26. November 2021 / 21:21 Uhr

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (13): Serie reißt beim Köstner-Team

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (13): Serie reißt beim Köstner-Team

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Niederlage: Stefan Meißner und der VfL unterlagen bei Lorenz-Günther Köstners Unterhachingern.
Niederlage: Stefan Meißner und der VfL unterlagen bei Lorenz-Günther Köstners Unterhachingern. © imago images
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Vor 25 Jahren begann das letzte Zweitliga-Jahr des VfL Wolfsburg. Den Weg zum Aufstieg begleiten wir in einer Serie Spieltag für Spieltag parallel zu denen der 25. Wolfsburger Bundesliga-Spielzeit, die ins Jubiläum mündet.

Das Jubiläum kommt! Egal, wie der VfL Wolfsburg abschneidet. Am Ende der Saison hat der VfL 25 Jahre Fußball-Bundesliga hinter sich! Am Stück. Das können von den aktuellen Bundesligisten nur wenige von sich behaupten. Nie abgestiegen aus dem Oberhaus sind aber neben Wolfsburg nur Leverkusen und München. 25 Jahre Bundesliga – bevor das Jubiläum kommt, nehmen wir Sie mit auf eine kleine Zeitreise. Spieltag für Spieltag. In die letzte Zweitliga-Saison.

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Alle bisherigen Teile der Zeitreise

25 Jahre – in vielen Bereichen kein ganz großes Jubiläum. In der Bundesliga eher außergewöhnlich. Außergewöhnlich beständig. Denn nur elf Klubs von insgesamt 56 Bundesligisten seit 1963 haben mehr als 25 Spielzeiten am Stück im Oberhaus gespielt.

Der kleine VfL Wolfsburg. Lange war er die Nummer 5 im Norden gewesen – hinter Bremen, dem HSV, Braunschweig und Hannover. In der Oberliga gefürchtet, doch in der 2. Bundesliga war das Team vom Elsterweg nur sechs Jahre seiner Geschichte gewesen, in der Bundesliga waren die Wölfe überhaupt kein Begriff. Wolfsburg stand für Volkswagen. Punkt. Bis es mit Trainer Uwe Erkenbrecher, Manager Peter Pander sowie Funktionären wie Wolfgang Heitmann oder Manfred Aschenbrenner Visionen gab und 1992 erneut der Aufstieg in die 2. Liga gelang.

Ein einstelliger Platz war das Ziel des VfL für die Saison 1996/1997 gewesen. Eine vorsichtige und realistische Herangehensweise nach unruhigen 18 Monaten, in denen erst Gerd Roggensack den VfL ins Pokalfinale 1995 als Nachfolger von Eckhard Krautzun geführt hatte, mit dem es bis ins Viertelfinale gegangen war. Das Halbfinal-1:0 beim klassenhöheren 1. FC Köln durch ein Tor von Siggi Reich blieb das Highlight unter Roggensack. Zum Aufstieg führte er das Team, das lange einen Aufstiegsplatz bekleidet hatte, nicht mehr.

Roggensack war bereits im Oktober 1995 nach einem Heim-0:5 gegen Bochum von Ex-HSV-Profi Willi Reimann abgelöst worden. Eine auf dem Papier sehr namhafte Mannschaft konnte der knorrige Hanseate immerhin mit seiner stoischen Art voranbringen, sodass sie dann in der Rückrunde 95/96 bis zum Ende 14 Mal in Folge ungeschlagen blieb. Danach ging es in eine ganz besondere Saison.

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Der 13. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97

Was zuvor so war: Das Ladenschlussgesetzt ist gekippt. Erstmals nach 40 Jahren sind in Deutschland an einem Freitagabend Geschäfte bis 20 Uhr geöffnet. Hinter den Kulissen des VfL Wolfsburg rumorte es gewaltig, das geplante Trainingslager in Portugal wackelte, der Vorstand des Vereins (der Profi-Fußball war noch keine GmbH) wollte die Zustimmung verweigern, "solange nicht klar ist, ob die Fußballer ihr Budget einhalten". Bei einer Abteilungsleiterversammlung des VfL (ohne Fußball) soll es Anwürfe gegen die Fußball-Verantwortlichen gegeben haben. Oberbürgermeister Werner Schlimme, seines Zeichens auch Aufsichtsratsvorsitzender teilt per Pressemitteilung nach einer mehrstündigen Sitzung des Aufsichtsrats, des Präsidiums und der Lizenzfußball-Führung mit: "In den Beratungen wurde deutlich, dass Spannungen zwischen der Lizenzfußball-Abteilung und dem allgemeinen Amateurbereich sowie dem Präsidium bestehen und zurzeit nicht auszuräumen sind." Ortwin Witzel, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Fußball-Abteilung tritt zurück.


Das Spiel: Elf Spiele in Folge war der VfL ungeschlagen geblieben, in Unterhaching riss die Serie. Der ehemalige Fußball-Chef Wolfgang Heitmann, inzwischen Vizepräsident des Vereins, hatte den Profis die Lage hinter den Kulissen erläutert. Ob die davon gehemmt waren oder einfach einen schlechten Tag hatten, muss offen bleiben. Fakt war: In unveränderter Aufstellung gegenüber dem spielerisch überzeugenden Erfolg im Spiel zuvor gegen Meppen wirkten die Bemühungen des VfL verkrampft. Hätte Chad Deering bei seinem freistehenden Kopfball nicht genau den Keeper angeköpft, wäre vielleicht alles anders gekommen gegen das von Lorenz-Günther Köstner trainierte Team um Alexander Strehmel, die mehr als ein Jahrzehnt später beim VfL anheuern sollten.

Die Statistik

SpVgg Unterhaching - VfL Wolfsburg 1:0 (0:0)
(4. Nov. 1996)

  • Unterhaching: Wittmann - Bergen (4. Vladimir), Täuber, Grassow - Zimmermann, Strehmel, Reich, Zeiler, Lust - Radlspeck (68. Garcia), Gröber (86. Hartig).
  • VfL: Zimmermann - Maucksch, Probst (46. Jensen), Tomcic - Präger, Spies, Deering, Dammeier (46. Ballwanz), Keller - Tyszkiewicz, Meißner (66. Mihtarski).
  • Schiedsrichter: Schütz (Norken). Zuschauende: 5000.
  • Tor: 1:0 (49.) Lust.
  • Gelbe Karten: Zimmermann - Keller, Präger, Jensen, Mihtarski, Spies.
  • WAZ-Spieler des Spiels: Zimmermann.

Tabelle nach dem 13. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97
1. FC K'lautern.....22:6..27
2. Wolfsburg.......16:8..21
3. Uerdingen........21:14..21
4. St. Kickers....... 19:15 21
5. VfB Leipzig.......26:23 21
6. Fortuna Köln.....26:15 20
7. Hertha BSC..... 19:14 19
8. Unterhaching....10:7 19
9. Mainz 05...........20:16 18
10. Carl Z. Jena......16:15 18
11. SV Meppen......14:15 17
12. Gütersloh.........13:18 17
13. E. Frankfurt......17:17 16
14. Mannheim........19:25 14
15. Zwickau...........13:17 12
16. RW Essen........18:32 10
17. Lübeck..............8:23 10
18. Oldenburg........15:32 9

In einer AZ/WAZ-Serie zeichnen wir den Weg zum Aufstieg nach – gehen ihn Spieltag für Spieltag parallel zur neuen Bundesliga-Saison mit. Was 2021/22 am Ende stehen wird, wissen wir noch nicht, was 1997 am Ende der Saison stand, wissen alle Fans. Manche aber waren damals noch jung, manche noch gar nicht geboren.

Bei dieser Zeitreise können sie mitmachen. Schicken Sie uns gerne Mails, wenn Sie mögen auch Fotos (als Dateien, bitte keine Originale; an sport@waz-online.de), mit Ihren besonderen Erinnerungen an Partien, oder posten Sie sie am entsprechenden Spieltag in den dann erscheinenden Sportbuzzer-Beitrag bei Facebook.