14. Juli 2020 / 22:52 Uhr

Wolfsburg-Sportdirektor Schäfer: "Dreistellige Millionen-Transfers moralisch nicht vertretbar"

Wolfsburg-Sportdirektor Schäfer: "Dreistellige Millionen-Transfers moralisch nicht vertretbar"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
VfL-Kandidat:  Linton Maina könnte ein Neuzugang in dieser Transferperiode sein, Wolfsburgs Sportdirektor Marcel Schäfer (r.) geht davon aus, dass der Wolfsburger Kader eher punktuell verstärkt wird.
VfL-Kandidat:  Linton Maina könnte ein Neuzugang in dieser Transferperiode sein, Wolfsburgs Sportdirektor Marcel Schäfer (r.) geht davon aus, dass der Wolfsburger Kader eher punktuell verstärkt wird. © Boris Baschin/Florian Petrow
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Ab jetzt ist das Transferfenster geöffnet - aber ein schneller Kaufrausch ist in der Bundesliga nicht zu erwarten. Marcel Schäfer, Sportdirektor des VfL Wolfsburg, geht für seinen Klub von "punktuellen Verstärkungen" aus und ist gespannt auf die Entwicklung des Marktes.

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Das Fenster geht auf: Am Mittwoch startet in Deutschland und einigen anderen Ländern die Sommer-Transferperiode. Der VfL ist "vorbereitet", wie Sportdirektor Marcel Schäfer dem SPORTBUZZER erklärt. Es sei allerdings nicht damit zu rechnen, dass jetzt schnell Bewegung in den Kader komme. Und dass Wolfsburgs Fußball-Bundesligist bis zum Trainingsstart am 25. Juli seine Transferaktivitäten abschließen kann, sei quasi ausgeschlossen.

Im vergangenen Jahr hatte der VfL seinen Kader zum Trainingsstart komplett, lediglich Stürmer Lukas Nmecha wurde wegen der Rücken-OP von Daniel Ginczek nachverpflichtet. "So schnell werden wir das in diesem Jahr nicht schaffen", so Schäfer. "Und dass wir das vor einem Jahr hinbekommen hatten, war ja auch schon außergewöhnlich." Durch die Corona-Krise verschieben sich zudem nun ohnehin auch die zeitlichen Abläufe. In Deutschland ist das Transferfenster ab heute bis zum 5. Oktober offen, in anderen Ländern ist es noch geschlossen oder längst offen. Zum Teil wird in den Ligen dort auch noch gespielt - beispielsweise in England, wo noch keine Entscheidung über Start und Dauer der Sommer-Transferperiode gefallen ist.

Dass der VfL einen agilen Offensivspieler mit Tordrang sucht, ist bekannt - und mit Linton Maina von Hannover 96 gibt es für diese Position einen interessanten Kandidaten, um dessen Ablöse verhandelt wird. Die VfL-Vorstellungen (die bei unter 5 Millionen Euro liegen sollen) stoßen bei 96 noch auf Widerspruch. Profifußball-Chef Martin Kind: "Von Wolfsburg muss auch mehr kommen, Wolfsburg ist am Zug, das Heft des Handelns liegt beim VfL."

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Felix Magath holte Marcel Schäfer im Sommer 2007 für 1,2 Millionen Euro von 1860 München zum VfL Wolfsburg Zur Galerie
Felix Magath holte Marcel Schäfer im Sommer 2007 für 1,2 Millionen Euro von 1860 München zum VfL Wolfsburg ©

Neben der Personalie Maina geht es beim VfL darum, "die Mannschaft punktuell zu verstärken und möglicherweise auf einigen Positionen Reizpunkte zu setzen", so Schäfer. "Wir werden Stand heute wenige Abgänge haben, deswegen besteht nicht die Not, massiv Veränderungen vorzunehmen. Das hat aber weniger mit Corona zu tun, das wollten wir ohnehin. Von der Kadergröße her, sind wir gut aufgestellt."

Was auch daran liegt, dass mit Jeffrey Bruma, Yunus Malli und John Yeboah gleich drei zuletzt verliehene Spieler zurückkehren werden. Mit dem Trio sei man im Austausch, so Schäfer, alle drei werden beim Trainingsauftakt erst einmal in Wolfsburg auf dem Platz stehen. An Yeboah ist Hannover interessiert, Bruma und Malli (jeweils Vertrag bis 2021) müssten bei einem erneuten Vereinswechsel wohl erhebliche Gehaltseinbußen in Kauf nehmen. Sollten sie das ablehnen, wäre das für die VfL-Verantwortlichen kein Problem. "Wir akzeptieren bestehende Verträge und arbeiten dann natürlich mit den Spielern weiter zusammen", so Schäfer.

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Die VfL-Dauerbrenner in der Bundesliga ©

Unabhängig von den VfL-Planungen ist Schäfer "gespannt darauf, wie sich der Transfermarkt insgesamt in diesem Jahr darstellen wird". Seine Einschätzung: "Dreistellige Millionenbeträge für Transfers sind moralisch nicht vertretbar, wenn vom Kleinunternehmer bis hin zur Lufthansa in der gesamten Wirtschaft Unternehmen straucheln." Deswegen werde es Transfers "zu Preisen geben, die vor einem Jahr noch anders ausgesehen hätten - Timo Werner ist dafür ein gutes Beispiel." Der Leipzig-Torjäger wechselt für 50 Millionen Euro zu Chelsea. "Das wäre im vergangenen Jahr ein anderer Preis gewesen."

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Zwar werden nach Schäfers Einschätzung auch in Zukunft Angebot und Nachfrage den Preis regeln, aber "durch Corona sind alle ein bisschen sensibilisiert und werden über Ausgaben anders nachdenken". Dass man grundsätzlich über die im Fußball bewegten Summen kritisch diskutieren kann, werde bleiben. "Aber diese Diskussionen", so der VfL-Sportdirektor, "hat es vor 20 oder 30 Jahren auch schon gegeben".

Dass sich viele Klubs Ausgaben-Disziplin auferlegt haben, führt auch vermehrt zu Gerüchten um Tauschgeschäfte. "In der jetzigen Situation kann das ein Mittel sein", so Schäfer - aber dass Vereine Spieler mal eben einfach gegeneinander austauschen, sei unwahrscheinlich, denn: "Es müssen ja immer die Interessen beider Vereine und beider Spieler genau übereinstimmen, sportlich wie wirtschaftlich. Dass das alles dann eins-zu-eins passt, bedarf dann schon vieler übereinstimmender Faktoren."