27. Juni 2020 / 12:30 Uhr

VfLerin Popp im Interview: „Wahrscheinlich werde ich zwischendurch in den Pool springen“

VfLerin Popp im Interview: „Wahrscheinlich werde ich zwischendurch in den Pool springen“

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Im Interview: VfLerin Alexandra Popp spricht über die Corona-Krise und die bevorstehenden Aufgaben.
Im Interview: VfLerin Alexandra Popp spricht über die Corona-Krise und die bevorstehenden Aufgaben. © Getty Images
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Vor dem letzten Spieltag in der Frauenfußball-Bundesliga am Sonntag gegen Bayer Leverkusen spricht VfL-Kapitänin Alexandra Popp über die ungewohnt lange Spielzeit, die noch ausstehenden Aufgaben und ihre inzwischen acht Jahre in Wolfsburg.

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Frauenfußball-Bundesligist VfL Wolfsburg steht bereits als alter neuer deutscher Meister fest, zwei Spiele muss das Team aber vor dem Urlaub noch bestreiten. Am Sonntag (14 Uhr) gastiert Bayer Leverkusen im AOK-Stadion, am Samstag darauf (16.45 Uhr) steigt das Pokalfinale in Köln gegen die SGS Essen. Vor dem Endspurt spricht AZ/WAZ-Mitarbeiterin Jasmina Schweimler mit Nationalspielerin Alexandra Popp über die Corona-Krise im Profigeschäft, das bevorstehende Champions-League-Turnier und Top-Neuzugang Lena Oberdorf.

Frau Popp, herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Meisterschaft! Am Sonntag dürfen Sie nach der Partie gegen Bayer Leverkusen erstmals als Kapitänin die Schale entgegennehmen, aufgrund der Corona-Pandemie werden die Feierlichkeiten aber anders aussehen. Wie groß ist die Vorfreude?

Die Vorfreude ist trotzdem groß und wir freuen uns einfach auf den Moment, wenn wir die Schale wieder in den Händen halten dürfen. Aber natürlich wollen wir das mit einem guten Ergebnis abrunden. 

Welchen Stellenwert hat dieser Titel denn in Zeiten von Corona?

Ich denke schon, dass sich diese Meisterschaft und Saison irgendwie in den Geschichtsbüchern wiederfinden wird. Aber grundsätzlich hat es die gleiche Bedeutung wie in den letzten Jahren auch. Man kann aber sagen, dass es diese Saison aufgrund von Corona gefühlt etwas schwieriger war.

Inwiefern?

Man hatte so eine lange Pause, wusste nicht, ob und wie es weitergeht. Man musste sich mental und auch körperlich immer wieder fit halten, was natürlich auch sehr an den Kräften zehrt. Aber grundsätzlich hat die Meisterschaft keine höhere Bedeutung als die letzten Titel.

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Abschied vom VfL: Nilla Fischer mit Sohn vor dem Spiel ©

Sie sind vorzeitig und mit einem deutlichen Punktevorsprung Meister geworden. Hat die Konkurrenz geschlafen?

Ich denke, dass wir wieder einen nachgelegt haben und qualitativ noch mal besser geworden sind. Wir hatten zwar einige Abgänge zu verkraften, konnten aber ein weiteres Jahr in einer gewissen Grundkonstellation zusammenspielen – das hat man gemerkt. Wir stecken uns automatisch vor der Saison das Ziel, uns wieder weiter zu verbessern. Das haben wir dieses Jahr erneut geschafft, das spricht sehr für die Mannschaft. 

Am 4. Juli steigt das DFB-Pokalfinale gegen Essen. Dann geht’s in den Urlaub, ehe Ende Juli bereits die Saisonvorbereitung beginnt. Wird die freie Zeit ausreichen?

Mein Urlaub war schon geplant, aber der Plan war ohne Corona. Eigentlich wäre ich jetzt im Urlaub. (lacht) Die zweieinhalb Wochen, die wir dann frei haben, werden nicht ausreichen für eine komplette Regeneration, die man nach so einer Saison braucht. Aber wir wissen, was dann mit dem Champions-League-Turnier noch vor der Tür steht.

Das heißt?

Da kannst du auch nicht erst fünf Tage vor Beginn ins Training einsteigen. Da wird jede Spielerin wissen, was zu tun ist, um bestmöglich zu regenerieren, damit wir da vor allem mit einem freien Kopf an die Sache rangehen können. Es ist durchaus eine Herausforderung, die mentale Spannung zu halten. Wenn der Kopf nicht mitspielt, machen die Beine das irgendwann auch nicht mehr. Ich werde mir in meiner freien Zeit nicht viel vornehmen, freue mich aber auf ein paar Tage in meiner Heimat. Wahrscheinlich werde ich einfach nur mit meinem Hund im Garten sitzen und zwischendurch in den Pool springen.

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In der Champions League wird es so sein, dass Spielerinnen, die den Verein verlassen, nicht mehr dabei sind und auch Neuzugänge nicht ran dürfen. Ist die Chancengleichheit da noch gegeben?

Optimal ist das Ganze sicher nicht, aber natürlich freuen wir uns, dass der Titeltraum noch lebt. Es ist schon ungewohnt, denn die Mannschaft wird eine andere sein, und für die Spielerinnen, die gehen, ist es besonders schade. Wir werden als Team erst recht zusammenwachsen und alles daransetzen, auch für die Spielerinnen, die nicht mehr dabei sein können, den Titel zu erkämpfen.

Mit Eintracht Frankfurt startet kommende Saison ein weiterer ernstzunehmender Verein in der Liga. Wie schätzen Sie die nächste Spielzeit ein?

Bei Eintracht Frankfurt kann man natürlich hoffen, dass sie wieder oben rankommen. Ob das jetzt kommende Saison schon klappt, weiß ich nicht, aber in zwei Jahren könnten sie im Konkurrenzkampf anknüpfen. Das wäre im Interesse der ganzen Liga. Auch, dass Hoffenheim oben dranbleibt. Die Bayern haben in den letzten Jahren immer viele Spielerinnen geholt und davon auch viele größere Namen, aber am Ende standen sie trotzdem auf dem zweiten Platz. Die Kunst ist es ja, die Spielerinnen zu einer Mannschaft zu formen.

In Wolfsburg klappte das bisher immer ganz gut.

Wir haben eigentlich nur Führungsspielerinnen in unserem Kader und trotzdem gibt es keine Unruhen. Das Team funktioniert, und das ist am Ende dafür ausschlaggebend, ob man Meister wird oder nicht. Natürlich finde ich es schade, dass uns einige Spielerinnen verlassen, aber das muss man respektieren. Wir haben für die kommende Saison auch gute Namen verpflichtet. Bei uns ist es immer relativ einfach, sich zu integrieren und anzukommen.

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Lena Oberdorf hat schon erzählt, dass Sie sich kennen. Auf was für eine Spielerin können sich die VfL-Fans denn da freuen?

Ich muss gestehen, dass ich in Lena manchmal mich selbst erkenne und wie ich früher so war. Man kann sich da auf einen sehr coolen Typ Mensch freuen. Sie ist sehr ehrgeizig und hat Ziele vor Augen, verliert aber gleichzeitig den Humor nicht. Das spricht definitiv für sie, und ich freue mich sehr, dass sie den Weg nach Wolfsburg geht. 

Mussten Sie Überzeugungsarbeit leisten?

Nein, das brauchte ich nicht. Wir sind zwar in der Nationalmannschaft auf einem Zimmer, aber das ist nicht meine Aufgabe. Das hat sie ganz alleine geschafft und eine schöne Entscheidung getroffen. (lacht)

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Sie sind seit 2012 beim VfL und eine der wenigen Spielerinnen, die alle Titel mit dem VfL gewonnen haben. Ist Ihnen das eigentlich bewusst?

Es macht mich schon stolz, dass ich diese Vereinsgeschichte so mitgehen und ein Teil davon sein darf. 

Hätten Sie damals gedacht, dass sie 2020 immer noch das Trikot des VfL tragen?

Na, warum auch nicht? Ich gehe ja nirgends hin mit dem Gedanken, dass ich in ein paar Jahren wieder weg bin. Da ist man bei mir an der falschen Adresse. Jeder ist anders, und ich kann natürlich auch verstehen, dass Spielerinnen mal vom Ausland träumen oder bei einem bestimmten Verein spielen wollen, aber ich bin eher ein Heimatkind. Ich habe es von hier aus nicht so weit in die Heimat, das Sportliche passt, und ich bin erfolgreich.

Also fühlen Sie sich in Wolfsburg nach wie vor richtig wohl?

Ich habe mich immer wohler gefühlt und habe in den Jahren natürlich auch Freunde in Wolfsburg gefunden. Es gibt mit dem Verein immer wieder neue Herausforderungen. Ich möchte mich auch in Zukunft weiterentwickeln und das kann ich hier sehr gut – sportlich wie persönlich. Man hat in Wolfsburg über die Jahre hinweg immer mehr an den Rahmenbedingungen gearbeitet. Als ich 2012 hierhergekommen bin, waren wir anfangs noch in einer sehr kleinen Kabine am Elsterweg, dann sind wir in Container gewechselt. Jetzt haben wir am Elsterweg unser frisch ausgebautes Funktionsgebäude, das alles toppt. Es ist schön zu sehen, dass der ganze Verein, Volkswagen und die Stadt Wolfsburg voll hinter uns stehen. Es gibt eigentlich nichts Besseres für mich. Bei anderen Vereinen wäre so eine Entwicklung auch wünschenswert.