20. Mai 2021 / 18:33 Uhr

Wolfsburg-Trainer Glasner bleibt der Fragen-Umdribbler

Wolfsburg-Trainer Glasner bleibt der Fragen-Umdribbler

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Saisonfinale gegen die Rückrunden-Überflieger: Der VfL und Trainer Glasner erwarten Mainz 05.
Saisonfinale gegen die Rückrunden-Überflieger: Der VfL und Trainer Glasner erwarten Mainz 05. © Britta Schulze
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Der VfL Wolfsburg tritt am Samstag zum sportlich unbedeutenden Saison-Finale gegen Mainz an. Trainer Oliver Glasner zeigte sich im Vorfeld gewohnt formstark beim Umdribbeln der Fragen zu seiner Zukunft.

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Dass das Saisonfinale zwischen dem VfL Wolfsburg und Mainz 05 bedeutungslos ist, ist natürlich gut - vor allem für den VfL, der die Champions-League-Teilnahme und die drittbeste Saison seiner Bundesliga-Geschichte schon an vorletzten Spieltag perfekt gemacht hat. Einerseits. Andererseits lenken sportliche Themen nun nicht mehr von der größte Frage ab, die in Wolfsburg noch bleibt: Was wird eigentlich aus dem Trainer?

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Seit Wochen gibt es Spekulationen, dass Oliver Glasner den VfL verlässt. Weder er noch der Verein haben bisher die Absicht erkennen lassen, diese Spekulationen zu stoppen. Sportlich geschadet hat es nicht. Im Gegensatz zu Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach, wo auf angekündigte Trainer-Abschiede sportliche Abstürze folgten, zeichnete den VfL in dieser Frage das aus, was ihn auch auf dem Platz starkgemacht hat: eine gewisse Unbeirrbarkeit. Nach dem Motto: Das Drumherum ist wurscht, entscheidend ist auf'm Spielberichtsbogen. Und dort standen genug Wolfsburger Siege.

Glasner, einst Abwehrspieler in der Bundesliga Österreichs, hat dabei eine erstaunliche Kunstfertigkeit darin entwickelt, Fragen zu seiner Zukunft zu umdribbeln. Dabei blieb er auch am Donnerstag - etwa bei der Frage, ob der mit ihm entwickelte Sommerfahrplan (Trainingsstart am 1. Juli) auch bedeutet, dass er dann auf dem Platz steht. Es sei "selbstverständlich, dass wir uns Gedanken machen über Urlaub und Heimprogramm, damit die Spieler in der besten Verfassung sind, wenn sie aus dem Urlaub zurückkehren". Oder bei der Frage nach dem Anteil von Manager Jörg Schmadtke am Erfolg, die Glasner mit dem Hinweis beantwortete, dass vom Zeugwart bis zum Aufsichtsratschef alle ihren Anteil haben. Und die Nachfrage, ob denn der Einzug in die Champions League am stark belasteten Verhältnis zum Sport-Geschäftsführer etwas ändere, blockte Glasner mit dem Hinweis ab, dass er Schmadtke ja gar nicht treffen könne, weil dieser im Quarantäne-Hotel nicht vor Ort ist. "Ich sehe ihn ja momentan nicht so oft."

Den üblichen Verweis auf seinen Vertrag bis 2022 gab es natürlich auch, ansonsten "kann ich heute nichts anderes dazu sagen", und "alles andere ist Spekulation". Die wöchentliche Pressekonferenz geriet so zu einer Art Zermürbungskampf, bei dem die Fragensteller irgendwann aufgaben und dann doch wieder auf das Mainz-Spiel schauten, bei dem Glasner und der VfL natürlich den nächsten Sieg einfahren wollen.

17 Erfolge waren es in dieser Saison bisher, gegen Mainz kann der 18. dazu kommen. Die 05er sind seit dem vergangenen Wochenende gerettet und gegen den VfL seit zehn Bundesliga-Spielen ohne Sieg - das ist die längste Mainzer Serie. Und wo wir gerade bei Rekorden sind: In der Rückrunde blieb der VfL daheim in sechs von acht Spielen ohne Gegentor (das ist Liga-Spitze) und er steht insgesamt davor, die Saison mit den wenigstens Gegentore seiner Liga-Geschichte zu beenden. Um das zu verhindern, müsste Mainz viermal in Wolfsburg treffen - und das haben sie immerhin schon zweimal geschafft: Beim legendären Zweitliga-Finale 1996/97, als Wolfsburg durch einen 5:4-Erfolg aufstieg. Und bei einem 4:3-Erfolg unter Trainer Thomas Tuchel (jetzt FC Chelsea) 2010, als Wolfsburg eine 3:0-Führung (!) verspielte.

Zweiter in der Rückrundetabelle will der VfL bleiben, Zweiter in der Heimtabelle kann er noch werden - und auf Platz drei der Gesamtwertung würde Glasner auch wieder gern springen. Deswegen bietet er die stärkste Elf auf, der er zur Verfügung hat. "Wir wollen jedes Spiel so angehen, dass wir es gewinnen können", sagt er. Im Tor wird Pavao Pervan stehen. "Es gab ohnehin die Überlegung, ihn spielen zu lassen - auch im Hinblick auf die EM." Diese Überlegung habe dann dazu geführt, dass Stammkeeper Koen Casteels schon in dieser Wochen nach Belgien reisen konnte, um eine notwendige Operation vornehmen zu lassen. Der Eingriff erfolgt am Freitag.

VfL-Gegner FSV Mainz 05 holte in 16 Rückrundenpartien 29 Punkte – und braucht noch einen Zähler, um die erfolgreichste Rückrunde seiner Bundesliga-Geschichte zu spielen. Torwart Robin Zentner (Bauchmuskelprobleme) und Mittelfeldspieler Kevin Stöger (OP) werden fehlen.