28. März 2018 / 14:18 Uhr

Videobeweis: RB Leipzig ist großer Verlierer im Bundesligavergleich

Videobeweis: RB Leipzig ist großer Verlierer im Bundesligavergleich

Anne Grimm
Leipziger Volkszeitung
19. Februar 2018: Nach Protesten der Frankfurter Spieler lässt Felix Zwayer die Szene beim Videoschiedsrichter in Köln beurteilen. Dort wird der Strafstoß zurückgenommen, weil Sabitzer vor dem Foul beim Pass von Konrad Laimer im Abseits gestanden haben soll.
19. Februar 2018: Nach Protesten der Frankfurter Spieler lässt Felix Zwayer die Szene beim Videoschiedsrichter in Köln beurteilen. Dort wird der Strafstoß zurückgenommen, weil Sabitzer vor dem Foul beim Pass von Konrad Laimer im Abseits gestanden haben soll. © 2018 Getty Images
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Sechsmal wurden Entscheidungen des Schiedsrichters bei Spielen von RB Leipzig in dieser Saison nach dem Einsatz des Videoassistenten geändert – jedes Mal zum Nachteil des Hasenhüttl-Teams. So oft traf es kein anderes Team in der Bundesliga.  

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Leipzig. „In den Spielen, wo wir ihn gebraucht hätten, war keiner da. Wenn wir ihn nicht gebraucht haben, war er da“, hatte RB Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl in dieser Saison über den Videobeweis gesagt. Zu oft war der Österreicher bisher betroffen, hatte seine Mannschaft nach dem Einsatz des „VAR“ (Video Assistant Referee) als Verlierer dagestanden. Sechsmal wurden Entscheidungen bei RB-Spielen nach dem Eingreifen des Videoassistenten in Köln revidiert – in allen sechs Fällen zum Nachteil des Hasenhüttl-Teams. Im Bundesligavergleich belegen die Leipziger damit den letzten Platz. Erster ist der VfB Stuttgart, zehn von elf Schiedsrichterentscheidungen wurden nach dem Einsatz des VAR zugunsten des Aufsteigers geändert.

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RB Leipzig und der Videobeweis: Bisher ist es eher eine Geschichte voller Missverständnisse. Zur Galerie
RB Leipzig und der Videobeweis: Bisher ist es eher eine Geschichte voller Missverständnisse. ©

Eins der größten Probleme des Videobeweises bleibt: In Köln gibt es für die Bewertung von Abseitsentscheidungen keine kalibrierten Linien am Bildschirm der Schiedsrichter. Knackpunkt Nummer zwei: Laut Regelwerk soll der Videoassistent nur bei klaren Fehlentscheidungen hinzugezogen werden. Am Beispiel RB Leipzig wird deutlich: Das funktioniert nicht immer.

So wie etwa im Heimspiel (2:2) gegen Mainz. Der Ausgleich der Gäste zum 1:1 folgte nach einer Entscheidung, die der Videoschiedsrichter gar nicht beeinflussen darf. Denn nach einem Foul vorm Strafraum, das zunächst nicht geahndet wurde, bekamen die Gäste nach einem Hinweis aus Köln einen Freistoß. Der VAR darf aber nur bei Toren, Elfmetern, Roten Karten sowie Spielerverwechslungen eingreifen.

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Zu Beginn der Spielzeit ließ sich RB in drei Fällen gegen Freiburg (4:1), Hamburg (2:0) sowie Dortmund (3:2) nicht davon beeindrucken, dass der Schiedsrichter sein Urteil mithilfe des Videoassistenten zum Nachteil der Rasenballer revidierte. Beim Hinspiel in München hingegen verloren die Leipziger nach der frühen Roten Karte gegen Willi Orban in der 13. Minute mit 0:3. Zunächst entschied Schiedsrichter Daniel Siebert nach dem Foul des RB-Verteidigers an Arjen Robben auf Freistoß. Beim Blick auf den Monitor stand fest: Es war eine Notbremse.

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Bei der 1:2-Niederlage in Frankfurt wurden die Leipziger eines Elfmeters beraubt. Nach einer halben Stunde zeigte der Unparteiische Felix Zwayer auf den Punkt, weil Marcel Sabitzer im Zweikampf mit dem Ex-Leipziger Ante Rebic zu Boden ging. Der Videoassistent schaltete sich ein. „Ich bin ziemlich ausgerastet, nachdem der Elfmeter nicht gegeben wurde. Wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, dass es der dritte der Saison war, der uns als klare Fehlentscheidung zurückgenommen wurde“, sagte Hasenhüttl damals. Der Grund: Eine nicht eindeutig erkennbare Abseitsstellung.

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RB Leipzig hätte ohne den Videobeweis in dieser Saison zwei Punkte mehr auf dem Konto und stände auf Champions-League-Platz vier – in der Annahme, die Spiele wäre nach dem VAR-Urteil genauso verlaufen, als wenn es die Entscheidung nicht gegeben hätte. Der nächste Gegner Hannover 96 (Samstag, 15.30 Uhr) befände sich nach dieser Rechnung hingegen mit vier Punkten weniger, also nur 28 Zählern, mitten im Abstiegskampf.

Hasenhüttl hatte dafür plädiert, eine Challenge wie beim Tennis einzuführen, bei dem jede Mannschaft pro Spiel eine festgelegte Anzahl an Möglichkeiten hat, Entscheidungen des Referees überprüfen zu lassen. „Ich glaube, dass man die Schiedsrichter am besten schützen könnte, in dem sie nicht selber entscheiden müssten, wann man den Videobeweis einsetzt und wann nicht“, sagte der Österreicher.

Die Daten wurden vom Sportwettenportal sportwett.bild.de gesammelt und zur Verfügung gestellt.