01. Februar 2021 / 16:37 Uhr

Fachleute feiern Wolfsburg ab: VfL-Manager Schmadtke lässt das kalt

Fachleute feiern Wolfsburg ab: VfL-Manager Schmadtke lässt das kalt

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Viele sehen Wolfsburg als Champions-League-Anwärter: VfL-Manager Jörg Schmadtke lässt das kalt.
Viele sehen Wolfsburg als Champions-League-Anwärter: VfL-Manager Jörg Schmadtke lässt das kalt. © Boris Baschin
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Der VfL Wolfsburg ist Dritter, zählt zu den Champions-League-Anwärtern. Doch für Manager Jörg Schmadtke ist es noch zu früh, sich über mögliche End-Szenarien Gedanken zu machen.

Tabellenplatz drei, 35 Punkte auf dem Konto - der Wolfsburger Fußball-Bundesligist zählt in dieser Saison zu den Champions-League-Anwärtern. Diese Rolle wird dem Klub vor allem von außen zugesprochen. "Das interessiert mich nicht", sagt Jörg Schmadtke hingegen deutlich, denn: Es sind erst 19 Spieltage absolviert. "Jetzt über irgendwelche Tabellen-Situationen zu fabulieren, ist zwar alles sehr nett, ich kann es auch nachvollziehen, aber für mich spielt es keine Rolle", betont der VfL-Manager und sagt, welche Fehler das Team in den nächsten Wochen nicht machen darf, um weiter oben mitzumischen.

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Was die Wolfsburger in dieser Saison auf dem Platz zeigen, sieht richtig gut aus. Gegen die Breisgauer feierte das Team von Trainer Oliver Glasner seinen dritten Zu-null-Erfolg in Folge, ist zu Hause nach wie vor ungeschlagen (sechs Siege, drei Unentschieden). Diese Leistungen imponieren auch den Fußball-Fachleuten - die dem VfL die Königsklasse zutrauen. Champions-League-Sieger und TV-Experte Dietmar "Didi" Hamann hatte dem SPORTBUZZER jüngst gesagt: "Wolfsburg kommt unter die ersten Vier." Freiburg-Trainer Christian Streich schloss sich am Sonntag an: "Sie werden bis zum Ende um die Champions League mitspielen, das steht außer Frage."

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Vielmehr als die Tabellenkonstellation beschäftigen Schmadtke die Leistungen des Teams auf dem Rasen. "Die Mannschaft wirkt sehr konzentriert, zielgerichtet und störungsfrei. Mal schauen, ob das nur eine Momentaufnahme ist, aber momentan macht es Spaß zuzuschauen", bestätigt der Manager. Beim 3:0 am Sonntag habe ihm besonders gut gefallen, "dass die Mannschaft stabil und geduldig geblieben ist. Sie hat auf ihre Möglichkeiten gewartet". Und sie genutzt - Jay Brooks, Wout Weghorst und Yannick Gerhardt sorgten mit ihren Treffern für den Sieg im 400. Bundesliga-Heimspiel des VfL.

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Dritter war der VfL zuletzt am achten Spieltag der Vorsaison - am Ende landeten die Wolfsburger jedoch "nur" auf Rang sieben und verpassten in der Europa-League-Quali bei AEK Athen (1:2) die Teilnahme an der Gruppenphase. Laut Schmadtke verteidige die Mannschaft in dieser Saison zwar "extrem gut" und habe immer wieder "Akzente nach vorn", doch der erfahrene Manager weiß auch, wie schnell es in der Tabelle wieder nach unten gehen kann. Daher sagt der 56-Jährige: "Die Mannschaft muss weiter konzentriert bleiben und ihren Job machen. Sie darf nicht glauben, dass Hochrechnungen am Ende in der Wirklichkeit automatisch so eintreten."

Zuletzt Dritter vor knapp eineinhalb Jahren

Im Vergleich zur vergangenen Saison, als der VfL zuletzt Dritter war, ist die Situation diesmal eine andere. Damals hatten für Maximilian Arnold und Co. aufgrund der Europa League zahlreiche englische Wochen angestanden, Zeit für Training gab es kaum. Zudem war Glasner damals gerade erst ein paar Wochen im Amt, an die Spielphilosophie musste sich das Team erst noch gewöhnen. Hinzu kam im Laufe der Saison die Corona-Pandemie, die unter anderem sowohl für einen Zuschauer-Ausschluss als auch für eine zweimonatige Bundesliga-Pause gesorgt hatte. Aber ist es jetzt wirklich ein Vorteil, dass der VfL in dieser Saison nicht international spielt. Für Schmadtke nur bedingt: "Es kann am Ende ein Vorteil sein, aber ich will daran erinnern, dass Frankfurt, Union Berlin und Freiburg auch nicht international spielen. Von daher gilt das für diese Mannschaften genauso."

Der VfL jedenfalls wirkt gefestigt, stellt mit gerade einmal 19 Gegentreffern nach RB Leipzig (17) die beste Defensive der Liga - und hat beim 3:0 gegen Freiburg "etwas fürs Torverhältnis getan", was Schmadtke gut fand. Doch in Sicherheit wiegen sollte sich bei den Wolfsburgern niemand. "Der erste Fehler wäre, wenn man glaubt, dass das derzeitige Szenario ein End-Szenario ist", so der Manager, der selbst jahrelang Profi war. Es sei schwierig, "wenn man aufgrund der vergangenen 19 Spieltage glaubt, dass die nächsten 15 einfacher werden".

Viel wichtiger sei es, nicht zu viel auf die Tabelle zu schauen, sondern sich weiter auf die tägliche Arbeit zu fokussieren. "Wir müssen weiterhin kompakt agieren, gut verteidigen und die Tor-Chancen, die sich bieten, dann auch nutzen", fordert Schmadtke. "Ich weiß aber auch, dass es Gegner geben wird, die etwas dagegen haben." Als Nächstes trifft das im Pokal auf Tabellenschlusslicht FC Schalke 04 zu, das am Mittwoch (18.30 Uhr, live auf Sport1) in der VW-Arena gastiert. Am Samstag (15.30 Uhr) geht's für die Wolfsburger dann in der Liga beim FC Augsburg weiter. Schmadtke: "Jedes Spiel hat seine Herausforderung, ist kompliziert und jeder Gegner will das Spiel für sich entscheiden. Wenn unsere Mannschaft das weiß, ist das schon mal ein großer Vorteil."

Schalke wird kein Selbstläufer

Als Nächstes muss der VfL im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Schalke ran - mit einem leichten Spiel rechnet Schmadtke für den Tabellendritten gegen das Schlusslicht aber nicht. "Ich glaube, wir sind gut beraten, wenn wir nicht auf die Tabelle schauen und denken, dass es eine einfache Konstellation ist", betont Wolfsburgs Manager und ergänzt: "Es ist ein Spiel gegen einen Erstligisten, und wir wissen, wie schwer es ist, in der Bundesliga Punkte zu holen." In der Liga hatte sich der VfL Ende November zwar durch die Tore von Weghorst und Xaver Schlager mit 2:0 bei den Gelsenkirchenern durchgesetzt, doch ein Spaziergang war es damals nicht.

Die Wolfsburger gehen auch diesmal als klarer Favorit in das Spiel, allerdings, so Schmadtke, wird es "keine leichte Aufgabe und nicht so einfach, wie der eine oder andere glaubt, wenn er auf die Tabelle schaut". Denn in der Zwischenzeit haben die Schalker ihre Sieglos-Serie von 30 Partien durch ein 4:0 gegen 1899 Hoffenheim beendet und am vergangenen Wochenende einen Punkt beim 1:1 in Bremen geholt. Darüber hinaus ist es am Mittwoch ein Pokalspiel - und da kann bekanntlich "vieles passieren", weiß Schmadtke. "Daher ist es wichtig, dass wir konzentriert und gut vorbereitet in dieses Spiel gehen."