11. August 2022 / 17:53 Uhr

Viele Stars, wenig Geld – keine Perspektive? Warum beim FC Barcelona absolutes Chaos herrscht

Viele Stars, wenig Geld – keine Perspektive? Warum beim FC Barcelona absolutes Chaos herrscht

Florian Haupt
Beim FC Barcelona um Frenkie de Jong, Robert Lewandowski, Vereinspräsident Joan Laporta und Franck Kessié (v.l.) geht es drunter und drüber.
Beim FC Barcelona um Frenkie de Jong, Robert Lewandowski, Vereinspräsident Joan Laporta und Franck Kessié (v.l.) geht es drunter und drüber. © IMAGO/GEPA pictures, NurPhoto, Pressinphoto (Montage)
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Am Samstag startet der FC Barcelona gegen Rayo Vallecano in die neue Saison – mit welchen Personal ist aber noch völlig offen. Der Klub hat wegen seines Schuldenbergs Probleme Neuzugänge wie Ex-Bayern-Star für den Ligabetrieb anzumelden. Den Katalanen droht vor der Saison ein großes Chaos. 

Drei Dinge scheinen klar vor dem Saisonstart der spanischen Liga. Erstens: Das Auftaktspiel zwischen Osasuna und dem FC Sevilla an diesem Freitag (21 Uhr, DAZN [Anzeige]) kommt bei der Aufmerksamkeit ziemlich weit hinten. Was nicht daran liegt, dass sich, zweitens, Titelverteidiger Real Madrid mit seinem Erfolg im UEFA-Supercup gegen Eintracht Frankfurt erneut als Favorit empfahl. Sondern am FC Barcelona, bei dem es, drittens, zuverlässig drunter und drüber geht.

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So wurde am Donnerstag munter über die bevorstehende Verpflichtung weiterer Spieler wie Außenverteidiger Marcos Alonso (Chelsea) oder Mittelfeldmann Bernardo Silva (Manchester City) spekuliert – obwohl Barça mit Ausgaben von gut 150 Millionen Euro unter anderem für Robert Lewandowski bereits als Shoppingkönig des europäischen Transfermarkts firmiert. Es handelt sich dabei bekanntermaßen um dasselbe Barça, das mit rund 1,3 Millionen Euro verschuldet ist und vorige Saison rund 150 Millionen Euro mehr Gehälter auswies, als es zahlen konnte. Die verschiedenen Optionen zur Begradigung der Buchhaltung liefern daher weiteren Dauerstoff für Debatten.

Laut der Sportzeitung AS stand der Klub am Donnerstag vor der offiziellen Bekanntgabe einer weiteren dieser Transaktionen. Für 24,5 Prozent der Produktionsfirma "Barça Studios" soll der Investmentfonds GDA Luma des Cirque-de-Soleil-Managers Gabriel de Alba, wie schon zuvor die Token-Plattform Socios für den gleichen Anteil, rund 100 Millionen Euro überweisen. Sicher ist sicher.

Dürfen die Barcelona-Neuzugänge am Samstag überhaupt mitmischen?

Nach diversen Anteilsveräußerungen (zuvorderst eines Viertels der TV-Rechte-Einnahmen aus dem Ligabetrieb für die nächsten 25 Jahre im Wert von rund 520 Millionen Euro), sieht Präsident Joan Laporta den Verein "aus dem Krankenhaus entlassen und auf dem Weg der Genesung voranschreiten". Bei Barça fühlt man sich von internationalen Stimmen wie Bayern-Trainer Julian Nagelsmann ("Der einzige Verein, der kein Geld hat, aber jeden Spieler kauft, den er will“) zu Unrecht an den Pranger gestellt, weil man glaubt, die Mittel zur Transferoffensive völlig legal am Finanzmarkt generiert zu haben.

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Denn an diesem Samstag startet Barça zu Hause gegen Rayo Vallecano in die neue Saison, und über allem schwebt die Frage: Dürfen die Neuzugänge überhaupt mitmachen? Lewandowski (45 Millionen Euro aus München), Flügelstürmer Raphinha (58 Millionen Euro von Leeds United) oder Jules Koundé (50 Millionen Euro vom FC Sevilla), aber auch der nach abgelaufenem Kontrakt wieder neu unter Vertrag genommene Ousmane Dembélé waren bis Donnerstagnachmittag immer noch nicht bei der spanischen Liga eingeschrieben.

Im Rahmen ihres Fairplay-Verfahrens fordert diese als Grundlage für die Spielberechtigung eine ausgeglichene Einnahmen-Ausgaben-Bilanz. Dank seiner Anteilsverkäufe sieht Barça dieses Gleichgewicht jetzt wieder als gegeben an. Doch Laporta räumt ein, die Liga könne "andere Interpretationen" haben.

"Wenn wir nur einen einschreiben können, dann ihn“, habe man Lewandowski versprochen, erklärte der Präsident bei der Vorstellung des Stars vor 57.000 Fans letzte Woche. Weiter hinten in der Hackordnung rangieren Mittelfeldstar Frenkie de Jong, der ausdauernd vor die Alternativen Verkauf oder Gehaltsverzicht gestellt wurde (bislang erfolglos), und Neuzugänge wie An­dre­as Christensen und Franck Kessié, die ablösefrei von Chelsea und AC Mailand kamen. Den beiden Profis ist das wohl bewusst. Laut einem Bericht von ESPN ließen sie Klauseln in ihre Verträge einbauen, wonach diese sofort ihre Gültigkeit verlieren, wenn es keine Spielberechtigung gibt. Als Frist soll nicht das Ende der Einschreibefrist (31. August) vereinbart worden sein – sondern das erste Pflichtspiel.

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