26. Juli 2018 / 15:03 Uhr

Nach rassistischer Entgleisung: Oberliga-Spieler würgt Linienrichter, Spiel abgebrochen

Nach rassistischer Entgleisung: Oberliga-Spieler würgt Linienrichter, Spiel abgebrochen

Jan-Philipp Wottge
Kieler Nachrichten
Polizeieinsatz beim Kreispokal-Spiel des VfR Neumünster beim TSV Wankendorf.
Polizeieinsatz beim Kreispokal-Spiel des VfR Neumünster beim TSV Wankendorf. © Nitschke/Archiv (Symbolbild)
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Spielabbruch im Halbfinale des Kreispokals Neumünster: Der Schiedsrichterassistent soll zu einem dunkelhäutigen Spieler "Ich bin doch nicht dein Neger" gesagt haben. Dem brannte daraufhin die Sicherung durch.

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Rassistische Wortwahl, Würgegriff, Spielabbruch und Polizeigroßeinsatz: Das Neumünsteraner Kreispokalhalbfinale zwischen dem Landesligisten TSV Wankendorf und dem Oberligisten VfR Neumünster endete in einem handfesten Skandal. Nach 118 Minuten brach Schiedsrichter Florian Janzen den Pokalfight beim Stand von 0:0 ab.

Der Auslöser: Ein VfR-Neuzugang, der erst am Morgen seine Freigabe für Neumünster erhalten hatte, bat den Linienrichter bei sengender Hitze um eine Trinkflasche. Der verwies den Spieler auf eine Flasche an der Mittellinie. Der Spieler trank und soll die Flasche kurz darauf mit den Worten "Besorg mit etwas Ordentliches" zurückgeworfen haben. Daraufhin sagte der Linienrichter offenbar: "Ich bin doch nicht dein Neger."

Der VfR-Spieler ist dunkelhäutig. Die Wortwahl mit rassistischem Duktus ließ bei dem 21-Jährigen die Sicherungen durchbrennen. Er stürzt sich auf den Linienrichter, soll ihn gewürgt haben. Der wehrte sich. Erst VfR-Kapitän Christopher Newe und andere VfR-Akteure konnten die Kampfhähne kurzzeitig trennen.

Rassismus-Debatte im Fußball

Schiedsrichter Janzen brach nach dem tätlichen Angriff das Spiel ab, zeigte dem Spieler die rote Karte. Doch der ließ sich nicht beruhigen, drohte dem Linienrichter. Die verständigte Polizei bat den gastgebenden TSV Wankendorf, bis zu ihrem Eintreffen die Eingänge des Jahnstadions geschlossen zu halten, um alle Zeugen verhören zu können. Knapp 170 Fans harrten vor den Ausgängen aus. Nach langer Wartezeit entließ die Polizei die Wartenden nach Hause. Der Linienrichter soll gegenüber Zeugen nach Spielschluss seine Wortwahl zugegeben haben.

Das Kreispokalspiel hat nun ein juristisches Nachspiel. 48 Stunden nach dem Spielende muss der Schiedsrichterbericht vorliegen. Ob es zu einem Wiederholungsspiel oder einer Spielwertung für den TSV Wankendorf kommt, ist offen.

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VfR-Trainer Jörg Zenker bedauerte am Tag nach dem Spiel den Vorfall: "Unser Spieler hätte anders reagieren können und müssen. Trotzdem darf er natürlich nicht in dieser Weise angesprochen werden. Zumal er schon häufiger laut eigener Aussage Opfer rassistischer Verunglimpfungen war. Wir stehen hinter unserem Spieler. Der TSV Wankendorf hat sich in dieser Situation vorbildlich verhalten und sich zurückgezogen, um nicht Einfluss zu nehmen."

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