30. November 2019 / 09:00 Uhr

Insolvenz, Neugründung, 1000 Zuschauer in der Kreisliga – Für den VfR Heilbronn geht's wieder nach oben

Insolvenz, Neugründung, 1000 Zuschauer in der Kreisliga – Für den VfR Heilbronn geht's wieder nach oben

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Neunte Liga im 17.000-Zuschauer-Stadion: Der VfR Heilbronn hat große Pläne.
Neunte Liga im 17.000-Zuschauer-Stadion: Der VfR Heilbronn hat große Pläne. © Verein (Montage)
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Ohne Onur Celik wäre der ehemalige Zweitligist VfR Heilbronn wohl immer noch von der Fußball-Karte verschwunden. Der 41-Jährige befördert den Klub mit ganz viel Glaube, Bereitschaft und Überzeugungskraft in erfolgreiche Zeiten zurück.

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Onur Celik schaltet am 15. März 2018 in den sechsten Gang – und bis heute nicht zurück. Im Eiltempo gründet der heute 41-Jährige den Traditionsklub VfR Heilbronn neu. Der Macher stellt eine starke Mannschaft auf, zieht mit seinem Verein direkt in das Frankenstadion ein, und das Team stürmt nach dem Aufstieg in die Kreisliga wieder an die Spitze. Das langfristige Ziel lautet Regionalliga.

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Neuer Vereinsname erinnert an großen Erfolg

Diese Erfolgsgeschichte ist erstaunlich! Im Jahr 2003 löst sich der ehemalige Zweitligist VfR Heilbronn komplett auf. Die Bestürzung in der 125.000-Einwohner-Stadt ist groß. Die traurige Zeit findet in den nächsten Jahren kein Ende. Erst im März 2018 trifft Celik eine Entscheidung, für die ihm heute viele Leute dankbar sind – der Außendienstmitarbeiter gründet den VfR Heilbronn 96/18. Die 96 steht für das Jahr 1996, als die U19 des Klubs den Junioren-DFB-Pokal gewinnt. Die 18 sucht Celik aufgrund des Jahres der Neugeburt aus. "Ich bin damals mit sehr viel Kritik von anderen Leuten gestartet. Das war für viele Menschen eine Totgeburt. Es hat keiner an das Projekt geglaubt. Aber ich war immer überzeugt davon", sagt der frühere Oberliga-Spieler.

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Ins Heilbronner Frankenstadion zieht wieder Leben ein.
Ins Heilbronner Frankenstadion zieht wieder Leben ein. © VfR Heilbronn
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Ex-Spieler Rüdiger Rehm und Ralf Rangnick

Celik kann sich noch bestens an den großen Vereinserfolg im Jahr 1996 erinnern. Unter anderem mit Rüdiger Rehm, heute Trainer beim Zweitligisten SV Wehen Wiesbaden, holt er als Nachwuchsspieler den DFB-Pokal am 14. Juli – knapp drei Wochen nach Deutschlands EM-Sieg in England. Mit Rehm und auch anderen Ex-Spielern wie beispielsweise Ralf Rangnick stehen einige Heilbronner noch in Kontakt. "Die Leute aus der Oberliga- und Regionalligazeit kennen unsere Strukturen und die Ausrichtung. Einige sind hier jetzt auch Mitglied", erklärt Celik. Aktuell zählt der Klub etwa 200 Mitglieder – viele davon sind selbst noch im Nachwuchs- oder Seniorenbereich sowie in der Alt-Herren-Truppe aktiv. Der Verein lebt wieder.

Zuschauerrekord in der 9. Liga aufgestellt

Das zeigt auch die Zuschauerzahl vom 23. November. Den 4:0-Erfolg gegen den SV Lampoldshausen verfolgen 1009 Besucher. Und das ist ein Rekord in der 9. Liga. Mit einigen Freikarten für soziale Einrichtungen, Schulen und Sponsoren lockt der VfR die Menschen an. Erstmals ist der VIP-Raum geöffnet. Auch die Einwohner kommen so langsam wieder an den Ort zurück, wo in den Jahren 1956/57, 1962/63 sowie 1974/75 Zweitliga-Fußball gelaufen ist. "Die Stadt hat es verdient, dass das Stadion wieder voller ist", betont Celik. 17.284 Zuschauer passen eigentlich rein in das Frankenstadion. Im Durchschnitt kommen aktuell in der Kreisliga knapp 350 Leute. "Wir zahlen an die Stadt eine Miete und dürfen auch die anderen Anlagen auf dem Gelände benutzen. Was noch fehlt, ist Flutlicht", so der Vorsitzende. Das ist aktuell genauso Zukunftsmusik wie die Regionalliga.

Von der vierten bis zur elften Liga: Die Zuschauerrekorde in den Amateurklassen

4. Liga, 07.02.2015: Zum Spiel in der Regionalliga West kamen satte 30.313 Zuschauer. Was zu diesem Zeitpunkt noch ein richtiges Topspiel war, endete für beide Teams bitter - zum Aufstieg reichte es für keinen.   Zur Galerie
4. Liga, 07.02.2015: Zum Spiel in der Regionalliga West kamen satte 30.313 Zuschauer. Was zu diesem Zeitpunkt noch ein richtiges Topspiel war, endete für beide Teams bitter - zum Aufstieg reichte es für keinen.   ©

Der Verein aus dem Norden Baden-Württembergs nimmt sich einen Klub aus Norddeutschland als Vorbild – Atlas Delmenhorst. Am 4. April 2012 gegründet, klopfen die Blau-Gelben siebeneinhalb Jahre später an das Regionalliga-Tor an. Celik tauscht sich oft mit den Vorstandsmitgliedern Bastian Fuhrken (2. Vorsitzender) und Tammo Renken (Verwaltung, Verträge, Versicherungen) aus. In der Hoffnung, dass sein Klub in ein paar Spielzeiten eine ähnliche Rolle einnimmt. „Ich kann das hier aber die nächsten zehn Jahre nicht in diesem Tempo weitermachen. Wir sind gerade dabei und werden uns im Vorstand umstrukturieren. Ich muss meine Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen“, spricht der zweifache Familienvater über die nächsten Pläne.

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF berichtet regelmäßig über Probleme bei Amateurvereinen. Hier eine Auswahl an Klubs, die davon profitiert haben:

<strong>Suchsdorfer SV (Schleswig-Holstein):</strong> Die C-Jugend des Suchsdorfer SV hatte gleich doppeltes Glück. Im Zuge des Abschieds von Rafael van der Vaart im Hamburger Volksparkstadion durfte das Team das Pre-Game gegen Damian van der Vaart und seine Mannschaft von Victoria Hamburg spielen. Zusätzlich gab es eine neuen Trikotsatz oben drauf.  Zur Galerie
Suchsdorfer SV (Schleswig-Holstein): Die C-Jugend des Suchsdorfer SV hatte gleich doppeltes Glück. Im Zuge des Abschieds von Rafael van der Vaart im Hamburger Volksparkstadion durfte das Team das Pre-Game gegen Damian van der Vaart und seine Mannschaft von Victoria Hamburg spielen. Zusätzlich gab es eine neuen Trikotsatz oben drauf.  ©

Celik: "Hatten keinen Cent, Spieler, Platz und Vereinsheim"

Die Mannschaft soll gespickt mit Spielern wie Clemens Schlimgen, dem Cousin von Weltmeister Per Mertesacker, weiter Platz eins verteidigen. Der frühere Jugendspieler des VfB Stuttgart ist neben Martin Hess (ein Bundesliga-Einsatz für Eintracht Frankfurt) eine wichtige Stütze. Akteure wie der 46-Jährige Zdenko Juric, ehemaliger Regionalliga-Spieler, treiben das Projekt in Heilbronn weiter voran. "Wir wollen bis zum Ende vorne mitspielen", macht Celik deutlich.

Eine vorsichtige Aussage nach zwölf Siegen in zwölf Spielen. Aber natürlich gut überlegt. Denn zu groß soll der Druck aus der Chefetage auf die Spieler nicht sein. "Wir hatten keinen Cent, Spieler, Platz und Vereinsheim", sagt er Vorsitzende. Wenn man jetzt sieht, was alles da ist, kann man sagen, dass der ehemalige Zweitligist nach dem Neustart schon viel geschafft hat. Und genau in diesem Tempo soll es weitergehen. Ohne richtig auf die Bremse zu treten.

Das sind die #GABFAF-Unterstützer

Profis, Promis, Amateure: Einige der #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. Zur Galerie
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