30. Juli 2020 / 08:26 Uhr

"Enorme Herausforderung": VfR 06 Döhren muss sich Bundesliga-Mannschaft basteln

"Enorme Herausforderung": VfR 06 Döhren muss sich Bundesliga-Mannschaft basteln

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Döhrens Rugby-Spieler packen weiterhin in der 1. Bundesliga zu.
Döhrens Rugby-Spieler packen weiterhin in der 1. Bundesliga zu. © privat
Anzeige

Der VfR 06 Döhren darf nach der Auflösung der Spielgemeinschaft mit dem SV Odin weiter in der Bundesliga spielen. Die Freude darüber ist groß, doch jetzt muss Trainer Daniel Kerr in Windeseile eine taugliche Mannschaft zusammenstellen. Ziel in der neuen Saison kann nur der Klassenerhalt sein.

Anzeige
Anzeige

„Es fühlt sich an wie der Gewinn eines großen Pokals. Wir sind happy.“ Für Stefan Dörner, Vorsitzender des Vereins für Rasenspiele Döhren von 1906, bleibt aber kaum Zeit zu feiern. Nachdem der VfR 06 die Bundesliga-Lizenz vor dem Schiedsgericht des DRV in Berufung erstritten hat, bleibt nun jede Menge zu tun. Es gilt schnell eine Mannschaft auf die Beine zu stellen, die in der 1. Liga bestehen kann. „Es ist eine enorme Herausforderung. Aber die große, rote Familie rückt jetzt enger zusammen, das ist schon zu spüren“, sagt Michael Bukowski, zweiter Vorsitzender.

Odin akzeptiert - und kommentiert nicht

Nach der Beendigung der Spielgemeinschaft mit dem SV Odin hätte der Ex-Partner zustimmen müssen, dass der VfR den Bundesliga-Startplatz behält. Das besagt die Spielordnung. Odin verweigerte diese Zusage, Döhren erhielt die Zulassung daher zunächst nicht und hätte wie Odin unterhalb der Bundesliga neu beginnen müssen. Entscheidend sei jedoch die Li­zenz­ord­nung, darauf beruft sich das DRV-Schiedsgericht. Und in dieser sei die Trennung einer SG nicht ausdrücklich geregelt.

„Wir akzeptieren das Urteil und kommentieren es nicht. Für die VfR-Spieler freut es mich“, sagt Odins Rugby-Spartenleiter Julian de Riva. Eine wichtige und bemerkenswerte Auflage des Schiedsgerichtes: Odins Spieler und Trainer dürfen bis Ende der neuen Saison nicht vom VfR aufgenommen werden – andernfalls droht Punktabzug oder gar der Lizenzentzug.

Mehr Berichte aus der Region

Döhren will nun schnell neue Spieler verpflichten, dabei dürften die sehr guten Kontakte des nordirischen Trainers Daniel Kerr helfen. „Wir brauchen 25 bis 30 Mann für die Bundesliga, das ist klar“, sagt Bukowski. Zwar hat zuletzt Siebener-Nationalspieler Felix Eilers (Hannover 78) den VfR verlassen, das Gerüst des Teams aber steht.

"Trainer hat sofort zum Telefonhörer gegriffen"

Die Wechselfrist endet jedoch bereits am 31. Juli – dass der Schiedsspruch so spät kam, etwa sieben Wochen nach dem Einspruch des VfR, macht es den Döhrenern nicht leichter. „Unser Trainer hat sofort zum Telefonhörer gegriffen, als das Urteil kam“, so Bukowski.

In den nächsten Tagen hofft der VfR also auf Neuzugänge. „Ziel in der nächsten Saison wird ohnehin nur der Klassenerhalt sein, mehr auf keinen Fall. Das wird ein hartes Stück Arbeit“, betont Bukowski. Beim coronabedingten Abbruch der vergangenen Saison stand die SG in der 1. Liga sieglos auf dem Abstiegsplatz. Denkbar wäre gewesen, dass der VfR freiwillig in die 2. Liga geht und dem FC St. Pauli den Platz im Oberhaus überlässt. „Das kommt aber nicht infrage“, sagt Bukowski, „wir ha­ben die Lizenz und gehen das jetzt an.“

DURCHKLICKEN: Die Bilder zur Rugby-Partie

Der RCL gewinnt das Heimspiel gegen die Gäste aus Hannover mit 45:19. Zur Galerie
Der RCL gewinnt das Heimspiel gegen die Gäste aus Hannover mit 45:19. ©

Für DRV-Präsident Harald Hees ist damit ein leidiges Thema vom Tisch, er hatte sich selbst vergeblich in die Vermittlung zwischen beiden Vereinen eingeschaltet. „Wir wollten ja ohnehin keinen Verein sanktionieren und damit schwächen“, sagt Hees. Er gönne den Döhrenern die Bundesliga und wünsche Odin gutes Gelingen beim Neuaufbau. „Bei Döhren spürt man den Drive nach vorne, die wollten unbedingt in der Bundesliga bleiben“, so Hees, und das sei gut.

Für die Zukunft allerdings müsse bei Spielgemeinschaften eindeutig auch deren Ende rechtlich vertraglich fixiert sein, unterstreicht Hees: „Damit nicht wieder so viele Menschen so viel Zeit vergeuden, um die Sache dann zu regeln.“