15. Mai 2019 / 20:10 Uhr

Bobic schimpft über Handspiel-Irrsinn beim Videobeweis: „Macht keinen Spaß mehr“

Bobic schimpft über Handspiel-Irrsinn beim Videobeweis: „Macht keinen Spaß mehr“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Handspiel-Wirrwarr, Video-Shows und jede Menge Kritik: Die einst als Besten der Welt gelobten Bundesliga-Schiedsrichter haben ihren guten Ruf in dieser Saison fast verspielt. Fredi Bobic kritisiert vor allem die Auslegung der Handspielregel.
Handspiel-Wirrwarr, Video-Shows und jede Menge Kritik: Die einst als Besten der Welt gelobten Bundesliga-Schiedsrichter haben ihren guten Ruf in dieser Saison fast verspielt. Fredi Bobic kritisiert vor allem die Auslegung der Handspielregel. © dpa / imago images
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Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic zeigt wenig Verständnis für die aktuelle Auslegung des Videobeweises bei Handspielen. Er könne jeden Fan verstehen, der nach Szenen wie im Revierderby zwischen dem BVB und  Schalke 04 die Abschaffung des Videobeweises fordere.

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Fredi Bobic hat sich über die Anwendung des Videobeweises bei Handspiel in der Bundesliga beklagt und vor der neuen Saison Verbesserungen gefordert. „Die Art und Weise, wie er angewendet wird, ist nur noch ärgerlich. Das ist kontraproduktiv und macht gar keinen Spaß mehr“, sagte der Sportvorstand des Europa-League-Halbfinalisten Eintracht Frankfurt im Interview des Kicker.

Zuletzt hatte es immer wieder Ärger um Handspiele gegeben. Das wohl brisanteste Beispiel: Nach dem verlorenen Derby gegen Schalke 04 setzte BVB-Trainer Lucien Favre zu einer Wutrede an und schimpfte über genau dieses Problem. Zuvor hatte Dortmunds Weigl den Ball nach einem Schuss von Embolo aus kürzester Distanz an den Arm bekommen. Schiedsrichter Felix Zwayer zeigte auf den Punkt, nachdem er sich mit dem Videoschiedsrichter beraten hatte.

25 ehemalige Spieler von Eintracht Frankfurt und was aus ihnen wurde

Fjörtoft, Okocha, Boateng & Co. - 25 ehemalige Spieler von Eintracht Frankfurt und was aus ihnen wurde.  Zur Galerie
Fjörtoft, Okocha, Boateng & Co. - 25 ehemalige Spieler von Eintracht Frankfurt und was aus ihnen wurde.  ©
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Szene im Revierderby brachte Handspiel auf die Tagesordnung – Favre: „Ein Skandal!"

„Die Leute, die diese Regel erfunden haben, können nicht in den Spiegel sehen“, motzte Favre im Anschluss und erging sich in düsteren Prognosen. Sie wollen scheinbar, dass die Fußballer ihre Arme abschneiden. Es ist inzwischen das größte Ziel, einem Spieler gegen den Arm zu schießen, weil es gibt Penalty.“ Den Strafstoß für S04 bezeichnete der BVB-Trainer als den größten Skandal im Fußball seit Jahren, eine Schande“ – er wisse gern, wer diese Regel erfunden hat“.

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Auch bei ähnlichen Szenen gab es Unklarheit und – noch schlimmer – sogar Ratlosigkeit, sogar bei den Schiedsrichtern. Zwayer bezeichnete die Schiedsrichter im Anschluss an das Derby als "die ärmsten Schweine", weil er regeltechnisch zwar korrekt entschieden, aber trotzdem keine Gerechtigkeit hergestellt hatte. Zwayer: Wir setzen das Regelwerk um.“

Bobic fordert Regeländerungen für Handspiele

Genau das will Bobic gern verbessern. „Bei Abseitssituationen ist der Videobeweis wie die Torlinientechnologie sehr einfach umzusetzen", betonte Bobic. „Was aber bei Handspielen entschieden wird, ist willkürlich und abenteuerlich. Als Ex-Profi schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen. Man muss eine klare Regel finden, so wie früher: Hand ist Hand, wenn eine klare Absicht vorliegt, dass die Hand zum Ball geht." Dabei gehe es nicht um Modewörter wie um die Vergrößerung der Körperfläche. „Leider befürchte ich, dass es noch chaotischer wird. Dann würde ich den Fan verstehen, wenn er sagt: Ach, schmeißt doch die ganze Technik wieder in die Tonne.“

Rasche Änderungen in der Bundesliga sind allerdings unwahrscheinlich. „Wir können in Deutschland nicht einfach sagen: ‚Wir machen unsere eigene Suppe‘. Wir sind gebunden an die Regel, die wir von der FIFA bekommen“, mahnte der Verantwortliche für den Videobeweis des DFB, Jochen Drees, in der vergangenen Woche im Aktuellen Sportstudio des ZDF.

Videobeweis in Deutschland: Diese strittigen Entscheidungen erhitzten in der Saison 2017/18 die Gemüter

Confed Cup 2017: Im Finale sorgte der Videobeweis im Spiel der deutschen Auswahl gegen Chile für Furore: Obwohl nach dem Ellenbogenschlag von Gonzalo Jara gegen Timo Werner der Videoassistent eingeschaltet wurde, entschied Schiedsricher Milorad Mazic falsch. Er verwarnte Jara nur, anstatt ihn für die Tätlichkeit vom Platz zu stellen. Der SPORTBUZZER zeigt die bisherigen strittigen Videobeweis-Einsätze in Deutschland in dieser Galerie. Zur Galerie
Confed Cup 2017: Im Finale sorgte der Videobeweis im Spiel der deutschen Auswahl gegen Chile für Furore: Obwohl nach dem Ellenbogenschlag von Gonzalo Jara gegen Timo Werner der Videoassistent eingeschaltet wurde, entschied Schiedsricher Milorad Mazic falsch. Er verwarnte Jara nur, anstatt ihn für die Tätlichkeit vom Platz zu stellen. Der SPORTBUZZER zeigt die bisherigen strittigen Videobeweis-Einsätze in Deutschland in dieser Galerie. ©

Schiedsrichter-Chef: Absicht kann man beim Handspiel „nicht erschnuppern

Der Weltverband hat festgelegt, dass vor allem die Absicht hinter einem Handspiel entscheidend ist, ob die Situation abgepfiffen wird oder nicht. Doch das sei schwierig zu bewerten, erklärte Drees: „Wie will man nachweisen, ob ein Handspiel absichtlich war? Der Schiedsrichter kann keine Absicht erahnen oder erschnuppern. Sie könnten das Handspiel nur klären, wenn man sagen würde: ‚Hand ist Hand und kein Hand ist kein Hand‘. Aber das würde auch niemanden zufriedenstellen.“

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