12. August 2020 / 23:19 Uhr

Wolfsburg-Talent Marmoush: Aus Kairo über Wendschott nach Tokio

Wolfsburg-Talent Marmoush: Aus Kairo über Wendschott nach Tokio

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Omar Marmoush und der VfL starten in die Saisonvorbereitung
Omar Marmoush und der VfL starten in die Saisonvorbereitung © Roland Hermstein
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Der VfL Wolfsburg startet in die Saison-Vorbereitung. Der Ägypter Omar Marmoush will sich im Profi-Kader der Niedersachsen etablieren - und ins Nationalteam.

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Eine Trainingseinheit am Vormittag im Kraftraum, eine am Nachmittag auf dem Platz: So beginnt beim VfL am Donnerstag die Saisonvorbereitung. Eine gute Woche nach dem Aus in der Europa League in der Ukraine will sich Wolfsburgs Fußball-Bundesligist für den Start der neuen Spielzeit in Form bringen. Mittendrin: Omar Marmoush. Der 21-Jährige Ägypter ist der Nachwuchsspieler, der in den letzten Monaten von Trainer Oliver Glasner die meiste Spielzeit bekam – und der jetzt darauf brennt, dauerhaft zum Kader der Profis zu gehören.

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Seit drei Jahren ist Marmoush in Deutschland, seit einem halben Jahr läuft es richtig gut. Zuvor war ihm die Umstellung schwer gefallen. „Ich bin mit 17 aus Kairo nach Deutschland gekommen, hatte bis dahin nur bei dem Klub aus meinem Stadtteil gespielt. Ich musste die Sprache lernen, habe allein gelebt. Selbst kochen, selbst putzen und die Wäsche machen. Das war neu und nicht einfach.“ Eine Schambeinentzündung bremste ihn zusätzlich aus, in der U23 bekam er kaum Einsatzzeit. Auch der erhoffte Sprung in die A-Nationalmannschaft seines Heimatlandes klappte nicht. „Ich wäre sehr gern beim Afrika-Cup im vergangenen Jahr dabei gewesen“, so der Offensivmann, „als daraus nichts wurde, war ich erst enttäuscht – und dann motiviert. Ich habe mir vorgenommen, richtig Gas zu geben.“

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Dodo (M) kämpft mit Joao Victor (r) um den Ball. Zur Galerie
Dodo (M) kämpft mit Joao Victor (r) um den Ball. ©

Die Belohnung kam mit Verzögerung, im Team des VfL II startet er erst im vergangenen Spätherbst so richtig durch. Ein Dreierpack im Spiel gegen den HSC Hannover war die Initialzündung, in den folgenden sieben Partien bis zum Saisonabbruch traf er weitere fünf Mal. Andere Klubs wurden aufmerksam, Greuther Fürth und der FC St. Pauli klopften an, dazu Erstligisten aus Griechenland und Österreich. Doch ehe der Gedanke an einen Abschied aus Wolfsburg überhaupt reifen konnte, holte ihn Glasner zu den Profis, wechselte ihn beim 4:1-Sieg in Leverkusen erstmals ein. „Dass inzwischen fünf Auswechslungen erlaubt waren“, so Marmoush, „hat mir sehr geholfen“. In Kiew feierte er dann seine Europacup-Premiere. „Das ist schon ein Traum“, sagt er, „aber ich habe weitere Ziele.“

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Das erste Ziel: Den Trainer weiterhin von seinen Qualitäten zu überzeugen. „Die Vorbereitung“, so Marmoush, „ist für einen jungen Spieler die wichtigste Zeit. Da kann man sich zeigen.“ Und: „Startelf in der Bundesliga, Tore und Vorlagen – das ist das, was ich mir jetzt vornehme. Dafür werde ich weiter hart arbeiten. Dass er seine ersten Bundesliga-Minuten vorweisen kann, hilft ihm auch in den Auswahlteams seiner Heimat. „Es gibt nicht so viele Ägypter in den europäischen Ligen“, weiß er, „in der Bundesliga bin ich im Moment der einzige...“

In Wendschott fühlt er sich mittlerweile heimisch, mit der Familie in Kairo telefoniert er jeden Tag. Mit der Olympia-Auswahl seines Landes hat er sich für die Spiele in Tokio qualifiziert, beim letzten Lehrgang war er nicht dabei. „Ich weiß nicht, ob ich am Ende im Kader gewesen wäre“, sagt er. Jetzt ist Olympia auf 2021 verschoben. „Da will ich hin – aber ich hoffe weiter auf die A-Nationalmannschaft!“