06. Oktober 2020 / 16:01 Uhr

Wolfsburgs Lacroix: Von Autostadt zu Autostadt und gleich von 0 auf 100

Wolfsburgs Lacroix: Von Autostadt zu Autostadt und gleich von 0 auf 100

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Fühlt sich beim VfL und in Wolfsburg pudelwohl: Neuzugang Maxence Lacroix.
Fühlt sich beim VfL und in Wolfsburg pudelwohl: Neuzugang Maxence Lacroix. © dpa
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Im Sommer wechselte Maxence Lacroix vom französischen Zweitligisten FC Sochaux zum VfL Wolfsburg. Bei seinem neuen Klub fühlt er sich pudelwohl, die Stadt passt zu ihm, sagt er, und die Fußball-Bundesliga sei genau das, was er wolle.

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Sechs Wochen ist er jetzt beim VfL, sechs Spiele hat er schon für Wolfsburg bestritten: Maxence Lacroix ist durchgestartet, binnen kürzester Zeit zu einer festen Größe in der Innenverteidigung gereift. Dass ihm das so gut gelungen ist, liegt unter anderem an den Teamkollegen, die ihm helfen, der Stadt, die perfekt zu ihm passt, an der Fußball-Bundesliga, in der er sich pudelwohl fühlt - und an seiner Vergangenheit, in der er es nicht immer leicht hatte.

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Schon im Kindesalter war Lacroix klar, dass der Fußball ihn erfüllt. "Seit ich fünf bin habe ich im Kopf, Fußball zu spielen. Meine Eltern haben mich sehr unterstützt", blickt der VfL-Profi dankbar zurück. In einem kleinen Vorort von Paris hat er angefangen zu kicken, bevor es mit 13 für zwei Jahre in eine regionale Auswahl ging, bei der die 15 besten Spieler der Umgebung dabei sein durften. Doch für diesen Schritt in die Auswahl musste Lacroix auf etwas verzichten, was ihm sehr am Herzen liegt: die Familie. Denn der Abwehrspieler zog von zu Hause aus, ging in eine Akademie, um dort die bestmögliche fußballerische Ausbildung zu genießen. "Ich lebe seit ich 13 bin alleine, es gibt aber viel Kontakt zur Familie", so der heute 20-Jährige. Das hat ihm geholfen.

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Über die Jahre (mit 15 wechselte er zu Sochaux) hat er sich nicht nur fußballerisch, sondern auch menschlich enorm weiterentwickelt. "Dadurch, dass ich alles allein organisieren musste, ist klar, dass man selbstständig wird", beschreibt Wolfsburgs Nummer 4 und macht deutlich, was für ein herzensguter Mensch er ist. "Meine Eltern leben getrennt, da habe ich auch immer versucht, sie zu unterstützen. Und da ich in der Akademie war, wollte ich nicht, dass meine Familie Geld ausgibt, ohne dass ich etwas zurückgebe." Zurückgeben kann er inzwischen eine Menge, seine Familie ist nach wie vor an seiner Seite. So war seine Mama in den ersten Tagen mit in Wolfsburg.

Für 5 Millionen Euro war er aus Frankreich zum VfL gekommen. Doch aufgrund der Corona-Pandemie liefen die Gespräche anders als sonst - nur über das Telefon. Das erschwerte ihm die Entscheidung aber nicht. "Ich habe Bilder von der Infrastruktur des Vereins gesehen. Und was der Klub mit mir vorhat, konnten wir auch am Telefon problemlos besprechen", sagt Lacroix. Für ihn war schnell klar, dass er nach Wolfsburg möchte. "Die Bundesliga ist aktuell genau das, was ich möchte", betont der sympathische Abwehrmann. Und anhand seines Kumpels Ibrahima Konaté (spielten zusammen in Sochaux) von RB Leipzig habe er gesehen, "dass es junge französische Talente in der Bundesliga schaffen können".

Aber nicht nur der VfL, auch Wolfsburg an sich passt perfekt zu Lacroix - denn auch Sochaux ist eine Arbeiterstadt. "Sochaux ist vergleichbar mit Wolfsburg, weil es aufgrund von Peugeot auch eine Industriestadt ist", verdeutlicht der Franzose. Peugeot baut dort Autos, er wechselte quasi von Autostadt zu Autostadt. In den ersten Wochen hier wurde er vor allem von seinen Landsleuten Josuha Guilavogui und Jerome Roussillon an die Hand genommen. "Die beiden haben mich durch die Stadt geführt und mir etwas gezeigt. Auch mit den jungen Spielern habe ich Zeit verbracht", freut sich Lacroix, der "sehr gut aufgenommen wurde".

Dass er sich wohlfühlt, zeigt sich auch auf dem Platz. Denn dort zeigte er - mit leichten Unsicherheiten zu Beginn - starke Auftritte. "Ich bin zufrieden, dass ich überhaupt spielen konnte. Und auch darüber, dass wir in der Liga erst ein Gegentor bekommen haben. Es gibt aber noch ein paar Punkte, die ich noch verbessern möchte", sagt Lacroix. Und welche Punkte sind das? "Über die ganze Zeit konzentriert zu sein und weniger technische Fehler zu machen." Fehler zu machen - das schreckt ihn aber nicht ab. Der Neuzugang ist lernwillig und selbstkritisch. "Ich suche die Fehler bei Gegentoren bei mir. Daher schaue ich mir die Szenen immer noch mal an. Ich habe keine Angst, mir Fehler einzugestehen. Dadurch lerne ich", sagt Lacroix - und dafür ist er jetzt beim VfL.