florian Kohfeldt in den Blickpunkt. Allerdings: Trotz der Niederlagen-Serie stehen Manager Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer hinter dem Coach, der akribisch arbeitet, jedoch viel zu wenig Punkte geholt hat. Am Samstag im Keller-Knaller gegen Hertha BSC sitzt Kohfeldt auf jeden Fall auf der VfL-Bank.

Anzeige

Der 39-Jährige hatte sich selbst am Sonntagabend eine Art Job-Garantie gegeben, als er auf Nachfrage sagte: „Ich bin absolut sicher, dass ich gegen Hertha auf der Bank sitzen werde.“ Schäfer lässt keine Zweifel aufkommen, dass das so sein wird. Und erklärt: „Wir sind überzeugt davon, dass wir mit ihm die Wende schaffen. Und deswegen gehen wir das auch gemeinsam an“, betont der VfL-Sportdirektor, der lang genug im Geschäft ist, um zu wissen, dass ihm derlei Sätze in solch einer angespannten sportlichen Lage auch als Durchhalteparolen ausgelegt werden können. Schäfer ehrlich: „Wenn du so dermaßen den eigenen Ansprüchen hinterherhinkst, wie wir das tun, dann ist auch jegliche Kritik, die gerade auf uns einprasselt, berechtigt. Dann hat man selbst wenig Argumente.“

Mehr zum VfL Wolfsburg

Dennoch: Der ehemalige VfL-Meisterspieler steht weiter hinter Kohfeldt und ist sich sicher, dass der VfL nicht zum zweiten Mal in dieser Saison den Trainer tauschen muss. Im Oktober hatte Mark van Bommel gehen müssen – nach acht Spielen ohne Sieg. Zum Vergleich: Für Kohfeldt war die Niederlage in Bochum bereits die neunte Sieglos-Partie hintereinander. Schäfer betont: „Wir sind überzeugt davon, was er macht. Er arbeitet jeden Tag akribisch. Er weiß, was zu tun ist.“ Dass die Niederlagen-Serie ihn nicht kalt lasse, „ist menschlich. Dass man dann mehr grübelt oder über die Dinge noch mehr nachdenkt, ist logisch. Aber Florian ist klar und weiß die Dinge richtig einzuordnen.“


Dass ein erneuter Trainerwechsel das Eingeständnis der sportlichen Führung wäre, zum zweiten Mal binnen weniger Monate bei einer wichtigen Personalie komplett falsch gelegen zu haben, ist klar. Schäfer macht darum das, was er in einer derart prekären Situation machen muss – er gibt sich vor dem Duell mit der Hertha, die mit 21 Zählern nur einen Punkt mehr auf dem Konto hat als der Tabellen-14. Wolfsburg, kämpferisch. „Wir brauchen jetzt vor allem intern eine Jetzt-erst-recht-Mentalität. Der Kopf spielt jetzt eine ganz große Rolle.“

Und wie kommt man aus dieser Negativspirale wieder raus? Braucht es jetzt die Hilfe eines Mental-Coaches, den Kohfeldt auch in seiner Zeit bei Werder Bremen dabei hatte? „Nein", sagt Schäfer. Gleichwohl betont er: „Ich bin aber auch kein Freund davon, jetzt zum Alltag überzugehen und so zu tun, als ob nichts wäre. Das werden wir auch nicht machen, denn wir können alle die Tabelle lesen.“ Und die lügt ja bekanntermaßen nicht.

Gerade mal zwei Punkte beträgt der Vorsprung des VfL auf den Relegationsplatz, drei sind es auf einen Abstiegsplatz. Schäfer wünscht sich fürs Hertha-Spiel zunächst einmal die Basics im VfL-Spiel: „Ärmel hochkrempeln und Gas geben – denn sonst werden wir aus dieser Situation nicht herauskommen.“ Eine Situation, die durchaus an die beiden Fast-Abstiege 2017 und 2018 erinnert. Damals wie heute musste man in den Wolfsburger Spielen das Gefühl haben, dass nicht jeder Spieler den Ernst der Lage kennt.

In der Vorbereitung aufs Hertha-Spiel verändert Kohfeldt vom Ablauf her nicht viel. Am Montag übten die Reservisten, am Dienstag ist frei, einige Spieler üben jedoch individuell, am Mittwoch stehen zwei Einheiten an. Ein Kurz-Trainingslager oder viele Geheim-Einheiten seien nicht geplant. Schäfer verspricht: „Wir werden diese Trainingswoche intensiv nutzen. Und wir werden bestens vorbereitet ins Spiel gegen Berlin gehen.“