30. Dezember 2020 / 16:00 Uhr

Wolfsburgs Philipp vor BVB-Rückkehr: "Bin nicht der Spieler mit der breitesten Brust"

Wolfsburgs Philipp vor BVB-Rückkehr: "Bin nicht der Spieler mit der breitesten Brust"

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Will am Selbstvertrauen arbeiten: VfL-Offensivmann Maximilian Philipp (M.).
Will am Selbstvertrauen arbeiten: VfL-Offensivmann Maximilian Philipp (M.). © 2020 Getty Images
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Ein Tor und zwei Vorlagen gelangen Maximilian Philipp vom VfL Wolfsburg in dieser Saison bereits. Das stärkt sein Selbstvertrauen, was normalerweise nicht seine große Stärke ist.

Er ist ein begnadeter Fußballer, technisch versiert und torgefährlich. Das Problem: VfL-Profi Maximilian Philipp weiß seine eigenen Fähigkeiten manchmal nicht ausreichend zu schätzen, es mangelt an Selbstvertrauen. Daran arbeitet der Offensiv-Allrounder schon seit Jahren, er macht unter anderem diese "Schwäche" als Grund dafür fest, dass es für ihn bei Borussia Dortmund nicht geklappt hat. Beim Wolfsburger Bundesligisten soll es nun besser werden - und da ist der 26-Jährige auf einem guten Weg.

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Im Sommer war Philipp von Dinamo Moskau auf Leihbasis zum VfL gekommen, eine lange Eingewöhnungszeit brauchte er nicht. Den Trainingsrückstand holte er schnell auf und überzeugte mit ansprechenden Leistungen. Ein Tor und zwei Vorlagen stehen bei ihm bereits zu Buche, da müsste das Selbstvertrauen doch eigentlich groß sein. Nicht jedoch bei Philipp. "Ich bin nicht der Spieler mit der breitesten Brust auf dem Platz. Obwohl ich mir das manchmal wünschen würde", sagt Wolfsburgs Nummer 17 selbstkritisch. "Das ist schon seit Jahren so. Das muss ich einfach noch lernen. Ich bin vom Typ her eher zurückhaltend."

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Für ihn sei das mangelnde Selbstvertrauen einer der Gründe, wieso es für ihn in beim BVB (von 2017 bis 2019) nicht funktioniert hat. "Ich habe in Dortmund nicht gesagt, ich kann da mithalten, sondern habe eher gedacht, der macht es gut und der macht es gut, es wird schwer für mich", erzählt Philipp ehrlich und ergänzt: "Ich habe nie gesagt, ich spiele bei Borussia Dortmund, jetzt habe ich es geschafft. Dafür bin ich nicht der Typ." Auf der anderen Seite weiß Philipp aber auch, dass er nicht ohne Grund da angekommen ist, wo er nun steht - bei einem Bundesligisten, der den Anspruch hat, jedes Jahr international zu spielen. "Ich bin nicht einfach nur so hier, ich muss ja irgendein Talent haben. Es ist ja kein Wunschkonzert, Fußball-Profi zu sein, das muss ich mir verdient haben", sagt der VfLer.

Am Selbstvertrauen will Philipp weiter arbeiten, aber wie geht das? "Einige Spieler nehmen sich einen Mentaltrainer, das hatte ich auch mal überlegt. Ansonsten musst du lernen, dass du nicht umsonst da bist, wo du bist. Das versuche ich mir jeden Tag zu sagen", so der Ex-Freiburger. Geholfen haben ihm beim SC nach seinem Sprung aus dem Jugend- in den Herrenbereich auch VfL-Teamkollege Admir Mehmedi und später auch Mike Frantz. "An einigen Tagen denke ich mir, du kannst doch richtig was, warum zeigst du es nicht? In letzter Zeit ist es mir etwas besser gelungen, daher war mein Spiel zuletzt auch besser", sagt Philipp, dem vor allem Lob, aber auch mal "einen Tritt in den Hintern" helfen. "Mir muss nicht jeder den Arsch pudern."

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Was noch hilft, sind Erfolgserlebnisse - und eines hatte er bei seinem bisher letzten Spiel in München, als er den VfL früh sehenswert mit 1:0 in Führung schoss (Endstand 1:2). "Das Tor hat mein Selbstbewusstsein gestärkt", bestätigt Philipp. Doch dann warf ihn Corona zurück. Er selbst war zwar negativ getestet worden, musste sich aber als Kontaktperson von Maximilian Arnold, der sich mit Covid-19 infiziert hatte, in häusliche Quarantäne begeben. "Da wir zusammen Mittag gegessen hatten, war er die einzige Kontaktperson", sagt Philipp über ein Treffen mit Arnold, bevor das Eigengewächs von der Infektion wusste. "Natürlich hat mich das genervt, ich habe mich echt gut gefühlt. Ich hatte mich auf die letzten beiden Spiele des Jahres gefreut", so Philipp.

Siege gegen Stuttgart (1:0) und im Pokal gegen Sandhausen (4:0) feierte der VfL auch ohne ihn, "das freut mich umso mehr". Und immerhin musste Philipp Weihnachten nicht allein verbringen. "Ich durfte in Absprache mit dem Gesundheitsamt nach Hause zu meiner Mutter. Dafür musste ich drei negative Corona-Tests vorweisen. Die hatte ich für Nachfragen immer dabei", erzählt Philipp. "So war ich nicht ganz allein. Das war schön, auch wenn ich dort natürlich das Haus auch nicht verlassen durfte. Aber für Max war es wohl am bittersten, weil er Weihnachten allein sein musste. Das tut mir mehr leid als das, was ich durchmachen musste."

Doch jetzt dürfen Arnold und Philipp wieder mitmischen, Letzterer will "da weitermachen, wo ich aufgehört habe" - mit guten Leistungen und Toren. In Dortmund, bei seinem Ex-Klub. "Es ist natürlich ein besonderes Spiel, aber jede Partie ist wichtig", sagt der Offensivmann, dessen Bilanz gegen den BVB ausbaufähig ist (vier Spiele, vier Niederlagen). "Dagegen werden wir etwas tun", so Philipp schmunzelnd. Und wenn er trifft? Dann wird "aus Respekt vor den Jungs, die ich da noch kenne" verhalten gejubelt - aber das Selbstvertrauen würde es weiter stärken.

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