29. April 2020 / 15:27 Uhr

VfR Evesen verpflichtet Qendrim Krasniqi, Jonas Abram und Patrick Wehmeyer

VfR Evesen verpflichtet Qendrim Krasniqi, Jonas Abram und Patrick Wehmeyer

Jörg Bressem
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
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Wilfried Krömker (links) und Peter Möse präsentieren ihre Neuzugänge. © Jörg Bressem
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Der Fußball ruht, der VfR Evesen bleibt weiter am Ball. Er präsentierte am Dienstag seine Liste der Neuverpflichtungen zur neuen Saison - wann und in welcher Liga sie auch immer beginnt.

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Dass Bennett Heine von Preußen Espelkamp und Andrè Fuchs nach acht Jahren bei RW Maaslingen zum VfR Evesen übertreten, war bekannt. Auch über den Wechsel von Jonas Abram vom VfL Bückeburg wurde hinter den Kulissen schon seit einiger Zeit spekuliert. Er fand auf Wunsch des Spielers statt und wurde jetzt offiziell bestätigt.

Özel möchte kürzertreten

Mit dem neuen Torwart Patrick Wehmeyer vom Bezirksligisten FT Dützen holt der VfR Evesen außerdem einen Nachfolger für Hüseyin Özel, der sich zuletzt gut entwickelte, jetzt aber kürzertreten will. „Wir mussten handeln“, erklärt Manager Peter Möse die Neuverpflichtung.

Krasniqi folgt dem Lockruf

Als echte Sensation muss der Wechsel von Qendrim Krasniqi eingestuft werden. Der Rintelner Edeltechniker spielt ebenfalls bei RW Maaslingen, war zwischenzeitlich als Neuzugang beim Regionalligisten SV Rödinghausen im Gespräch, kommt nun aber zum VfR Evesen. „Wir sind froh, dass ein Talent wie er bei uns zugesagt hat“, sagt Präsident Wilfried Krömker.

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Der Sportbuzzer Schaumburg nutzte das Gespräch mit der Vereinsspitze des VfR Evesen für ein Interview.

Falls die Saison annulliert wird und es weder Absteiger noch Aufsteiger gibt, würde sich der VfR Evesen als souveräner Tabellenführer dann betrogen fühlen?
Krömker: Wir würden damit leben müssen. Ich würde es vor allem für die Mannschaft bedauern, die viel Fleiß investiert hat, um wochenlang an der Spitze zu stehen und dem Aufstieg so nahe zu kommen. Aber egal, was jetzt entschieden wird: Eine hundertprozentige Gerechtigkeit wird es nicht geben.
Möse: Wenn wir bei einem Saisonabbruch über eine Quotenregelung zum Meister und Landesligaaufsteiger erklärt würden, wäre das natürlich schön. Es würde sich aber besser anfühlen, wenn wir nach 30 Spieltagen oben sind und es sportlich geschafft hätten. Die Entscheidungen sind weitreichend. Ich möchte sie nicht treffen.

In der Presse war zu lesen, dass die Sanierung des unbespielbaren B-Platzes als Hybrid-Rasen nun doch gefährdet ist. Wie ist der Sachstand?
Krömker: Dazu möchte ich nur so viel sagen: Die Förderzusage aus Hannover liegt vor, aber die Zahlen, die in der Zeitung zu lesen waren, sind teilweise falsch. Darauf lässt sich keine Willensbildung abstützen. Wir sind deshalb gerade dabei, die Entscheidungsträger für eine sachliche Diskussion mit den Fakten zu versorgen.

Der Jugendleiter des VfL Bückeburg bedauerte in einem Interview, dass die Gespräche mit dem VfR Evesen zu einer Zusammenarbeit in der Nachwuchsförderung aus verschiedensten Gründen gescheitert sind. Wie bewerten Sie das?
Krömker: Ich sehe derzeit bei uns keinen aktuellen Anlass für eine Kooperation. Wir sind in der Jugendarbeit in allen Jahrgängen stabil aufgestellt, haben gute Trainer, es läuft alles. Auch unsere Jugendabteilung sieht keine Probleme, lehnt eine Zusammenarbeit deshalb auch ab. Ich habe das Interview gelesen. In ihm wurde vom VfL Bückeburg der Anspruch untermauert, dass die besten Nachwuchsspieler bei ihm sein müssen. Deshalb wurden uns wohl auch gerade mehrere abgeworben.
Möse: Wir sind für Gespräche aber immer offen. Der VfL Bückeburg sagt, er habe keine Probleme mit uns. Wir auch nicht mit ihm. Wir sehen bei der Kooperation in der Nachwuchsarbeit auch das Vertrauensproblem, dass kurz vor dem Übergang in den Herrenbereich der Kampf um die besten Spieler entbrennt.

In welcher Form trifft einen Verein wie den VfR Evesen die Corona-Pause eigentlich finanziell?
Krömker: Uns fehlen viele Gelder, zum Beispiel die aus den Zuschauereinnahmen oder Sponsorengelder, die an die Austragung der Spiele gebunden sind. Viele Ausgaben laufen aber weiter, übrigens auch die Verbandsabgaben. Auf der Ausgabenseite verzichten derzeit aber auch alle solidarisch auf Geld, die Trainer zum Beispiel. Darauf sind wir sehr stolz.
Möse: Auch bei der 96-Fußballschule, die auf die Zeit vom 12. bis 15. Oktober verlegt werden musste, sind nur wenige Eltern abgesprungen.

Sie sind beide im fortgeschrittenen Alter, aber die wichtigen Motoren des VfR Evesen. Haben Sie keine Angst, dass ohne Sie dem Verein eines Tages die Energie wegbleibt?
Möse: Es ist ja nicht so, dass wir uns als unersetzlich sehen. Im Gegenteil, der Vorstand muss unbedingt verjüngt werden. Einfach ist das aber nicht, und es ist auch kein typisches Problem des VfR Evesen. Ich könnte mir eine Mithilfe im Hintergrund sehr gut vorstellen, zum Beispiel beim aktuellen Vorhaben wie dem Bau des B-Platzes, der einen riesigen Aufwand für einen Ehrenamtlichen darstellt.

Lassen Sie uns noch einen Blick auf den Profifußball werfen. Wir haben den Eindruck, dass er derzeit viele Sympathien einbüßt, weil er politisch Druck macht und Sonderrechte für sich einfordert. Wie sehen Sie das?
Krömker: Es geht allein darum, die Millionen aus dem TV-Geld zu vereinnahmen. Ich möchte wissen, wie man es rechtfertigen will, dass zum Beispiel Restaurants und Gaststätten auf längere Zeit dicht bleiben, dass Menschen in die Insolvenz und Arbeitslosigkeit gehen, dass Spielplätze gesperrt sind, auf der anderen Seite aber eine Kontaktsportart genehmigt wird, um den Zeitvertreib Profi-Fußball zu ermöglichen.
Möse: Allein durch Lobbyarbeit ist auch zu erklären, dass Profifußballer trainieren dürfen, die Amateure aber nicht. Wie soll ich das unserem Nachwuchs erklären? Viele Kinder werden dem Fußball oder anderen Sportarten verloren gehen. Jetzt wird auch deutlich, dass fast alle Proficlubs schon länger weit über ihre Verhältnisse leben - nicht nur in Deutschland.