27. April 2021 / 13:09 Uhr

Vier Jahre in Zitaten: Julian Nagelsmanns verbaler Weg zum FC Bayern

Vier Jahre in Zitaten: Julian Nagelsmanns verbaler Weg zum FC Bayern

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Julian Nagelsmann 2017 und heute: Wechselgerüchte, vor allem auch um den FC Bayern, begleiteten ihn stets.
Julian Nagelsmann 2017 und heute: Wechselgerüchte, vor allem auch um den FC Bayern, begleiteten ihn stets. © Getty Images
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Der Wechsel von Julian Nagelsmann zum FC Bayern München ist auch eine Geschichte rhetorischer Wendungen. Mehrfach dementierte der Coach von RB Leipzig in der jüngsten Vergangenheit Gespräche, nahm dabei Lena Gercke und die Currywurst zu Hilfe. Wir dokumentieren einige Aussagen zum Thema von 2017 bis zum Stichtag 27. April 2021.

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Leipzig. Und weg ist er. Vier Jahre wollte Julian Nagelsmann bei RB Leipzig bleiben, zwei sind es schließlich geworden. Am Dienstag bestätigte RB Leipzig, was sich seit Sonntagabend immer weiter verdichtet hatte: Der 33-Jährige Coach des Bundesliga-Zweiten wechselt zum 1. Juli zum FC Bayern München. Die Sachsen lassen sich den Abgang des Mannes, auf den sie vor dessen Dienstantritt immerhin ein Jahr lang gewartet hatten, fürstlich bezahlen. Der Rekordmeister bekommt, einmal mehr, was er will: die 1A-Lösung in der Nachfolge von Hansi Flick.

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Vorausgegangen war ein wochenlanges rhetorisches Feuerwerk. Denn spätestens nach einer Bemerkung von Lothar Matthäus bei Sky sowie der Abschiedsankündigung von Flick musste Nagelsmann immer wieder die eine Frage beantworten: Gehen sie zum FC Bayern? Für den Trainer keine neue Situation. Gehen oder bleiben, Verträge, Pläne, Ziele, Wünsche, dazu musste er sich in der Vergangenheit häufig äußern. Wir haben einige seiner Aussagen zusammengetragen, die vor allem eines dokumentieren: Wandel.

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September 2017 (als Trainer der TSG Hoffenheim in einem TV-Interview): "Auch wenn ich irgendwann den FC Bayern nicht trainieren darf, werde ich trotzdem als glücklicher Mensch irgendwann mal zu Grabe gehen. Ich bin sehr, sehr glücklich mit meinem Leben - und der FC Bayern würde mich vielleicht noch ein Stück glücklicher machen. Aber es ist jetzt nicht so, dass mein Lebensglück total vom FC Bayern abhängt."



2018 (zum angekündigten Wechsel nach Leipzig): "Wenn Kovac in München Deutscher Meister wird,werden sie ihn dort nicht auf Händen durch die Stadt tragen. Das ist dort eher der Normalfall. RB Leipzig ist ein Verein,den man noch prägen kann. Das reizt mich."

8. Juli 2019 (bei Dienstantritt in Leipzig): "Es wäre schön, auch mal etwas Blechernes zu holen, etwas aus Metall, Gold oder Silber. Ich will nicht nur Spiele, sondern auch Größeres gewinnen."

25. November 2019 (Bei "Wontorra on Tour" auf Sky): "RB hat an Hoffenheim eine Ablöse für mich bezahlt - das ist kein Geheimnis. Und dann ist es so, dass der Klub sagt, wir gehen eine Klausel mit, oder wir gehen keine Klausel mit. Eine Klausel wäre natürlich eine Garantie, dass du weggehen kannst, wenn was kommt. Aber die habe ich nicht drin. Von daher brauche ich mich damit auch nicht zu befassen."

14. Juni 2020 (nach seinem ersten Jahr in Leipzig): "Ich habe noch drei Jahre Vertrag ohne Ausstiegsklausel. Ich habe unterschrieben, um einen Weg zu beschreiten und mich persönlich weiterzuentwickeln. Ich habe bewusst nicht ins oberste Regal gegriffen bei meinem Wechsel. Vielleicht behauptet jemand, ich zu sein und da ruft dann Chelsea oder Real an. Aber dann telefonieren sie nicht mit mir, sondern mit einem anderen."

7. Januar 2021 (zu einem möglichen Wechsel zum BVB): "Es gibt für niemanden in Leipzig einen Grund, nervös zu werden. Die Situation mit Dortmund ist genauso wie damals in Hoffenheim. Es gibt keine Passung und auch keine Notwendigkeit. Ich habe meine Ziele mit Leipzig."

23. Februar (gegenüber The Telegraph): "Ich habe einen Vertrag bis 2023, also denke ich, dass ich in Leipzig bleiben werde. Ich könnte es mir vorstellen, in die Premier League zu gehen. Ich kann mir vorstellen, meine ganze Karriere als Trainer in der Bundesliga zu verbringen. Es ist cool, Trainer im eigenen Land zu sein. Ich liebe es."

6. März (gegenüber Daily Mail): "Irgendwann könnte es einen Klub geben, der mich anruft. Die großen Premier-League-Klubs werden mich anrufen, wenn ich in Deutschland einen Titel gewinne."

2. April (im Interview mit dem SPORTBUZZER): "Mein Vertrag läuft bis 2023. Den habe ich freiwillig unterschrieben.“

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3. April (gegenüber der Süddeutschen Zeitung): "Natürlich will ich irgendwann ins oberste europäische Regal, weil ich Titel gewinnen und mich beweisen will. Kann sein, dass mal ein interessanter Verein anfragt. Auch dann werde ich nicht den Fokus auf die aktuelle Arbeit verlieren. Und ich akzeptiere die Haltung meines Vertragspartners."

14. April (im Mediengespräch vor dem Spiel gegen Hoffenheim): "Es gab und gibt keine Gespräche. Das gilt natürlich auch für meine Berater. Sie sind nicht autark unterwegs, sondern machen Dinge, die ich vorgebe. Demnach gab es auch da keine Gespräche. Neue Informanten braucht das Land. Ich weiß nicht, woher er die Information hat. Das müsste man Matthäus selbst fragen. Ich habe hier bis 2023 Vertrag, das ist sicher.“

18. April (im Mediengespräch vor dem Spiel in Köln): "Es gibt keinen neuen Stand. Es gibt und gab keine Gespräche und auch kein Angebot. Ich habe mehrfach auf meinen Vertrag hingewiesen und darauf hingewiesen, dass es keine Streitigkeiten gibt. Ich finde es nicht den richtigen Weg, sich als Trainer wichtiger zu machen, als man es eigentlich ist. Ich finde es falsch, sich hinzusetzen und zu sagen, was wäre wenn. Ich kann mich auch nicht hinsetzen und sagen, ich mache morgen mit Lena Gercke Schluss, weil ich noch nie mit der zusammen war. Es war nix und ist nix. Es ist nach wie vor so, dass ich keinen Krieg mit meinem Arbeitgeber anfangen werde.“

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25. April (nach dem 2:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart auf die Frage, nach einem Treffen der Vereinsführung): "Es gibt keine neue Entwicklung. Vielleicht gibt es ja eine neue Currywurst, und sie sind deswegen gerade nicht da."

27. April (Pressemitteilung zum Wechsel nach München): "Leipzig ist etwas Besonderes – und dennoch werde ich gehen. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass mich der Trainerposten beim FC Bayern München reizt und ich diesen Job gerne annehmen würde, wenn sich diese vielleicht einmalige Gelegenheit ergeben sollte. Es ist für mich etwas sehr Spezielles, das Traineramt beim FC Bayern zu übernehmen."