21. November 2020 / 18:36 Uhr

Wolfsburgs Torschütze trägt Schalkes Unglückszahl auf dem Rücken

Wolfsburgs Torschütze trägt Schalkes Unglückszahl auf dem Rücken

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Mann mit der 24 trifft, Schalke ist seit 24 Spielen ohne Sieg - und hat im 24. Heimspiel gegen Wolfsburg erstmals keinen Treffer erzielt.
Der Mann mit der 24 trifft, Schalke ist seit 24 Spielen ohne Sieg - und hat im 24. Heimspiel gegen Wolfsburg erstmals keinen Treffer erzielt. © (c) Pool AP
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Xaver Schlager erzielte beim 2:0-Sieg in Gelsenkirchen früh den vorentscheidenden zweiten Treffer für den VfL Wolfsburg. Auf seinem Rücken trägt der Österreicher die neue Schalke- Unglückszahl...

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Dass es der VfL Wolfsburg versäumte, zum ersten Mal in dieser Bundesliga-Saison mehr als zwei Tore in einem Spiel zu erzielen, kann man bemängeln - ansonsten lief gegen eine erschreckend schwache Schalker Mannschaft alles glatt. Der 2:0-(2:0)-Sieg am Samstag in Gelsenkirchen war der erste Wolfsburger Auswärtssieg der Saison, der VfL bleibt auch in der achten Partie dieser Spielzeit ohne Niederlagen - und steht kurz davor, den Ungeschlagen-Startrekord aus der vergangenen Saison (neun Spiele) einzustellen. Xaver Schlager, Torschütze zum früh vorentscheidenden 2:0, trug derweil die neue Schalker Unglückszahl auf dem Rücken: 24 Spiele nacheinander hat S04 jetzt nicht gewonnen - und blieb im 24. Liga-Heimspiel gegen Wolfsburg erstmals ohne eigenen Treffer.

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<b>Koen Casteels</b>: Gute Strafraumbeherrschung, da, wenn er gebraucht wurde – wie etwa bei den Versuchen von Paciencia und Raman. - Note: 3 Zur Galerie
Koen Casteels: Gute Strafraumbeherrschung, da, wenn er gebraucht wurde – wie etwa bei den Versuchen von Paciencia und Raman. - Note: 3 ©

Entschieden wurde das Spiel in der ersten halben Stunde, in der Schalke gegen das Direktspiel der Gäste überfordert wirkte. Bezeichnend die Szene vorm zweiten Tor: Bei der Ballannahme springt Wout Weghorst der Ball zu weit vom Fuß - aber im S04-Strafraum war so viel Platz, dass die verunglückte Annahme zur Vorlage für Xaver Schlager wurde, der locker einschob - und den Treffer ebenso locker kommentierte: "Es ist nicht so wichtig, ob ich da Platz habe oder nicht. Das war eine schöne Kombination, in der Phase haben wir richtig guten Fußball gespielt."

Überglücklich wirkte der Österreicher trotz der drei Punkte und seines zweiten Bundesliga-Treffers (den ersten erzielte er vor knapp einen Jahr gegen Gladbach) nicht - dazu war der Gegner womöglich auch zu schwach. "Es wäre besser, wenn wir noch das 3:0 gemacht hätten. Schlussendlich sind wir damit zufrieden, dass wir kein Gegentor bekommen haben. Es zählt nur der Sieg, den haben wir geholt."

In der Tabelle setzen sich die Wolfsburger nun erst einmal oben fest, stehen zumindest bis Sonntagabend auf Rang fünf. Auch das will Schlager nicht überbewerten. "Wir haben nur ein Spiel gewonnen, mehr nicht. Hätten wir verloren, wären wir unten drin - die Liga ist noch sehr ausgeglichen."

Schlager ist spätestens mit dem Schalke-Spiel raus aus seinem kleinen Leistungstief, das auch mit den vielen Spielen des österreichischen Nationalspielers zusammenhing. Gut: In den jüngsten Länderspielen durfte der Mittelfeldspieler etwas durch schnaufen. Gegen Luxemburg war er nicht dabei, am Mittwoch gegen Norwegen "hat er nur gut 60 Minuten gespielt. Man hat schon in den vergangenen Wochen gemerkt, dass er wieder etwas frischer wird, vor allem vom Kopf her", freut sich der VfL-Trainer Oliver Glasner. Es seien ja nicht nur die vielen Spiele, sondern auch die vielen Reisen gewesen, die einen wie Schlager schlauchen. "Du bist ständig in dieser Blase, bist auf dem Trainingsplatz oder in deinem Zimmer. Das alles nicht so einfach, aber Xaver hat das gut weg gesteckt."

Der VfL Wolfsburg auf Schalke - Die Bilder

Oliver Glasner vorm Anpfiff Zur Galerie
Oliver Glasner vorm Anpfiff ©

Weghorst: "Beste Halbzeit der Saison"

Weghorst, der das erste Tor nach Ecke von Maximilian Arnold per Kopf erzielt hatte, schwärmte vor allem von der Anfangsphase des Spiel. "Das hat richtig Spaß gemacht, das war unsere beste Halbzeit der Saison. Wir hatten Ballbesitz, haben nach vorn gespielt - und noch drei, vier hundertprozentige Chancen gehabt. Für einen Stürmer gibt es nichts Schöneres, als so Fußball zu spielen."

Sein Treffer war Saisontor Nummer 4 für ihn - und er hätte gern nachgelegt."Wenn wir das dritte machen, ist das Spiel vorbei. Aber wir waren in der zweiten Halbzeit zu passiv, Schalke kam besser ins Spiel. Wir hätten unser Spiel durchziehen müssen, wir waren nicht mehr so mutig. Aber am Ende hatten wir alles unter Kontrolle." Und im Gegensatz zu Schlager wollte der Torjäger durchaus wohlwollend auf die Tabelle schauen: "Wir können sagen, dass es ein sehr guter Start ist, wir stehen auf dem Platz, auf dem wir stehen wollen. Aber unser guter Fußball der ersten Halbzeit muss unser Standard werden."

Glasner: "Die ersten 30 Minuten waren grandios"

Glasners Team machte beim ersten Auswärtssieg ziemlich viel richtig. "Ich denke, wir sind der verdiente Sieger. Die ersten 30, 35 Minuten waren grandios, wie wir da gespielt haben", so der Coach, der die Spielfreude und das Tempo im Spiel seines Teams lobte. "Ich bin sehr happy über diesen Sieg, aber noch mehr freut mich die Leistung, die die Spieler gezeigt haben."

Uth-Wut: "Ich könnte weinen"

Auf Schalke herrscht derweil weiter Hilf- und Ratlosigkeit. Sky-Experte Didi Hamann fand die Leistung "nur noch peinlich", einer hatte richtig Wut. "Wir haben nicht einmal eine Gelbe Karten, weil wir in die Zweikämpfe gar nicht erst reingekommen sind", schimpfte Stürmer Mark Uth. "Aber ich bin so bedient und so sauer, ich könnte in die Kabine und nur noch weinen. Der Trainer ist im Endeffekt das ärmste Schwein bei uns." Und der gab seinem frustrierten Angreifer in der Sachen Recht. Manuel Baum: "Das war vor allem am Anfang deutlich zu wenig."