20. August 2021 / 22:28 Uhr

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga: Auch vor 25 Jahren ging's gegen Hertha

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga: Auch vor 25 Jahren ging's gegen Hertha

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
SPORTBUZZER-Serie: Jann Jensen (l.) gab vor 25 Jahren sein Comeback, Michael Preetz (r.) traf für Hertha.
SPORTBUZZER-Serie: Jann Jensen (l.) gab vor 25 Jahren sein Comeback, Michael Preetz (r.) traf für Hertha. © dpa
Anzeige

Vor 25 Jahren begann das letzte Zweitliga-Jahr des VfL Wolfsburg. Den Weg zum Aufstieg begleiten wir in einer Serie Spieltag für Spieltag parallel zu denen der 25. Wolfsburger Bundesliga-Spielzeit, die ins Jubiläum mündet. 

Das Jubiläum kommt! Egal, wie der VfL Wolfsburg abschneidet. Am Ende der Saison hat der VfL 25 Jahre Fußball-Bundesliga hinter sich! Am Stück. Das können von den aktuellen Bundesligisten nur wenige von sich behaupten. Nie abgestiegen aus dem Oberhaus sind aber neben Wolfsburg nur Leverkusen und München. 25 Jahre Bundesliga – bevor das Jubiläum kommt, nehmen wir Sie mit auf eine kleine Zeitreise. Spieltag für Spieltag. In die letzte Zweitliga-Saison.

Anzeige

Die vorhergehenden Teile der Zeitreise

Teil 1: Alles wie immer

25 Jahre – in vielen Bereichen kein ganz großes Jubiläum. In der Bundesliga eher außergewöhnlich. Außergewöhnlich beständig. Denn nur elf Klubs von insgesamt 56 Bundesligisten seit 1963 haben mehr als 25 Spielzeiten am Stück im Oberhaus gespielt.

Der kleine VfL Wolfsburg. Lange war er die Nummer 5 im Norden gewesen – hinter Bremen, dem HSV, Braunschweig und Hannover. In der Oberliga gefürchtet, doch in der 2. Bundesliga war das Team vom Elsterweg nur sechs Jahre seiner Geschichte gewesen, in der Bundesliga waren die Wölfe überhaupt kein Begriff. Wolfsburg stand für Volkswagen. Punkt. Bis es mit Trainer Uwe Erkenbrecher, Manager Peter Pander sowie Funktionären wie Wolfgang Heitmann oder Manfred Aschenbrenner Visionen gab und 1992 der Aufstieg in die 2. Liga gelang.

Ein einstelliger Platz war das Ziel des VfL für die Saison 1996/1997 gewesen. Eine betont vorsichtige und vielleicht auch realistische Sichtweise nach unruhigen 18 Monaten, in denen erst Gerd Roggensack den VfL ins Pokalfinale 1995 als Nachfolger von Eckhard Krautzun geführt hatte, mit dem es bis ins Viertelfinale gegangen war. Das Halbfinal-1:0 beim klassenhöheren 1. FC Köln durch ein Tor von Siggi Reich blieb das Highlight unter Roggensack.

In der Liga hatte er den Klub, der bis kurz vor Saisonende am Aufstieg schnupperte, nicht mehr stabilisieren können. Roggensack war bereits im Oktober 1995 nach einem Heim-0:5 gegen Bochum von Ex-HSV-Profi Willi Reimann abgelöst worden. Eine auf dem Papier sehr namhafte Mannschaft konnte der knorrige Hanseate immerhin mit seiner stoischen Art voran bringen, dass sie dann in der Rückrunde 95/96 bis zum Ende 14 Mal in Folge ungeschlagen blieb. Danach ging es in eine ganz besondere Saison.


Der zweite Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97

Was zuvor so war: Der VfL suchte weiterhin händeringend nach Verstärkung für den Sturm, der Pole Krzysztof Bociek war im Testtraining. Zwei Jahre vorher war er mal gut in Griechenlands erster Liga gewesen. Trainer Willi Reimann forderte im Training mehr Biss, baute nach dem missglückten Experiment mit dem eher kleingewachsenen Sturm Roy Präger/Sven Ratke um. Ratke war verletzt, mit Stefan Meißner und Piotr Tyszkiewicz waren nun vorn erste Wahl. Neue Netze sollten zudem helfen. VfL-Fan Michael Fromme hatte eine Wette gegen einen Arbeitskollegen gewonnen („Der VfL steigt 95/96 nicht ab“), investierte den Gewinn in neue Tornetze mit wabenförmigen Löchern im Stil der Netze der WM 1990. Der gerade in den Fußball-Ruhestand getretene Siggi Reich, seines Zeichens Sportgeschäftsinhaber, lieferte sie einen Tag vor dem Spiel aus, sprach bei der Installation von „Erfolgsnetzen“. Das haute noch nicht so ganz hin.

Das Spiel: Wolfsburg tat sich fünf Tage nach der 0:2-Niederlage bei Fortuna Köln auch im Heimspiel gegen die stark eingeschätzte Hertha aus Berlin (um die späteren VfL-Co-Trainer Dirk Bremser und Jolly Sverrisson) im Vorwärtsgang lange schwer, dass auf den Rängen schon unüberhörbar Rufe nach Reich laut wurden. Schiedsrichter Franz-Xaver Wack schickte später Meißner mit Gelb-Rot vom Platz. Reimann meinte hinterher trocken: „Eigentlich will ich ja nichts über Schiedsrichter sagen, weil das immer so viel Geld kostet.“ Um dann quasi verbal das Portemonnaie zu zücken und hinzuzufügen: „Ein Witz, ein schlechter Witz, der soll einen Lehrgang besuchen, die Leistung war total daneben.“ Rechtzeitig vor dem Schlusspfiff aber hatte Präger für den Ausgleich gesorgt, gut vorbereitet von Chad Deering und Flankengeber Tyszkiewicz. Ganz wichtig an jenem Abend mit Blick auf die folgenden Monate: Manndecker Jann Jensen gab sein elfminütiges Comeback nach fast einem Jahr Pause. Der Däne, der zwei Achilllessehnenrisse nacheinander erlitten hatte, erinnert sich: „Ich war sehr dankbar für dieses Comeback. Und es war ein irres Gefühl. Ich war ein Jahr raus gewesen, aber ich fühlte, dass das ganze Stadion hinter mir stand.“

Kurios: Sein letztes Punktspiel über die volle Zeit hatte Jensen 1995 gegen Berlin bestritten, im Pokalfinale kurz darauf in Berlin hatte er sich verletzt, gegen Berlin gab es das Comeback.

Die Statistik

VfL Wolfsburg - Hertha BSC 2:0
(7. August 1996)

Hertha: Fiedler – Sauer (70. A. Schmidt), Kober, Sverrisson – Fährmann, Bremser, Karl, Richter, Dinzey – Preetz, Kruse (81. Covic)..

VfL: Zimmermann – Maucksch (79. Jensen), Tomcic (86. Kleeschätzky), Keller – Kapetanovic (46. Meißner), Präger, Deering (79. Butrej), Ballwanz, Dammeier – Tyszkiewicz, Meißner.

Schiedsrichter: Dr. Wack (Biberach). Zuschauende: 5100.
Tore: 0:1 (18.) Preetz, 1:1 (78.) Präger.
Gelbe Karten: - / Sverisson, Bremser. Gelb-Rot: Meißner (Wolfsburg/66.)

WAZ-Spieler des Spiels: Präger.

Anzeige

In einer AZ/WAZ-Serie zeichnen wir den Weg zum Aufstieg nach – gehen ihn Spieltag für Spieltag parallel zur neuen Bundesliga-Saison mit. Was 2021/22 am Ende stehen wird, wissen wir noch nicht, was 1997 am Ende der Saison stand, wissen alle Fans. Manche aber waren damals noch jung, manche noch gar nicht geboren.

Bei dieser Zeitreise können sie mitmachen. Schicken Sie uns gerne Mails, wenn Sie mögen auch Fotos (als Dateien, bitte keine Originale; an sport@waz-online.de), mit Ihren besonderen Erinnerungen an Partien, oder posten Sie sie am entsprechenden Spieltag in den dann erscheinenden Sportbuzzer-Beitrag bei Facebook.