01. April 2021 / 20:57 Uhr

VfLerinnen Jakabfi und Dickenmann: Ihr bitterer Abschied aus der Champions League

VfLerinnen Jakabfi und Dickenmann: Ihr bitterer Abschied aus der Champions League

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Tränen in Budapest: Zsanett Jakabfi nach dem 0:3 gegen Chelsea.
Tränen in Budapest: Zsanett Jakabfi nach dem 0:3 gegen Chelsea. © dpa
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Mit Zsanett Jakabfi und Lara Dickenmann haben zwei langjährige VfLerinnen am Mittwoch beim 0:3 gegen Chelsea jeweils ihr letztes Champions-League-Spiel überhaupt erlebt. Für die beiden, die ihre Karrieren im Sommer beenden werden, war das ein emotionaler Tag.

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Der zeitliche Vorteil liegt beim VfL Wolfsburg. Während der deutsche Meister sein Champions-League-Spiel in dieser Woche bereits am Mittwoch bestritt, musste der FC Bayern am Donnerstag ran - hat also vor dem großen DFB-Pokal-Halbfinale am Sonntag im AOK-Stadion (14 Uhr, ARD) einen Tag weniger Urlaub. In Sachen Stimmungslage aber ist der FCB klar vorn: Denn die Münchnerinnen kommen mit Rückenwind, gewannen ihr CL-Spiel in Malmö beim FC Rosengard mit 1:0 und zogen nach dem 3:0 im Hinspiel ins Halbfinale ein. Die Wolfsburgerinnen müssen die 0:3-Pleite gegen Chelsea und das Aus in der Königsklasse verarbeiten - und im wahrsten Wortsinn Tränen trocknen.

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Denn die flossen am Mittwochabend in Budapest, auch bei Zsanett Jakabfi und Lara Dickenmann. Denn für die beiden langjährigen VfLerinnen war es das letzte Champions-League-Spiel überhaupt, sie beenden nach dieser Spielzeit ihre Karriere.

Jakabfi kam im Sommer 2009 aus ihrer Heimat vom MTK Budapest FC nach Wolfsburg und fügte sich privat wie sportlich schnell in die Mannschaft ein, lernte Deutsch und schloss beim VfL neben dem Trainings- und Spielbetrieb eine Ausbildung zur Bürokauffrau ab. Jakabfi wird im Juni auf eine einzigartige Karriere voller Erfolge und Titel zurückblicken können, triumphierte zweimal mit dem VfL in der Champions League (2013 und 2014), erzielte in dem Wettbewerb in 36 Spielen 18 Tore. Ein Highlight gab's 2016 ausgerechnet an der Stamford Bridge, als Jakabfi Chelsea im Erstrunden-Duell beim 3:0 mit drei Toren regelrecht im Alleingang abfertigte. Mit acht Toren war sie im selben Jahr neben Vivianne Miedema Torschützen-Königin in der CL.

Die 31-Jährige hat das Wolfsburger Spiel viele Jahre geprägt und ist schon längst ein Aushängeschild des Vereins. "Nach neun Jahren war das mein letztes Champions League Spiel", schrieb die Ungarin nach Abpfiff auf Instagram. Gegen Chelsea wurde die Offensivspielerin in der 75. Minute eingewechselt. Das Ergebnis, so Jakabfi "ist einfach enttäuschend und schmerzhaft. Jetzt können wir kurz traurig sein, richten dann unsere Köpfe aber wieder nach oben." Wolfsburgs Kapitänin Alexandra Popp kommentierte: "Wir sind stolz auf dich!" und versah den Beitrag mit dem Hashtag "#crewlove".

Das CL-Aus des VfL - Die Bilder

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VfL Wolfsburg - LFC Chelsea ©

Auch VfL-Teamkollegin Lara Dickenmann wird im Sommer ihre Fußball-Schuhe an den Nagel hängen. Ihre letzten Spielminuten in der Königsklasse sammelte sie dabei schon Anfang Dezember gegen Subotica. "Ich werde die Champions League und all die tollen Momente, die ich im Wettbewerb erleben durfte, vermissen", postete auch sie auf Instagram. Im Juli 2015 wechselte die Schweizerin als Führungsspielerin von Olympique Lyon nach Wolfsburg, mit den Französinnen gewann sie 2011 und 2012 die CL-Trophäe. Mit den Niedersachsen schaffte sie den Triumph nicht, war auf und neben dem Platz aufgrund ihrer enormen Erfahrung aber unverzichtbar.

Neben Jakabfi und Dickenmann absolvierten auch VfL-Urgestein Lena Goeßling, Fridolina Rolfö, Ingrid Engen und Friederike Abt ihre letzte Champions-League-Saison im Wolfsburger Dress. Alle werden den Verein verlassen - wohin es sie zieht, ist noch offen.

Popp: "Wechselbad der Gefühle"

Eine, die nächste Saison aber noch da ist, ist Kapitänin Popp. Nach dem 0:3 am Mittwoch gegen den FC Chelsea war die Spielführerin selbstkritisch. "Wir müssen uns einfach an die eigene Nase fassen", so die Allrounderin bei Wölfe TV. Chelsea habe "aus vielleicht vier Chancen drei Tore gemacht, das spricht für ihre Effizienz. Wir haben viele zweite Bälle nicht gewonnen, waren in einigen Zweikämpfen nicht präsent genug und hatten nicht dieselbe Körpersprache wie letzte Woche." Es sei, so Popp, "in dieser Saison ein bisschen ein Wechselbad der Gefühle. Wir haben mal gute und mal weniger gute Spiele, aber diese zwei Spiele haben schon gezeigt, auf was für einem Niveau wir uns befinden. Das ist halt schade, dass wir das bisher nicht immer auf den Platz gebracht haben."

Viel Zeit zum Grübeln bleibt jedoch nicht, bereits am Ostersonntag steht der Pokal-Kracher an, für den VfL ist es nicht weniger als DAS Highlight-Spiel der Saison. Dort kann Wolfsburg die Münchnerinnen ärgern, in der Liga (fünf Punkte Rückstand) wird das eher nicht gelingen. Popp ist sich sicher: "Das Ausscheiden in der Champions League wird die Mannschaft noch mehr motivieren, um im Pokal und in der Liga alles reinzuhauen, was geht."