16. Januar 2022 / 12:46 Uhr

Wolfsburg-Trainer Kohfeldt: "Ich zweifle nicht, aber ich hinterfrage mich"

Wolfsburg-Trainer Kohfeldt: "Ich zweifle nicht, aber ich hinterfrage mich"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Nach der Nullnummer vom Samstag am Sonntag bei Sky90: Wolfsburg-Trainer Florian Kohfeldt.
Nach der Nullnummer vom Samstag am Sonntag bei Sky90: Wolfsburg-Trainer Florian Kohfeldt. © Boris Baschin / Sky
Anzeige

Nur 0:0 gegen Hertha - das reicht beim VfL Wolfsburg nach zuvor acht Pflichtspiel-Niederlagen in Folge nicht, um den Druck aus der Trainerfrage zu nehmen. Das weiß auch Florian Kohfeldt. Bei Sky90 sagte der VfL-Coach: „Ich muss das über gute Arbeit beeinflussen."

Das 0:0 des VfL gegen Hertha BSC – der Wolfsburger Fußball-Bundesligist hat zwar nicht den geforderten Sieg landen können, aber zumindest wurde mit dem Remis die Niederlagen-Serie (acht Pflichtspiele in Folge verloren) gestoppt. Doch von einer Entspannung der Lage kann keine Rede sein. Das weiß auch Trainer Florian Kohfeldt, der nach den schlechten Ergebnissen zuletzt gehörig unter Druck geraten ist. In der TV-Sendung Sky90 sprach er am Sonntag über die Situation des VfL und seine eigene Gefühlslage.

Anzeige

„Ich weiß, dass das jetzt schon ein wichtiger Punkt in dem Sinne ist, wie ich wahrgenommen werde“, sagte der Coach, der in Bremen einst groß gefeiert wurde, aber in der vergangenen Saison einen Spieltag vorm Ende hatte gehen müssen, Werder stieg ab. In Wolfsburg legte er super los, gewann nach seinem Amtsantritt im Oktober die ersten drei Spiele, danach ging es abwärts. „Ich zweifele nicht an mir selbst, aber ich hinterfrage mich“, so Kohfeldt. „Das ist aus meiner Sicht eine gute Mischung.“ Wie es für ihn nun in Wolfsburg weitergehe, „kann ich nicht über das Reden beeinflussen, sondern das muss ich über gute Arbeit beeinflussen. Natürlich möchte ich erfolgreich sein und natürlich möchte ich so gern so hoch wie möglich arbeiten und so lange wie möglich arbeiten.“ Aber dafür müsse er zusammen mit dem Team „Ergebnisse liefern“. Auf die Frage, ob er immer noch der richtige Trainer für den VfL sei, gab’s von ihm ein schnelles und klares: „Ja!“

<b>Koen Casteels: </b> Da, wenn er gebraucht wurde - wurde jedoch selten gebraucht. Note: 3 Zur Galerie
Koen Casteels: Da, wenn er gebraucht wurde - wurde jedoch selten gebraucht. Note: 3 ©

Sowohl Sportdirektor Marcel Schäfer als auch Manager Jörg Schmadtke hatten vor dem Hertha-Spiel betont, dass Kohfeldt trotz der Negativserie volle Rückendeckung habe. Schmadtke hatte aber auch gesagt, dass irgendwann ein Punkt komme, „an dem die Dinge schwer haltbar sind“, von dem sei man „aber noch entfernt“. Heißt: Gewinnt der VfL mit Kohfeldt nicht schon bald wieder Spiele, wird es schwierig sein, ihn zu halten.

Kohfeldt, der den Umgang und den Austausch mit Schmadtke und Schäfer erneut lobte, kann das nachvollziehen. „Ein Manager hat immer im Interesse des Vereins zu handeln“, so der Wolfsburger Trainer. „Da spielt die persönliche Überzeugung eine große Rolle. Ich spüre im Innenleben ein großes Vertrauen der Mannschaft, ich spüre ein extrem großes Vertrauen von Jörg und Marcel und glaube, dass wir noch sehr weit von diesem Punkt weg sind.“ Er meinte damit eine Trennung. „Letztendlich liegt das nicht in meiner Verantwortung, aber mein Gefühl und der Umgang sagt mir, dass wir von diesem Punkt noch weit weg sind, weil wir an diesen gemeinsamen Weg glauben und der Überzeugung sind, dass wir das gemeinsam bewältigen.“

Mehr zum VfL Wolfsburg

Gegen die Berliner hätte der VfL nach einer halben Stunde bereits führen müssen, aber Top-Torjäger Wout Weghorst, an dem die VfL-Krise keineswegs spurlos vorbeigeht und Luca Waldschmidt hatten nach jeweils tollen Zuspielen von Jerome Roussillon Top-Möglichkeiten aus Nahdistanz kläglich vergeben. Kohfeldt: "Wout nur im Ansatz die Einsatzbereitschaft anzusprechen, wäre wirklich frech. Aber diese Leichtigkeit, die du dir nur mit Erfolgserlebnissen holst", die fehle eben.

Gleiches gelte für Waldschmidt. "Einen Luca Waldschmidt, wie wir ihn aus seiner Freiburger Zeit kennen, da hätten wir uns in der Situation alle umgedreht." Umgedreht zum Jubeln. Kohfeldt ist überzeugt davon: "Wenn er den einmal macht, dann macht er ihn auch die nächsten viermal wieder." Momente wie diese, in denen selbst Top-Chancen nicht verwertet werden, könne man nicht immer erklären. Wolfsburgs Trainer: "Ich glaube schon, dass wir, was etwa Struktur und Einsatz betrifft, auf einem deutlich besseren Weg sind, aber wir brauchen diesen Moment." Gegen die Hertha "hätten wir ihn uns holen können - aber wir haben es leider nicht geschafft".