05. Februar 2021 / 22:25 Uhr

Wolfsburg-Trainer sauer: "Man hätte nicht anpfeifen dürfen!"

Wolfsburg-Trainer sauer: "Man hätte nicht anpfeifen dürfen!"

Andreas Pahlmann und Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Schneeball statt Fußball - VfL-Trainer Stephan Lerch war sauer
Schneeball statt Fußball - VfL-Trainer Stephan Lerch war sauer
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Die ersten drei Punkte des Jahres haben die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg eingefahren. Trainer Stephan Lerch war nach dem 3:2 gegen Potsdam dennoch sauer - weil das Spiel nie hätte angepfiffen werden dürfen.

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Stephan Lerch war bedient - nicht weil sich die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg bei ihrem 3:2-Sieg gegen Turbine Potsdam schwer getan hatten. Sondern, weil die Partie überhaupt angepfiffen wurde. "Ganz ehrlich, so ein Spiel habe ich noch nie erlebt", zürnte der VfL-Trainer nach dem Abpfiff. "Und ich hätte es auch nicht dürfen. Aus meiner Sicht hätte man nicht anpfeifen dürfen."

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Eine Schneedecke allein, so steht es in den Regularien, ist kein Grund für eine Absage, erhöhtes Verletzungsrisiko schon. Schiedsrichterin Mika Derlin (Bad Schwartau) musste abwägen - und pfiff an. Zum Unmut von Lerch: "Auch wenn die Regeln vielleicht sagen, dass Schnee kein Grund ist, aber es hat das Spiel komplett verändert. Gerade am Anfang hat man gemerkt, dass Spielerinnen von beiden Teams sich darauf einstellen mussten. Da waren riskante Situationen dabei, und das war sicher nicht mal böse gemeint. Der Platz war leider so, wie er war. Es war erhöhte Verletzungsgefahr."

Wolfsburgs Sieg-Torschützin Zsanett Jakabfi sah es ähnlich: "Es war teilweise sehr gefährlich für unsere Gesundheit. Keine macht das mit Absicht, aber da rutscht man schon mal in die Gegenspielerin rein. Ich kann mich nicht erinnern, mal unter solchen Bedingungen gespielt zu haben." Neuzugang Rebecka Blomqvist, die bei ihrem Bundesliga-Debüt gleich traf, meinte: „Ich habe habe als Profi noch nie zuvor auf Schnee gespielt. Aber bei solchen Verhältnissen entscheidet eben die Schiedsrichterin, ob angepfiffen wird. Damit mussten wir uns abfinden und das Beste daraus machen – das haben wir getan.“

Das Ganze hatte allerdings "mit Fußball nicht viel zu tun", wie Alexandra Popp befand. "Ich habe so etwas auch noch nie erlebt, am Anfang wurden nur die Bälle nach vorn gepöhlt. Erst dann haben wir gemerkt, das man doch ein bisschen Fußball spielen kann. Wir können wirklich froh sein, dass wir diese drei Punkte gezogen haben."


Eine normale Spielanalyse verbietet sich da - auch für den Trainer. "Wir brauchen gar nicht viel über Taktisches reden. Taktik war, das Spiel schnell in die gegnerische Hälfte zu verlegen und den Ball in die Box zu bringen, meist mit langen Bällen", so Lerch. "Und im Gegenzug mussten wir lange Bälle verhindern und die zweiten Bälle gewinnen. Wir mussten wach sein, es konnte jederzeit ein Ball durchrutschen. Über das Spiel an sich zu reden, fällt mir schwer"

Ein Spiel, dass dem Zufall Tür und Tor öffnet - dann hätte der Schneeboden leicht für Punktverluste sorgen können. "Wenn so ein Spiel womöglich durch ein schlechtes Ergebnis von uns die Meisterschaft entscheidet, das geht gar nicht", so Lerch zornig. "Da schlage ich die Hände über den Kopf zusammen. Wir sind jetzt einfach froh über die drei Punkte - und dass sich keine Spielerin ernsthaft verletzt hat.

Wolfsburgs Ex-Potsdamerin Felicitas Rauch meinte nach dem Abpfiff, dass sie solche Bodenverhältnisse "nur bei abgesagten Spielen" schon mal gesehen habe und dass "viel Zufall dabei war". Aber: "Mentalität ist kein Zufall. Ich denke, wir haben es souverän gelöst, auch wenn wir am Anfang eine Weile gebraucht haben und da auch Glück dabei war." Am Ende war's vor allem "eine gute Team-Leistung", das zeige im Titelkampf mit Tabellenführer Bayern, "dass wir eine Einheit sind und weitermachen wollen". Die Münchnerinnen treten am Sonntag gegen Meppen zu ihrem ersten Spiel des Jahres an und wollen dort ihren Fünf-Punkte-Vorsprung verteidigen.

VfL: Kiedrzynek - Hendrich, Doorsoun, Goeßling, Rauch - Engen, Obi - Wolter (67. Blässe), Huth (90.+2 Svava), Rolfö (33. Jakabfi) - Blomqvist (67. Popp).

Potsdam: Lind - Bahnemann, Elsig, K, Holmgaard, S. Holmgaard - Masjasz, Barth (81. Gerhardt) - Kössler (60. Chmielinski), Höbinger (45. Graf), Ehegötz (60. Weidauer) - Cerci (78. Mori).

Schiedsrichterin: Mika Derlin (Bad Schwartau)

Tore: 1:0 (23.) Blomqvist, 1:1 (30.) Cerci, 2:1 (31.) Hendrich, 2:2 (51.) Ehegötz, 3:2 (57.) Jakabfi.

Gelb-Rot: Bahnemann (42.).