30. August 2020 / 13:57 Uhr

Wolfsburg-Star Harder: Zum Abschied wird sie Fußballerin des Jahres 2020!

Wolfsburg-Star Harder: Zum Abschied wird sie Fußballerin des Jahres 2020!

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Auszeichnung: Pernille Harder (links beim Abschlusstraining in San Sebastian) ist Deutschlands Fußballerin des Jahres.
Auszeichnung: Pernille Harder (links beim Abschlusstraining in San Sebastian) ist Deutschlands Fußballerin des Jahres. © AP
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Pernille Harder ist Deutschlands Fußballerin des Jahres. Die Dänin vom VfL Wolfsburg, die in der kommenden Woche zum FC Chelsea wechseln wird, lag bei der Wahl vor einer Vereinskollegin. Am Sonntagabend bestreiten Harder und Co. das Champions-League-Finale gegen Olympique Lyon.

Vor dem Finale der Champions League der Frauen steht Pernille Harder vom VfL Wolfsburg gleich doppelt im Blickpunkt. Zum einen, weil sie nach dem Spiel gegen Olympique Lyon in San Sebastian zum FC Chelsea wechselt. Zum anderen, weil ihr wenige Stunden vorm Anpfiff eine hohe Ehre zuteil wurde: Die Dänin wurde zu Deutschlands Fußballerin des Jahre gekürt. Sie ist die erste ausländische Spielerin, die diese Auszeichnung erhält. Bei den Männern gewann Robert Lewandowski.

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Bei der vom Kicker durchgeführten Abstimmung erhielt Harder unter Sportjournalistinnen und -journalisten 212 von 446 und lag damit vor ihrer Vereinskollegin Alexandra Popp (76) und Dzsenifer Marozsan (36 ) vom CL-Finalgegner Olympique Lyon. Zum vierten Mal nach Popp (2014 und 2016) und Martina Müller (2013) gewann damit eine Spielerin des VfL die seit 1996 durchgeführte Wahl - erste Siegerin war damals die heutige Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

Ihre Wahl, so Harder, sei "ein tolles Signal für die Bedeutung der Frauen-Bundesliga. Ein Dank gilt meinen Teamkolleginnen vom VfL Wolfsburg, die maßgeblichen Anteil daran hatten, dass ich mich zum zweiten Mal als beste Liga-Torschützin auszeichnen konnte!“

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Mit 14 spielte Pernille Harder erstmals für die dänische U16-Auswahl. Zur Galerie
Mit 14 spielte Pernille Harder erstmals für die dänische U16-Auswahl. ©

Harders Wahl unterstreicht aber auch, wie schmerzhaft ihr Abschied für den VfL ist. Am Samstag hatte der SPORTBUZZER enthüllt, dass die 27-Jährige nach dem Finale offenbar zum FC Chelsea wechseln wird. Mit einer offiziellen Bestätigung ist aber erst am Dienstag oder Mittwoch zu rechnen. Chelsea will 350.000 Euro für die Top-Angreiferin bezahlen. So viel wurde bislang noch nie für eine Bundesliga-Spielerin geboten. Beim VfL wollte man die Nachricht nicht bestätigen. „Unsere Konzentration gilt dem Finale am Sonntag, wir kommentieren vorher keine Personalien“, sagte ein Sprecher der dpa. Harder erzielte bisher 105 Treffer in 123 Pflichtspielen für den VfL. Allein in der vergangenen Bundesliga-Saison traf sie 27 Mal - in 22 Partien. Gelänge ihr ein Treffer im Champions-League-Finale, wäre sie mit dann zehn Toren auch dort Rekordschützin der Saison.

Im Januar 2017 war Harder vom schwedischen Klubs Linköpings FC nach Wolfsburg gekommen. Dort entwickelte sie sich nicht zum Top-Star, sondern nach Ansicht vieler Experten zur besten Fußballerin der Welt - mit einer im Frauenfußball nicht übertroffenen Mischung aus Spielintelligenz, Torinstinkt und Technik. "Es ist dieses Gesamtpaket, das sie zu einer der besten, wenn nicht sogar zur besten Spielerin der Welt macht", urteilte VfL-Trainer Stephan Lerch im vergangenen Jahr. Als der englische Guardian Ende 2018 mittels einer globen Umfrage unter Frauenfußball-Kennern die 100 besten Spielerinnen der Welt ermittelte, lag Harder auf Platz eins.

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Früh in diesem Jahr hatte der FC Chelsea begonnen, um Harder zu buhlen. Besonderes Argument für die Londener: Beim CFC spielt Harders Lebensgefährtin Magdalena Eriksson, die beiden sind seit ihrer gemeinsamen Zeit in Linköping ein Paar und setzen sich öffentlich gegen die Diskriminierung von Homosexuellen ein. Harder hatte bereits im März betont, spätestens nach Ablauf ihres Vertrages 2021 (dann wäre sie ablösefrei) wieder mit Eriksson zusammenspielen zu wollen.


Die 350.000 Euro, die der VfL für sie erhält, sind nach Maßstäben des Männerfußballs eine geradezu läppische Summe für den Frauenfußball - wo die meisten Wechsel immer noch abslösefrei über die Bühne gehen - sind sie ein Quantensprung. Wenn es doch einmal um Transfersummen im Frauenfußball geht, wird selten darüber gesprochen. Als bisher teuerste Bundesliga-Fußballerin gilt Stürmerin Mandy Islacker, deren Wechsel vom 1. FCC Frankfurt zum FC Bayern den Münchnern 2017 gut 100.000 Euro wert gewesen soll. Die Summe, die der VfL für seine ablösepflichtigen Spielerinnen bezahlt hat - etwa Dominique Janssen und Lena Oberdorf - lagen darunter.