10. Februar 2021 / 13:14 Uhr

Wolfsburg-Torwart Casteels: Lieber Königsklasse als Zu-null-Rekord

Wolfsburg-Torwart Casteels: Lieber Königsklasse als Zu-null-Rekord

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Top-Torwart der Liga: Wolfsburgs Koen Casteels.
Schwer zu überwinden: Koen Casteels, die Nummer 1 des VfL Wolfsburg. © Boris Baschin
Anzeige

Er hält und hält und hält... Koen Casteels vom VfL Wolfsburg ist in dieser Saison nur ganz schwer zu überwinden. Fünfmal in Folge hat er zuletzt zu null gespielt. Das ist ihm aber nicht so wichtig - wichtiger ist dem Belgier, dass es der VfL am Ende in die Champions League schafft.

Anzeige

Der VfL auf der Erfolgswelle – die vergangenen fünf Partien gewann der Wolfsburger Fußball-Bundesligist zu null, gerade einmal 19 Gegentore hat der Tabellendritte nach 20 Spieltagen auf dem Konto. Die Wolfsburger Mauer ist so stabil wie lange nicht – und das liegt auch an Koen Casteels, der unumstrittenen Nummer 1 der Wolfsburger. Der 28-Jährige kann einen neuen Gegentorlos-Rekord in der Liga aufstellen, aber so wirklich wichtig ist ihm das nicht. Wichtiger ist Casteels, dass es der VfL in die Champions League schafft.

Anzeige

Nun ist Casteels in der Liga schon seit 397 Minuten ohne Gegentreffer - und stellte damit einen Vereinsrekord auf. Dieser lag zuvor bei 395 Minuten, den in der Spielzeit 2003/04 Ex-VfL-Torwart Simon Jentzsch aufgestellt hatte. Zahlenspiele, die ihn nicht wirklich interessieren. Denn es liege nicht nur an ihm allein, dass die VfL-Abwehr zuletzt so oft zu null gespielt habe. Casteels: „Der Torwart, der es schafft, allein zu null zu spielen, der muss noch erfunden werden.“

Mehr zum VfL Wolfsburg

Klar habe er in den vergangenen Partien „einige gute Paraden“ gehabt, „aber es gab auch Spiele, in denen ich nur ein oder zwei Bälle aufs Tor bekommen habe.“ Dass das so war, liege an der gesamten Mannschaft. „Verteidigung fängt schon vorn an – in diesem Jahr machen wir es dem Gegner da besonders schwer. Wenn einer mal ausgedribbelt wird bei uns, ist der Nächste schon da. Das zeichnet uns aus. Und wenn dann was durchkommt, habe ich mich auch ein paar Mal auszeichnen können.“

Der Belgier war und ist kein Lautsprecher, auch im Erfolgsfall bleibt er bodenständig. Er lässt lieber Taten sprechen. Mit seinen Paraden rettete Casteels den Wolfsburgern schon einige Siege - etwa beim 2:1 gegen 1899 Hoffenheim, als er in der Nachspielzeit einen Elfmeter gehalten hatte. Oder beim 1:0 am Mittwoch im Pokal, als er gleich zweimal aus Nahdistanz glänzend die Kugel entschärfte. Insgesamt achtmal spielte der Keeper in dieser Saison schon zu null, in der Rangliste der abgewehrten Schüsse ist Casteels schon lange die Nummer 1 der Liga. Aktuell liegt er bei 74,2 Prozent und damit vor Rafal Gikiewicz vom FC Augsburg (70,2 Prozent) und Jiri Pavlenka von Werder Bremen (69,0 Prozent), 487 Pflichtspielminuten ist Casteels nun schon ohne Gegentor. Seinen persönlichen Rekord von 300 gegentorlosen Liga-Minuten (aus der Saison 2015/16) hatte Wolfsburgs Nummer 1 schon vor dem 2:0 in Augsburg am Samstag überboten.

Bis zum Bundesliga-Rekord dauert es für Casteels allerdings noch ein paar Spiele. 2003 war Timo Hildebrand mit dem VfB Stuttgart saisonübergreifend 885 Minuten nicht überwunden worden. Kann er diesen Rekord knacken? „Das weiß ich nicht“, so der Torhüter schmunzelnd. „Das werden wir sehen. Es ist mir persönlich nicht so wichtig. Das ist etwas, worüber wir jetzt nicht reden müssen“, sagt Casteels, der selbst nicht seine Minuten ohne Gegentor zählt. „Ich habe ja schon öfter gesagt: Mir sind drei Punkte wichtiger als dass wir zu null spielen. Natürlich, wenn es zu null geht und wir drei Punkte holen, so wie in den letzten Spielen, ist das sehr schön.“

Alle aktuellen VfL-Marktwerte im Überblick

Von billig nach teuer: Der Marktwerte der VfL-Profis Zur Galerie
Von billig nach teuer: Der Marktwerte der VfL-Profis ©

Am Sonntagabend gegen Gladbach kann der VfL seine Zu-null-Serie ausbauen und den dritten Platz, der am Ende die Champions League bringt, festigen. Zweimal durfte Casteels mit dem VfL in der Königsklasse ran, in der Saison 2015/16 war er im Achtelfinale gegen KAA Gent erste Wahl. In der neuen Spielzeit will er wieder in der Königsklasse spielen. „Dafür ist man Fußballspieler geworden. Das ist das Größte.“ Das Größte, was man im europäischen Vereins-Fußball erreichen könne. „Das war damals super, das möchte ich wieder. Aber: Um wieder dahin zu kommen, ist es noch ein langer Weg, dafür brauchen wir noch viele Punkte.“