08. Dezember 2021 / 23:52 Uhr

Wolfsburg-Trainer Kohfeldt nach Aus sauer: "War nicht Champions-League-reif!"

Wolfsburg-Trainer Kohfeldt nach Aus sauer: "War nicht Champions-League-reif!"

Andreas Pahlmann und Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Der Trainer zürnt, die Spieler sind enttäuscht: Der VfL ist in Europa nicht mehr dabei.
Der Trainer zürnt, die Spieler sind enttäuscht: Der VfL ist in Europa nicht mehr dabei. © Roland Hermstein
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Der VfL Wolfsburg ist nach dem 1:3 gegen den OSC Lille in der Gruppenphase der Champions League gescheitert. Das gab's für den Fußball-Bundesligisten bisher noch nie. Trainer Florian Kohfeldt ist sauer.

Die spezielle Konstellation der Gruppe G sorgte für Spannung bis zum Schluss - genutzt hat es dem VfL Wolfsburg nichts, durch das 1:3 (0:1) am Mittwochabend gegen den OSC Lille verabschieden sich die Niedersachsen für diese Saison nicht nur aus der Champions League, sondern komplett aus dem europäischen Geschäft. Dass Platz drei, der in die Europa League geführt hätte, rechnerisch nicht erreichbar war, stand schon vor dem Lille-Spiel fest. Und der für ein Überleben in der Königsklasse nötige Sieg gegen den französischen Meister gelang nicht.

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Ein Weiterkommen wäre für die Wolfsburger nach der Leistung im entscheidenden letzten Gruppenspiel aber auch nicht verdient gewesen. Wie schon in den Spielen zuletzt, präsentierte sich die Mannschaft hinten anfällig (erstes Gegentor nach einem Konter, beim zweiten hob Ridle Baku das Abseits auf, Ballverlust vorm dritten) „Wir haben uns speziell beim ersten Gegentor schlecht angestellt. Da hätten wir den Torhüter beim Abwurf vielleicht stören müssen. So rennen wir der Musik hinterher und dann wird es relativ schwer“, ärgerte sich VfL-Eigengewächs Maximilian Arnold.

Und auch nach vorn ging wenig. Luca Waldschmidt hatte in der ersten Hälfte eine gute Chance, doch der Ball segelte vorbei. Anschließend war der VfL abgesehen vom Tor durch Renato Steffen nur durch Standards gefährlich – und das reicht auf diesem Niveau nicht. „Uns fehlt momentan etwas das Spielglück“, so Arnold.

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Jetzt also das komplette Aus, nach dem frühen Scheitern am grünen Tisch im DFB-Pokal haben die Wolfsburger damit zwei ihrer drei Saisonziele bereits zweieinhalb Wochen vor Weihnachten verpasst. Und in der Liga, wo der VfL wieder den Sprung ins internationale Geschäft anpeilt, ist er nach zwei Niederlagen zuletzt auch nicht auf Kurs, liegt auf Platz acht - also genau auf dem Rang, den er in den Champions-League-Jahren 2010 und 2016 auch am Saisonende belegte.

„Es tut sehr weh“, sagte Arnold über das Königsklassen-Aus. „Aber vielleicht ist es gut, dass wir in drei Tagen schon wieder spielen. Wir müssen die Köpfe wieder hochnehmen.“ Denn am Samstag (18.30 Uhr) geht’s gegen den VfB Stuttgart weiter.

Doch nun sitzt die Enttäuschung erst mal tief. „Wir wollten Gas geben und unbedingt weiterkommen. Aber nach dem schnellen Gegentor mussten wir der Musik schon wieder früh hinterherlaufen. Für so ein wichtiges Spiel war das Tor nach so einer Ecke viel zu einfach“, meinte Offensiv-Mann Luca Waldschmidt: „Gut war unsere Leistung nicht. Wir haben auf jeden Fall Luft nach oben. Das Wichtigste ist jetzt: Wir müssen uns über Intensität wieder reinkämpfen. Arschbacken zusammenkneifen – und Vollgas raus am Samstag.“

Trainer Florian Kohfeldt meinte nach der vierten Pflichtspiel-Niederlage in Folge: „Wir waren nicht an unserem Limit, haben kein gutes Spiel gemacht. Dann reicht das einfach nicht. Wir müssen uns vorwerfen, dass wir in einem Spiel, in dem wir abliefern mussten, nicht abgeliefert haben. Das war einfach nicht Champions-League-reif.“

Komplett raus - das ist für den VfL eine Premiere. 2009/10 war der VfL mit Trainer Armin Veh Dritter in seiner CL-Gruppe geworden, durfte unter Veh-Nachfolger Lorenz-Günther Köster in der Europa League weitermachen, wo erst im Viertelfinale gegen Fulham Schluss war. 2015/16 gewann der VfL sogar seine Gruppe (vor Eindhoven, Manchester United und ZSKA Moskau), setzte sich im Achtelfinale gegen Gent durch und scheiterte schließlich nach einem denkwürdigen 2:0 gegen Real Madrid im Rückspiel, das die Spanier mit 3:0 gewannen.

Noten und Einzelkritik zum Spiel des VfL Wolfsburg gegen Lille

<b>Koen Casteels: </b> Tolle Parade nach der Pause beim Ikoné-Schuss, aber er musste auch dreimal hinter sich greifen. Note: 4 Zur Galerie
Koen Casteels: Tolle Parade nach der Pause beim Ikoné-Schuss, aber er musste auch dreimal hinter sich greifen. Note: 4 ©

Ebenfalls eine Premiere ist es, dass der VfL in dieser Champions-League-Saison nur einen Sieg (2:1 gegen Salzburg) verbuchen konnte. In der ersten Königsklassen-Spielzeit der Wolfsburger Vereinsgeschichte hatte der VfL immerhin zweimal jubeln dürfen. Zum Auftakt hatte es ein 3:1 (mit Hattrick von Grafite) gegen ZSKA Moskau gegeben, später folgte ein 3:0 bei Besiktas Istanbul durch Tore von Zvjezdan Misimovic, Grafite und Edin Dzeko. In der zweiten CL-Saison hatte der VfL sogar vier Gruppen-Partien gewonnen, Niederlagen gab’s lediglich bei Manchester United (1:2) und bei der PSV Eindhoven (0:2).

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