07. August 2020 / 18:42 Uhr

Sie nach Wolfsburg, er nach Berlin: Neue Perspektiven für ein Fußball-Paar

Sie nach Wolfsburg, er nach Berlin: Neue Perspektiven für ein Fußball-Paar

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Sebastian Griesbeck und Kathy Hendrich.
Sebastian Griesbeck und Kathy Hendrich. © dpa / Imago Images Regios24
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Die deutsche Nationalspielerin Kathrin Hendrich wechselte zum VfL Wolfsburg, ihr Freund Sebastian Griesbeck zu Union Berlin. Eine gemeinsam geplante Karriere-Entscheidung.

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Leverkusen, Frankfurt, München - und jetzt Wolfsburg: Die deutsche Nationalspielerin (34 A-Länderspiele) Kathrin Hendrich ist eine von vier hochkarätigen Neuzugängen beim VfL Wolfsburg. Die 28-Jährige kam ablösefrei vom FC Bayern München und unterschrieb beim Double-Gewinner einen bis zum 30. Juni 2022 datierten Vertrag. In Deutschland zu bleiben, hatte für die Champions-League-Siegerin von 2015 bei dem Wechsel Priorität - doch auch Freund und Profi-Fußballer Sebastian Griesbeck spielte eine kleine Rolle. Der Mittelfeldspieler wechselte vom FC Heidenheim zu Union Berlin, beide Wechsel wurden Anfang Juli innerhalb einer Woche bekannt gegeben.

"Wir haben schon versucht, zusammen zu planen", so Hendrich. Bisher lebten sie rund eineinhalb Fahrtstunden auseinander - er in Ulm, sie in München. Beide suchten die nächste Perspektive und hatten das Glück, dass es "von Union und Wolfsburg das Interesse gab", wie Hendrich erzählt. "Wir haben uns das dann angehört und gedacht: Es ist eigentlich perfekt." Denn: "Die Entfernung ist nicht allzu weit, der ICE fährt regelmäßig." Und braucht nur rund eine Stunde für die Strecke. "Für uns war dann jeweils schnell klar, dass wir das machen", denn: "Wir machen beide sportlich noch einmal einen großen Schritt nach vorn."

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Auch in der Corona-Krise treiben die Vereine der Frauenfußball-Bundesliga ihre Personalplanungen für die neue Saison voran. Der SPORTBUZZER fasst die wichtigsten Transfers zusammen. ©

Vom VfL-Jäger FC Bayern zum Meister der vergangenen vier Jahre zu wechseln, kam nicht bei allen Fans der Münchnerinnen gut an. "Natürlich gab es Leute, die traurig waren, dass ich mich so entschieden habe", weiß Hendrich, die aber auch sagt: "Ich wollte noch einmal eine neue Herausforderung suchen. Die Gespräche mit den Verantwortlichen beim VfL haben mir ein sehr gutes Gefühl gegeben, und es war letztendlich eine Bauchentscheidung."

In der Arbeitsweise der beiden Vereine seien ihr bisher jedoch noch keine großen Unterschiede aufgefallen. "Die Bedingungen sind bei beiden Vereinen echt top und nicht mit anderen zu vergleichen," so die gebürtige Eupenerin. "In Deutschland gibt es nicht viele, die über solche Möglichkeiten verfügen. Aber ansonsten sind beide Mannschaften bestückt mit sehr starken Spielerinnen, die sehr ehrgeizig sind und im Training wird immer alles geben. Man kann sich da nie rausnehmen und sagen: Heute mache ich mal nur halbherzig."

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VfL-Neuzugang Lena Oberdorf (M.). Zur Galerie
VfL-Neuzugang Lena Oberdorf (M.). © Britta Schulze

Dass so eine gestandene Spielerin wie Hendrich (214 Bundesliga-Spiele) nach all den Jahren den Verbleib in der Bundesliga wählt, statt ins Ausland zu gehen, fällt auf. "Wir haben nach wie vor eine gute Liga, die auf den ersten acht Plätzen sehr ausgeglichen ist. Das finde ich weiter sehr interessant. Außerdem fühle ich mich in Deutschland sehr wohl und dementsprechend kam es für mich noch nicht infrage, ins Ausland zu gehen."

Ein Liga- oder Pokal-Erfolg fehlt Hendrich, die in Wolfsburg die Trikotnummer 4 bekommt und damit Nilla Fischer beerbt, noch. "Ich möchte nach wie vor Titel gewinnen. Es ist ja in gewisser Weise der Sinn, warum man Fußball spielt", ergänzt Hendrich, die am liebsten in der Abwehr auf der rechten Seite spielt.

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Die erste Möglichkeit für einen weiteren Titel bietet sich bereits Ende des Monats (21. bis 30. August), wenn der VfL am Endturnier der Champions League in Spanien teilnimmt. Hendrich lief in der laufenden Saison der Königsklasse bereits für den FC Bayern (trifft im Viertelfinale auf Olympique Lyon) auf, dank einer Sonderregelung aufgrund der Corona-Pandemie darf sie nun mit Wolfsburg um die Trophäe kämpfen. Hendrich: "Es wird sicherlich spannend. Auf der einen Seite denke ich mir: Es ist immer nur ein Spiel, da kann immer viel passieren. Aber auf der anderen Seite kann man so auch schnell echt viel erreichen." Leichte Gegner gibt es nicht, aber "wir brauchen uns nicht zu verstecken und können selber einiges vorweisen".