09. Januar 2022 / 18:43 Uhr

Viele Grizzlys bald aus der Corona-Quarantäne raus? Teamarzt ist optimistisch

Viele Grizzlys bald aus der Corona-Quarantäne raus? Teamarzt ist optimistisch

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Corona-Quarantäne am Montag vorbei? Grizzlys-Teamarzt Dr. Axel Gänsslen ist optimistisch, dass das für einige Wolfsburger Profis der Fall sein könnte.
Mittelmäßig optimistisch: Grizzlys-Teamarzt Dr. Axel Gänsslen kann sich vorstellen, dass bereits am Montag die ersten Wolfsburger die Quarantäne verlassen dürfen. © Gero Gerewitz, Grizzlys Wolfsburg
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Eishockey-Vizemeister Grizzlys Wolfsburg spielt nicht, die Mannschaft ist nach einigen positiven PCR-Tests in Quarantäne. Immerhin: Vielleicht kommen am Montag schon die Ersten raus.

Corona bei den Grizzlys Wolfsburg - auch den deutschen Eishockey-Vizemeister hatte es wie schon etliche Teams zuvor am Donnerstag erwischt. Immerhin: Mannschaftsarzt Dr. Axel Gänsslen ist "mittelmäßig optimistisch, dass ein Großteil der Akteure am Montag aus der Quarantäne raus darf". Möglich macht das der Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz vom Freitag, nach dem die Quarantäne für frisch zweitgeimpfte, frisch geboosterte oder vor Kurzem genesene Akteure sofort aufgehoben werden kann. Und: auch die übliche Quarantäne-Zeit für symptomfreie Infizierte kann sich auf sieben Tage verkürzen. Und sich auch die übliche Quarantäne-Zeit für symptomfreie Infizierte auf sieben Tage verkürzen kann. Dass die Landesregierung dem folgt, ist denkbar, letztlich obliegt die Entscheidung dann auch dem Wolfsburger Gesundheitsamt.

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Erst einmal aber wird der Montagnachmittag wichtig: Da gibt es PCR-Tests für alle Grizzlys. Gut wäre, wenn sich die Zahl der positiven Fälle (eine Zahl nennt der Klub nicht) nicht erhöht. Was das alles für die Spielfähigkeit am Wochenende bedeutet, da mag der Teamarzt nicht spekulieren - "das wäre Kaffeesatzleserei zum jetzigen Zeitpunkt". Zumal der kommende Gegner Iserlohn nach 27 Fällen in Team und Staff immer noch in Quarantäne ist.

Ein wenig Training vor dem nächsten Spiel würde auch Sinn ergeben, "sonst wäre das Verletzungsrisiko groß", so der Mediziner. Mit zehn gesunden Feldspielern und einem Torwart müsste eine Mannschaft nach DEL-Regularien antreten. Sicher ist: Die positiven Fälle der Wolfsburger müssen ein Return-to-Play-Programm durchlaufen, sie spielen am kommenden Wochenende auf keinen Fall.


Die Situation "ist schon Wahnsinn", sagt Grizzlys-Angreifer Garrett Festerling, der seit 2007 in Deutschland spielt, mit Mannheim und Hannover mal Meister war und vieles erlebt hat. Aber Corona ist "outstanding". Für die Importspieler ist die Lage immer noch einen Tick schwieriger, der Blick geht immer wieder auch in die Heimat. Der Angreifer (übrigens negativ, wie er sagt) meint: "Im Grunde dürfen wir Profis, die spielen konnten und wohl auch wieder können, glücklich sein, manche Spieler haben wegen der Pandemie ihren Job verloren, viele junge Spieler konnten den nächsten Karriereschritt nicht machen."

Er selbst hat zwei Töchter, sagt mit Blick auf andere Länder: "Wir sind froh, dass sie hier noch in den Kindergarten oder die Schule gehen können, soziale Kontakte sind so wichtig." Er ahnt: "Diese Pandemie erfordert Charakter." Und denkt, "dass die Pandemie den Blick auf das lenkt, was wirklich wichtig ist im Leben, dass man Dinge zu schätzen lernt, die man vorher vielleicht nicht so beachtet hat." Das ist für die Profis natürlich auch ihre Passion, ihr Job. Kriegt die DEL eine vernünftige Saison hin? Festerling: "Das kann ich wirklich nicht sagen. Die Liga muss vielen Interessen gerecht werden. Ich hoffe, dass es klappt. Auch, weil wir eine Mannschaft haben, die sich vor keinem verstecken muss, die den ersten Titel nach Wolfsburg holen kann."

Auch Verteidiger Julian Melchiori (ebenfalls negativ) sagt: "Diese Situation ist momentan ein Teil der Welt. Wir als Grizzlys können glücklich sein, dass wir schon 35 Partien spielen konnten. Ich denke, die DEL handelt das Ganze gut, man macht das Beste aus der Situation."

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Die Corona-Situation im Eishockey-Oberhaus wird derweil immer schlimmer. Nun sind vier Teams nicht spielfähig. Nach München, Iserlohn und Wolfsburg meldete am Samstag auch Bietigheim einen Ausbruch, hat keinen gesunden Torwart mehr. Die Eisbären Berlin isolierten zwei Spieler am Wochenende, konnten aber am Sonntag gegen Nürnberg spielen.

Dass die Saison regulär zu Ende gespielt werden kann, daran mehren sich die Zweifel. Auch die Abstiegsregelung wackelt. Liga-Geschäftsführer Gernot Tricke deutet aber inzwischen an, dass es da Änderungen geben könnte. „Wir werden im Verhandlungsweg versuchen, das Problem zu lösen. Aber wir werden sicher keine Alleingänge machen“, sagte Tripcke der DPA.

Wahrscheinlichstes Szenario: Man verzichtet erneut auf einen Absteiger, spielt in der kommenden Saison mit 16 Teams, sofern Frankfurt als einziges berechtigtes Team auch den Zweitliga-Titel holt. In der DEL wächst verständlicherweise vor allem bei den Teams im Keller die Angst vor dem Abstieg, Iserlohn trennte sich am Wochenende von Chef-Coach Brad Tapper. Die Sauerländer wurden inzwischen schon zum zweiten Mal von Corona gebeutelt. „Die Fairness lässt mittlerweile Federn“, urteilte Iserlohns Sportdirektor Christian Hommel gegenüber der DPA.

Mehr als 30 Partien wurden bislang schon verlegt. Ein Teil der Olympia-Pause wurde schon als Nachhol-Korridor ins Auge gefasst. Tripcke: „Uns gehen die Spieltage aus. Wir können die Mannschaften ja nicht dauerhaft viermal pro Woche spielen lassen.“ Am Freitagabend glaubte Tripcke noch, die vielen Spielabsagen „in den Griff“ zu kriegen. Inzwischen stellte aber auch er eine Verlängerung der Saison oder verkürzte Play-Offs in den Raum.