09. Mai 2019 / 11:43 Uhr

Ex-Wolfsburger Daniel Didavi vor Wiedersehen im Interview: "Ich gönne es dem VfL"

Ex-Wolfsburger Daniel Didavi vor Wiedersehen im Interview: "Ich gönne es dem VfL"

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Gleiches Bild, anderes Trikot: Daniel Didavi steckt wie im Vorjahr mitten im Abstiegskampf.
Gleiches Bild, anderes Trikot: Daniel Didavi steckt wie im Vorjahr mitten im Abstiegskampf. © Boris Baschin
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Daniel Didavi zog es im Sommer nach zwei schwierigen Jahren beim VfL Wolfsburg zurück zum VfB Stuttgart. Am Samstag (15.30 Uhr) kommt es zum Wiedersehen. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über seinen drohenden Relegations-Hattrick, die Entwicklung in Wolfsburg und Ex-Trainer Bruno Labbadia.

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Daniel Didavi ist einer von vier ehemaligen Wolfsburgern im Kader des VfB Stuttgart. Zusammen mit Mario Gomez, Christian Gentner und Alexander Esswein stellt das Quartett die aktuell größte VfL-Kolonie in der Bundesliga. „Das hatte ich gar nicht so im Kopf“, sagt der 29-Jährige, der mit dem VfB Stuttgart vor dem Spiel am Samstag gegen Wolfsburg (15.30 Uhr) aber auch ganz andere Sorgen hat. Für die Schwaben geht es nur darum, den 16. Tabellenplatz zu verteidigen, dann bestünde die Chance, über die Relegation doch noch die Klasse zu halten. Damit kennt sich der Ex-Wolfsburger ja bereits aus...

Herr Didavi, wie gut sind Ihre Drähte nach Wolfsburg noch?

Immer noch gut. Mit Yunus (Malli, d. Red.), mit Jay (Brooks, d. Red.) oder Ginni (Ginczek, d. Red.), der jetzt in meinem ehemaligen Haus wohnt, verstehe ich mich immer noch – auch wenn wir uns jetzt nicht wöchentlich schreiben. Zu den Physios und Michele Putaro gibt es ebenfalls Kontakt. Und Elvis (Rexhbecaj, d. Red.) habe ich gerade erst zu seiner Vertragsverlängerung gratuliert. Mit Yannick (Gerhardt, d. Red.) ist zudem eine richtige Freundschaft entstanden, wir haben uns seither schon ein paar Mal besucht und haben ja auch zusammen angefangen, uns vegan zu ernähren.

Beeindruckt, wie verwandelt er in dieser Saison spielt?

Es war nicht immer so einfach für ihn, mal hat er gespielt, mal nicht. Doch in dieser Saison ist er Stammspieler – und gerade für ihn ist das wichtig, weil er der Typ ist, der immer sehr viel nachdenkt. Wenn er mal draußen war und dann wieder gespielt hat, hat man gemerkt, dass er nicht so viel Selbstvertrauen hatte. Jetzt tritt er ganz anders auf. Es freut mich ungemein für ihn.

Der gebürtige Nürtinger Daniel Didavi begann seinen fußballerischen Werdegang im Verein seiner Geburtsstadt, fiel aber bei Jugendtagen des VfB Stuttgart positiv auf, sodass man den Deutsch-Beniner in der Jugendabteilung der Schwaben aufnahm. Zur Galerie
Der gebürtige Nürtinger Daniel Didavi begann seinen fußballerischen Werdegang im Verein seiner Geburtsstadt, fiel aber bei Jugendtagen des VfB Stuttgart positiv auf, sodass man den Deutsch-Beniner in der Jugendabteilung der Schwaben aufnahm. ©
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Lob für Bruno Labbadia: "Muss man größten Respekt haben"

Wie läuft‘s bei Ihnen?

Privat fühle ich mich gut. Ich komme von hier und das war einer der Gründe, warum ich zurück wollte. Ich habe die Heimat und den Verein vermisst, weil ich allgemein ein Familienmensch bin. Ich gehöre einfach nach Stuttgart. Sportlich gesehen, ist es natürlich nicht so einfach.

Beim VfL ist das seit dieser Saison wieder anders.

Was Bruno Labbadia nach den letzten zwei Jahren geschafft hat, ist eigentlich unglaublich. Dass es sich so entwickelt, hätte ich niemals gedacht. Deswegen muss man den größten Respekt haben, gerade vor dem Trainer, weil es ja mehr oder weniger die gleiche Mannschaft ist. Auch wenn es nicht immer einfach für mich war: Mit den Leuten im Verein habe ich mich immer gut verstanden.

Hätten Sie Europa für möglich gehalten?

Nein. Und jetzt ist ja sogar noch die Champions League möglich. Aber wir brauchen die Punkte auch dringend. Deshalb wäre es für den VfL gut genug, wenn sie sich für die Europa League qualifizieren und uns die Punkte am Samstag überlassen. (schmunzelt)

VfL Wolfsburg: So lange laufen die Verträge der Spieler

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Die Vertragslaufzeiten der VfL-Profis ©

"Bin niemand, der Sachen bereut"

Bereuen Sie Ihren Wechsel?

Natürlich habe ich vor der Saison gedacht, dass wir uns sportlich auf einem ähnlichen Niveau bewegen wie der VfL und dass die Unterschiede nicht so groß sein würden. Nach zwei Jahren jeweils mit der Relegation am Ende war ich unzufrieden. Als ich nach Wolfsburg gekommen bin, hatte ich andere Ziele. Ich habe bei der Entscheidung im Sommer auf mein Herz gehört – und es ist wirklich keine Wehmut dabei. Ich gönne es dem VfL, weil ich weiß, was er in den letzten beiden Jahren durchgemacht hat.

Warum hat man das Gefühl: Der VfL und Didavi – das hat nicht gepasst?

Von meiner individuellen Leistung betrachtet, war die Zeit ja gar nicht so schlecht, im zweiten Jahr bin ich auf 16 Scorerpunkte gekommen. Im ersten Jahr war ich viel verletzt, es gab viel Unruhe, auch weil Spieler weg wollten. Ich bin ja wegen Dieter Hecking und Klaus Allofs gekommen – die waren irgendwann weg. Es wurde mehrmals der Trainer gewechselt, es gab keine Konstanz, es konnte kein Selbstvertrauen entstehen. Viele Sachen sind da zusammengekommen. Aber wissen Sie was?

Bitte...

Ich bin niemand, der Sachen bereut oder negativ zurückschaut. Für mich hat alles seinen Sinn im Leben und der Schritt nach Wolfsburg war wichtig – ich werde die Erfahrung nie missen. Von daher war es keine negative Zeit für mich.

Das sind die höchsten VfL-Niederlagen in der Bundesliga:

Die zweite Wolfsburger Bundesliga-Saison 1998/1999, sie war eine starke, die am Ende sogar mit der ersten Uefa-Cup-Teilnahme gekrönt wurde. Trotzdem wurde sie mit einem düsteren Kapitel abgeschlossen: Am letzten Spieltag gab’s eine 1:6-Klatsche beim MSV Duisburg, für den es als Tabellen-Achten um gar nichts mehr ging! Dabei schoss Andrzej Juskowiak die spielerisch unterlegenen Gäste sogar noch in Führung, ehe Duisburgs Stürmer Markus Beierle (3), Uwe Spies (2) und Slobodan Komljenovic mit ihren Treffern dem VfL die erste heftige Bundesliga-Pleite zufügten. Zur Galerie
Die zweite Wolfsburger Bundesliga-Saison 1998/1999, sie war eine starke, die am Ende sogar mit der ersten Uefa-Cup-Teilnahme gekrönt wurde. Trotzdem wurde sie mit einem düsteren Kapitel abgeschlossen: Am letzten Spieltag gab’s eine 1:6-Klatsche beim MSV Duisburg, für den es als Tabellen-Achten um gar nichts mehr ging! Dabei schoss Andrzej Juskowiak die spielerisch unterlegenen Gäste sogar noch in Führung, ehe Duisburgs Stürmer Markus Beierle (3), Uwe Spies (2) und Slobodan Komljenovic mit ihren Treffern dem VfL die erste heftige Bundesliga-Pleite zufügten. ©

"In Wolfsburg hat sich eine Gruppendynamik entwickelt"

Was läuft aus Ihrer Sicht wieder besser beim VfL?

Es hat sich von außen betrachtet eine Gruppendynamik entwickelt. Wenn am Anfang die Ergebnisse da sind, wird die Stimmung besser, das Selbstvertrauen ist da. Jeder glaubt dran. Und diese Mannschaft hat ja immer Qualität gehabt von den Einzelspielern her. Und jetzt funktioniert sie auch als solche.

Was erwarten Sie für ein Spiel am Samstag?

Wolfsburg ist in der Favoritenrolle. Wir wissen, wie Bruno Labbadia spielen lässt. Es geht um viel Ballzirkulation, das Spiel selber zu machen, mit eigenem Ballbesitz. Das war ja schon in der letzten Saison in Ansätzen so, aber man merkt jetzt einfach, dass es mit einem ganz anderen Selbstverständnis gespielt wird. Mit viel mehr Sicherheit und vorn auch mit viel mehr Torgefahr. Admir spielt eine gute Saison, Weghorst spielt eine überragende Saison. Wir müssen mit unseren Tugenden dagegenhalten. So wie gegen Gladbach.

Mehr zum VfL Wolfsburg

Für den VfB geht es nur noch darum, den Relegationsplatz zu verteidigen, für Sie wäre es die dritte in Folge.

Zunächst brauchen wir noch Punkte, um den Relegationsplatz zu sichern. Ich weiß zumindest, dass es anders ist, die Relegation mit einem Sieg zu erreichen – so wie letztes Jahr gegen Köln als im Vergleich zum Jahr davor gegen Hamburg mit einer Niederlage. Das hat es uns wesentlich leichter gemacht. Aber so oder so: In der Relegation ist es immer unangenehm, gerade als Erstligist, wenn man alles zu verlieren hat.

"Könnten ja einen ähnlichen Weg gehen wie Wolfsburg..."

Sollte es mit dem Relegations-Hattrick so kommen, haben Sie sich mal gefragt: Warum ausgerechnet ich?

Klar ist das bitter. Aber man muss das immer differenziert betrachten: Wenn man sieht, was ich sonst für ein Leben führen darf, gibt es viele, die diese Situation gerne hätten. Sportlich nervt es sehr, aber ich würde die Herausforderung auch diesmal annehmen und wenn wir es schaffen sollten, haben wir in der nächsten Saison eine neue Chance – und können ja einen ähnlichen Weg gehen wie Wolfsburg…

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