13. Dezember 2020 / 22:58 Uhr

Wolfsburgs Weghorst: So sauer, so gut und so treffsicher wie noch nie

Wolfsburgs Weghorst: So sauer, so gut und so treffsicher wie noch nie

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wout Weghorst freut sich über sein Siegtor gegen Frankfurt
Wout Weghorst freut sich über sein Siegtor gegen Frankfurt © (c) Copyright 2020, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Doppelpack gegen Frankfurt: Wout Weghorst, Torjäger des VfL Wolfsburg traf in den letzten acht Bundesliga-Spielen neunmal. So viele Tore wie jetzt hatte er zu diesem Saisonzeitpunkt noch nie.

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Zwei Minuten bevor er das Spiel entscheiden sollte, musste der Frust bei Wout Weghorst mal so richtig raus. Frankfurts Martin Hinteregger hatte ihn gefoult und dann noch den Ball weggekickt, der VfL-Stürmer meckerte daraufhin so lange und so laut, bis Schiri Markus Schmidt quasi gezwungen war, dem Niederländer Gelb zu zeigen. Es passte zu einem Abend, an dem Weghorst bis dahin außer einem Elfmetertor nicht viel gelungen war. „Ich war nicht so gut“, gab er hinterher zu. Aber aktuell ist er eben gut genug, um auch an so einem Tag ein Spiel zu entscheiden - und so machte er kurz nach der Verwarnung das Siegtor für den Wolfsburger Fußball-Bundesligisten.

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2:1-Sieg, Platz vier, neun Weghorst-Saisontore - es läuft für den VfL und seinen Torjäger, der in den ersten drei Partien dieser Spielzeit noch leer ausgegangen war. Und es läuft, auch wenn es mal nicht zu laufen scheint. Gegen Frankfurt hatte er oft vergeblich gelauert, konnte die wenigen Zuspiele nicht ordentlich verarbeiten, fand kaum Raum zwischen den Eintracht-Verteidigern. Auch darum wirkte er sauer wie nie – bis er das Siegtor machte. „Es ist dann eine besondere Qualität, wenn du als Stürmer nicht so gut im Spiel bist und trotzdem die Tore schießt“, lobt Manager Jörg Schmadtke.

Ob Weghorst der beste Stürmer sei, den er je trainiert habe, wurde VfL-Coach Oliver Glasner am Freitag nach der Partie gefragt. „Er ist der torgefährlichste, den ich je trainiert habe - zumindest als Cheftrainer“, antwortete er - und verwies auf Liverpool-Star Sadio Mané, den er als Co-Trainer in Salzburg unter seinen Fittichen hatte. Die Frage, ob Weghorst wie Mané über kurz oder lang auch in England landen werde, drängte sich auf. Im Sommer stand er auf der Liste der Tottenham Hotspur, das Winter-Transferfenster wird aller Voraussicht nach die nächsten Interessenten bringen. Glasner: „Ich gehe davon aus, dass wir ihn halten können. Und ich weiß auch gar nicht, ob er weg möchte. Er fühlt sich sehr wohl hier“, das erkenne man „auch daran, wie sehr er sich freut und mit welchem Engagement er dabei ist“.

Und man sieht es eben auch daran, wie sehr er sich ärgern kann - ohne dass ihn der Frust hemmt. Er sei einer, so Schmadtke, „der immer weitermacht, weil er weiß, dass die nächste Situation die entscheidende sein kann. Er geht nicht mit einem Rucksack in diese Situationen, sondern versucht, locker zu bleiben – das ist eine Qualität.“

Qualität, die sich in Toren messen lässt. Seit Weghorst vor acht Jahren in den Niederlanden Profi wurde, hatte er noch nie so viele Tore nach elf Spieltagen auf seinem Konto gehabt wie jetzt - nicht für Emmen in der 2. Liga Hollands, nicht für Almelo oder Alkmaar in der Eredivisie, nicht für den VfL. Hochrechnungen sind immer gefährlich - aber im Moment spricht nichts dagegen, dass Weghorst nach 17 Treffern in seiner ersten und 16 in seiner zweiten Bundesliga-Saison eine neue Bestmarke aufstellen kann.

So oft wie in diesem Jahr traf Weghorst noch nie
So oft wie in diesem Jahr traf Weghorst noch nie © Roland Hermstein

Vor allem, wenn er Tore macht wie das am Freitag, als er einen winzigen Moment der Unaufmerksamkeit in der ansonsten starken Frankfurter Hintermannschaft geschickt ausnutzte. „Aber“, so Glasner, „er ist für uns nicht nur wegen seiner unvergleichlichen Tore ein ganz, ganz wichtiger Spieler, sondern auch, weil er immer wieder Initiator ist, um den Gegner früh unter Druck zu setzen.“

Knapp elf Laufkilometer legte er gegen Frankfurt zurück, ein für einen Mittelstürmer starker Wert. Und er trat zu 33 Sprints an, war in dieser Hinsicht mal wieder der explosivste Spieler seines Teams. Zahlen, die für den Trainer fast ebenso viel wert sind wie die Zahl seiner Tore. Glasner: „Er arbeitet unheimlich für die Mannschaft und ist sich dabei für keinen Meter zu schade.“