16. Dezember 2020 / 12:23 Uhr

Nach Videokonferenz mit dem FLB: Realismus, viele Fragezeichen und lobende Worte

Nach Videokonferenz mit dem FLB: Realismus, viele Fragezeichen und lobende Worte

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Teltower FV - SG Michendorf, Landesklasse West,  8. Spieltag, Saison 20/21, Teltow, 24.10.2020, Foto: Benjamin Feller
Nils Klostermann (l.) und sein Teltower FV führen aktuell die Tabelle der Landesklasse West an. © Benjamin Feller
Anzeige

Brandenburgs Fußballer gehen nicht von einer schnellen Wiederaufnahme des Spielbetriebs aus – verschiedene Varianten bei Videokonferenzen diskutiert.

Anzeige

Nach Brandenburg- und Landesliga trafen sich am Montagabend auch die Verantwortlichen der Mannschaften aus der Landesklasse West zu einer vom Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) organisierten Videokonferenz. Dabei ging es im Beisein von Staffelleiter Bernd Warminski, Präsident Jens Kaden, Oliver Giese (Spielbetrieb Herren) und Ingo Widiger (stellvertretender Vorsitzender Spielausschuss) darum, wie die seit Anfang November unterbrochene Spielzeit 2020/21 fortgesetzt werden könnte. „Das war eine richtig ordentlich strukturierte Veranstaltung“, befand Marco Fritz im Nachgang. „Dass beim Austausch mit den Vereinen vom Landesverband so viele Vertreter präsent waren, zeigt in meinen Augen eine gewisse Wertschätzung der Vereine“, sagt der Co-Trainer des ungeschlagenen Tabellenführers Teltower FV, der in zehn absolvierten Spielen 28 Zähler sammelte.

Anzeige

Vom Verband wurden drei Möglichkeiten aufgezeigt, wie der Spielbetrieb im Fall der behördlichen Genehmigungen weitergehen könnte. Variante eins, bei der die Saison nach einer kurzen Vorbereitungszeit gleich im Februar wieder aufgenommen und anschließend ohne Pause und mit einigen englischen Wochen durchgespielt werden soll, scheint nach dem verhängten Lockdown bis zum 10. Januar inzwischen komplett unrealistisch. Bei Variante zwei würde die Hinrunde zu Ende gespielt werden und sich daran jeweils eine einfache Runde der ersten neun Teams um den Aufstieg sowie der hinteren acht Mannschaften um den Klassenerhalt anschließen. Variante drei sei es, nur eine einfache Runde zu spielen und dadurch den Aufsteiger und die Absteiger zu ermitteln. Für diese hätten sich unter den teilnehmenden Landesklasse-Teams bis auf Tabellenschlusslicht Langener SV alle Teams ausgesprochen. Das Team aus Ostprignitz-Ruppin habe für Variante zwei gestimmt.

In Bildern: Das sind die ungeschlagenen Brandenburger Teams in der Saison 2020/21

Das sind die ungeschlagenen Brandenburger Teams in der Saison 2020/21. Zur Galerie
Das sind die ungeschlagenen Brandenburger Teams in der Saison 2020/21. ©

Bis zum 23. Dezember sollen die Vereine jetzt schriftlich zu den vorgestellten Varianten Stellung beziehen oder Alternativvorschläge unterbreiten. Einen solchen hat Golms Trainer Robert Stielow bei seinem Redebeitrag vorgestellt. In einem Play-off-Turnier könnten die ersten acht Teams zum Beispiel den Meister und Aufsteiger ausspielen. „Der Erste würde dabei zunächst gegen den Achten, der Zweite gegen den Siebten und so weiter antreten“, erläutert Stielow, dessen Mannschaft zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs Tabellenrang sechs belegt, den Modus ab einem Viertelfinale. „So hätte man zumindest noch einen sportlichen Anreiz. Ob als einfache Runde auf neutralem Platz oder mit Hin- und Rückspiel könnte man dann in Abhängigkeit davon entscheiden, wann es wieder losgeht. Dass das keine Variante ist, die jedem passt, ist mir aber auch klar.“

Janko Müller, zusammen mit Mathias Alex Trainer des Golmer Lokalrivalen SG Bornim, bezeichnet diese Variante ebenfalls als sportlich reizvoll. „Aber insgesamt gibt es aktuell eben auch weitaus größere Sorgen, als den weiteren Saisonverlauf in der achthöchsten Spielklasse zu planen.“ Christian Jäger, Sportlicher Leiter des im Tabellenkeller feststeckenden FSV Eintracht Glindow, lobte die vom FLB initiierte Veranstaltung ebenfalls ausdrücklich. „Eine tolle Idee. Aber es ist aktuell natürlich für alle unmöglich, in eine Glaskugel zu gucken. Jede Variante hat seine Vor- und Nachteile. Aber selbst wenn es Anfang Januar zu Lockerungen kommen sollte, wird der Amateurfußball bei der Politik sicher nicht ganz oben auf der Agenda stehen.“

SVB-Reserve punktloses Tabellenschlusslicht

Ähnlich sieht es Klaus-Dieter Bartsch. „Natürlich hoffen wir alle, dass wir unseren geliebten Fußball so schnell wie möglich wieder nachgehen können“, führt der Vorsitzende des Brandenburgligisten Werderaner FC an. „Aber man muss eben auch Realist sein. Selbst wenn die Saison gar nicht mehr aufgenommen und annulliert werden müsste, ist es eben so. Es wird für alle Vereine schwer genug, diese Zeit überhaupt zu überstehen.“ Den Austausch mit den anderen Vereinen empfand er als „sehr angenehm“. Sehr viele Clubs würden das Spielen einer einfachen Runde als realistischste und fairste Variant ansehen.

Sollte es dazu kommen, wird der Kampf um den Klassenerhalt für die Landesliga-Kicker des SV Babelsberg 03 II nicht leichter. Nach sieben Begegnungen steht die Mannschaft von Trainer Thomas Schulz mit null Punkten und zwei erzielten Toren auf dem letzten Tabellenplatz. „Unsere Lage ist so oder so schwierig“, weiß der Coach. Im Fall der Fälle, dass der Spielbetrieb Ende Februar oder Anfang März wieder aufgenommen werden könnte, kann er sich die Variante vorstellen, dass man die Hinrunde zu Ende spielt und die Tabelle anschließend teilt. „Danach würde man gegen die Mannschaften aus seiner Hälfte die Spiele so absolvieren, wie sie in der Rückrunde angesetzt sind. Aber es gibt im Moment so viele Fragezeichen. Wer weiß da jetzt schon, was realistisch ist und was nicht.“ Wünschen würde er sich vom Landesverband verschiedene Zeitfenster, damit die Vereine so gut es geht Planungssicherheit haben. Dass man also vorgibt, welches Szenario bei welchem behördlich zugelassenen Einstieg in das Mannschaftstraining greifen würde.