05. Mai 2019 / 08:53 Uhr

Videobeweis-Boss Dr. Jochen Drees: „Schiedsrichter sind die ärmsten Schweine“

Videobeweis-Boss Dr. Jochen Drees: „Schiedsrichter sind die ärmsten Schweine“

Angelo Freimuth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Als Projektleiter ist Dr. Jochen Drees für den Videobeweis verantwortlich und verteidigte die Schiedsrichter. 
Als Projektleiter ist Dr. Jochen Drees für den Videobeweis verantwortlich und verteidigte die Schiedsrichter.  © imago images/Martin Hoffmann
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Der Videobeweis sorgte auch am 32. Spieltag für Diskussionsstoff in der Bundesliga. Dr. Jochen Drees, der für die Videoassistenten in Köln verantwortlich ist, weiß um die Probleme, verteidigte aber seine Kollegen mit deutlichen Worten. 

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Wieder einmal sorgten gleich mehrere fragwürdige Entscheidungen der Schiedsrichter am Bundesliga-Samstag für Diskussionsstoff. In München, Berlin oder auch Mönchengladbach gab es strittige Szenen, die den Spielverlauf hätten beeinflussen können. Doch auch die Videoassistenten in Köln konnten vermeintliche Fehlentscheidungen nicht klären. Im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF nahm Dr. Jochen Drees, als Projektleiter für den Videobeweis verantwortlich, die Unparteiischen in Schutz.

Drees: „Wir sind gebunden an die Regel“

„Wir setzen die Vorgaben um. Wenn Fußballexperten damit nicht einverstanden sind, ist das ihr Recht. Die Schiedsrichter sind die ärmsten Schweine“, betonte Drees. Insbesondere Handspiele sorgten in den vergangenen Wochen für Diskussionsstoff. „Wir können in Deutschland nicht einfach sagen: ‚Wir machen unsere eigene Suppe‘. Wir sind gebunden an die Regel, die wir von der FIFA bekommen“, mahnte der Verantwortliche für den Videobeweis.

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Christian Pulisic kann es nicht fassen: Der BVB hat mit dem Unentschieden gegen Werder Bremen die Titel-Hoffnungen verspielt. Der SPORTBUZZER zeigt die Reaktionen der Internationalen Pressestimmen. Zur Galerie
Christian Pulisic kann es nicht fassen: Der BVB hat mit dem Unentschieden gegen Werder Bremen die Titel-Hoffnungen verspielt. Der SPORTBUZZER zeigt die Reaktionen der Internationalen Pressestimmen. ©

Der Weltverband hat festgelegt, dass vor allem die Absicht hinter einem Handspiel entscheidend ist, ob die Situation abgepfiffen wird oder nicht. Doch das sei schwierig zu bewerten, erklärte Drees: „Wie will man nachweisen, ob ein Handspiel absichtlich war? Der Schiedsrichter kann keine Absicht erahnen oder erschnuppern. Sie könnten das Handspiel nur klären, wenn man sagen würde: ‚Hand ist Hand und kein Hand ist kein Hand‘. Aber das würde auch niemanden zufriedenstellen.“

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Denn selten ist ein Handspiel so deutlich wie das von Hertha-Verteidiger Karim Rekik im Spiel gegen den VfB Stuttgart. Allerdings wurde ausgerechnet diese Situation, die in einen Elfmeter für die Schwaben gemündet hätte, nicht abgepfiffen. „Er (Videoassistent Günter Perl, d. Red.) hat es einfach nicht gesehen. Die Situation war so unscheinbar, niemand hat reklamiert. Das darf natürlich nicht passieren. Das war ein menschlicher Fehler“, urteilte Drees, der als „Supervisor“, also als Beobachter, im Einsatz war.

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Der 49-Jährige betonte, dass es selbst beim Videobeweis immer noch Ermessensspielraum und damit Platz für Fehler gebe. Die Einführung technischer Hilfsmittel habe zudem nicht auf Anstoß der DFB-Schiedsrichter stattgefunden. „Das Projekt ist uns auferlegt worden. Nicht auf Wunsch der Schiedsrichter, sondern auf Wunsch der Vereine“, erinnerte Drees, erklärte aber: „Ich habe das Gefühl, dass sich das in die richtige Richtung entwickelt, das ist ein Prozess. Die Erwartungshaltung kann nicht sein: ‚Wir klären jede Situation und wir machen alle richtig'.“

Drees fordert Kommunikation und Transparenz

Mittelfristig soll die Umsetzung der neuen technischen Möglichkeiten verbessert werden. Ein wesentlicher Bestandteil sei die Kommunikation und Transparenz, die laut Drees erhebliches Verbesserungspotenzial habe. Außerdem müsse intern für Schiedsrichter eine „Kategorisierung der Bewertung“ geschaffen werden. Jedoch mahnte der 49-Jährige: „Es wird auch mit den neuen Änderungen nicht streitlos über die Bühne gehen.“