11. November 2019 / 12:40 Uhr

Vier Niederlagen am Stück – aber von einer Krise will beim VfL niemand sprechen

Vier Niederlagen am Stück – aber von einer Krise will beim VfL niemand sprechen

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Die VfL-Mannschaft nach dem 0:2 gegen Leverkusen.
Die VfL-Mannschaft nach dem 0:2 gegen Leverkusen. © Roland Hermstein
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Vor zwei Wochen war der VfL Wolfsburg noch ein Kandidat für die Tabellenführung, jetzt ist er aus der oberen Tabellenhälfte verschwunden. Das Wort "Krise" wollen die sportlich Verantwortlichen aber (noch) nicht benutzen.

Als der VfL das letzte Mal vier Pflichtspiele in Folge verloren hatte, brauchte es noch einen Cristiano Ronaldo. 0:3 in Madrid, 2:3 in Bremen, 0:2 gegen Augsburg, 1:5 in Dortmund – das war die Pleitenreihe im Frühjahr 2016. Jetzt, dreieinhalb Jahre später gab’s den nächsten Viererpack dieser Art: 1:6 gegen Leipzig, 0:3 in Dortmund, 1:3 gegen Gent – und am Sonntag 0:2 (0:1) gegen Bayer Leverkusen. Karim Bellarabi und Paulinho erzielten vor 24.200 Zuschauern in einem intensiven, aber wenig unterhaltsamen Spiel die Tore.

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Wolfsburg auf Platz zehn in die Länderspielpause

Der VfL, vor zwei Wochen noch ein Kandidat für die Tabellenführung, ist aus der oberen Tabellenhälfte verschwunden, geht auf Platz zehn in die Länderspielpause. Das Wort „Krise“ waberte durch die Flure der Arena, so benennen wollten die sportlich Verantwortlichen die Lage (noch) nicht. Es klang eher so: „Es ist eine schwierige Phase“ (Manager Jörg Schmadtke), eine „Phase, die wir so nicht wollten und auch nicht erwartet haben“ (Trainer Oliver Glasner) oder auch „eine schlechte Phase“ (Mittelfeldspieler Maximilian Arnold).

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Pavao Pervan: Sah beim 0:1 nicht gut aus, als der Bellarabi-Schuss im kurzen Eck landete, erneut Probleme bei Abschlägen mit dem Fuß, die in der ersten Halbzeit häufiger beim Gegner landeten. Note:4. Zur Galerie
Pavao Pervan: Sah beim 0:1 nicht gut aus, als der Bellarabi-Schuss im kurzen Eck landete, erneut Probleme bei Abschlägen mit dem Fuß, die in der ersten Halbzeit häufiger beim Gegner landeten. Note:4. ©

Weil sich diese Phase jetzt aber schon ziemlich zieht, stellt sich der Frage nach Grundsätzlichem. Was stimmt mit diesem VfL nicht? Glasner, das ist verständlich, dreht die Frage lieber um: „Einstellung und der Charakter des Teams stimmen. Wenn du drei Tage nach Gent 128 Kilometer als Mannschaft läufst, ist das unglaublich.“ Und trotzdem haut es irgendwie nicht hin. Denn so sehr das Bemühen zu sehen war – es gab gegen Leverkusen keinen Moment, in dem man geglaubt hätte, der VfL könnte dieses Spiel gewinnen. „Solch eine Phase macht aber jede Mannschaft mal durch“, so Glasner, „bei uns ist sie relativ spät gekommen, nachdem wir anfangs als die Unbesiegbaren gegolten hatten. Wir werden alles daran setzen, dass wir das in Frankfurt wieder drehen können.“

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Der Trainer fordert „mehr Präsenz in der Box"

Es gab gegen Leverkusen eine Szene, die das wesentliche Problem gut beschreibt: Marcel Tisserand tankte sich auf der linken Seite mit viel Engagement durch, behauptete gegen drei Leverkusener den Ball, war in sehr guter Flankenposition – aber nur ein Mitspieler war in den Strafraum gelaufen, die anderen hatten ihm offenbar die starke Einzelaktion auf der Seite nicht zugetraut. „Wir müssen geiler sein aufs Toreschießen“, findet Arnold, und sein Trainer fordert „mehr Präsenz in der Box.“ Wenn dann mal die „Box“, also der 16er, besetzt war, taugten die Flanken nichts. „Wenn du Selbstvertrauen hast, kannst du die Bälle vorn blind spielen“, so Glasner, „wenn du das Selbstvertrauen nicht hast, spielst du sie dem Torwart in die Hände“.

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Ohne Siege kein Selbstvertrauen, ohne Selbstvertrauen keine Siege – dieser Teufelskreis ist banal in der Beschreibung und tödlich für den Erfolg. „Mit Arbeit, mit viel Arbeit“, könne man ihn durchbrechen, findet Arnold. Aber auch das ist nicht so leicht, wenn jetzt in der Länderspielpause wieder einige VfL-Profis unterwegs sind. „Wir haben zwei Wochen, um die Köpfe frei zukriegen“, so Verteidiger Tisserand, „das ist vielleicht gut.“

Was auch helfen könnte: An Dingen festhalten, die trotz allem noch einigermaßen gut waren. Auf das 1:3 gegen Gent habe die Mannschaft eine „gute Reaktion“ gezeigt, fand Schmadtke und gegen Bayer „gut dagegengehalten, schon die Laufkilometer zeigen, dass die Mannschaft will und auch versteht“. Und weil der Manager keiner ist, der sich der Schönrednerei verdächtig machen will, fügte er hinzu: „Ich sehe keine Krise“, aber wenn man nur nach Ergebnissen geht, dann „ist es schlecht“.

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