19. Juli 2020 / 18:27 Uhr

Vier Kabinen und viele Pylonen: So lief das erste Fußball-Spiel nach der Corona-Pause

Vier Kabinen und viele Pylonen: So lief das erste Fußball-Spiel nach der Corona-Pause

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Die Pylonen sind Gesetz: Sie markierten am Sonntagnachmittag beim Testspiel zwischen dem VfR Eintracht Nord und dem SV Eischott die Grenze zwischen Zuschauer- und Spieler-Bereich.
Die Pylonen sind Gesetz: Sie markierten am Sonntagnachmittag beim Testspiel zwischen dem VfR Eintracht Nord und dem SV Eischott die Grenze zwischen Zuschauer- und Spieler-Bereich. © Britta Schulze
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Vor 130 Tagen war das letzte Mal ein Fußball auf einem heimischen Sportplatz gerollt. Diese Corona-bedingte Zwangspause hatte nun endlich ein Ende: Der VfR Eintracht Nord (1. Kreisklasse Wolfsburg) und der SV Eischott (1. Kreisklasse Gifhorn 1) machten den Anfang.

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Sonntag, 13.10 Uhr, strahlender Sonnenschein. Ein schriller Pfiff von Schiedsrichter Dennis Bonanno ertönt im Stadion Kreuzheide in Wolfsburg, Gastgeber VfR Eintracht Nord (1. Kreisklasse Wolfsburg) stößt an. Der Gegner: SV Eischott (1. Kreisklasse Gifhorn 1). Ein Testspiel zwischen zwei Teams aus benachbarten Kreisen, mit 5:0 (1:0) für die Gäste ein klares Ergebnis - aber es ist eben noch viel mehr als das. Es ist ein Spiel mit Symbol-Charakter, ein Spiel zurück in Richtung Normalität, es ist das erste Spiel nach der Corona-Zwangs-Pause.

Als das letzte Mal der Ball über einen heimischen Sportplatz rollte, war es ein ungemütlicher Abend, Nieselregen, Wetter für eine dicke Jacke. Doch wer an diesem Sonntagmittag den Sportplatz der Eintracht Nord betrat, merkte, dass der Fußballgott wieder gut gelaunt war. Vielleicht schon zu gut - knapp 30 Grad sind schon fast kein Fußball-Wetter mehr, aber besser als Nieselregen.

42 Zuschauer machten sich auf den Weg zum Kunstrasenplatz auf der Kreuzheide. Ihre persönlichen Daten sind in einer Liste festgehalten und wo sie langlaufen durften, zeigten Pylonen, das Areal um den Platz war ebenfalls mit Hütchen in Zonen für Spieler und Zuschauer unterteilt. "Wir brauchten für den Aufbau rund eine Stunde", sagt Eintracht-Coach Giovanni De Nicolo. Und während des Spiels war es auch die Aufgabe des Gastgebers aufzupassen, ob sich alle an die Regeln halten. Als sich eine Gruppe von Zuschauern mal etwas zu nah kam, gab's prompt die Ermahnung. Duschen durften beide Teams nachher im Stadion - aber nur, wenn lediglich jede zweite Brause benutzt wird. Jede Mannschaft durfte deshalb zwei Kabinen belegen.

Der SV Eischott (1. Kreisklasse Gifhorn) gewann beim VfR Eintracht Nord (1. Kreisklasse Wolfsburg) mit 5:0.

Der SV Eischott (1. Kreisklasse Gifhorn) gewann beim VfR Eintracht Nord (1. Kreisklasse Wolfsburg) mit 5:0. Zur Galerie
Der SV Eischott (1. Kreisklasse Gifhorn) gewann beim VfR Eintracht Nord (1. Kreisklasse Wolfsburg) mit 5:0. © Britta Schulze

Schiri geht das Risiko gerne ein

"Ich bin damit zufrieden, wie die Vorgaben umgesetzt wurden", sagt Wolfsburgs Spiel-Ausschuss-Vorsitzender Bernd Hartwig, der ebenfalls vor Ort war - um Fußball zu schauen, aber natürlich auch, um genau das zu kontrollieren. Am Freitag war noch nicht klar, ob die Partie auch mit einem offiziellen Schiedsrichter angepfiffen werden kann, aber da reagierte der Kreis Wolfsburg am Samstag doch noch kurzfristig. Hartwig erklärt: "Am Freitag gab's genaue Richtlinien vom NFV für die Schiris: Sie sollen nicht die Hygiene-Maßnahmen kontrollieren, sondern nur das Spiel leiten. Das war da noch mal ganz genau formuliert." Die haben die Kreis-Chefs dann direkt an die Wolfsburger Unparteiischen weitergeleitet - und Bonanno wurde als Premieren-Schiri angesetzt.

"Ich bin einfach nur froh, dass es wieder losgeht", sagt der Schiri, der sich auch während der Corona-Pause mit laufen fit gehalten hat. "Fußball ist die schönste Nebenbeschäftigung der Welt. Ich habe mich direkt freiwillig für das Spiel gemeldet, weil ich den Jungs einfach keinen Strich durch die Rechnung machen wollte." Dass das Pfeifen von Spielen in dieser Zeit auch mit einem gewissen Risiko behaftet ist, sei ihm klar. Aber: "Irgendwann müssen wir ja anfangen."

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Das erste Tor!

Und so war es Bonanno, der um 13.44 Uhr in der 34. Minute das erste Tor nach der Corona-Pause gab. Der Torschütze: Eischotts Kapitän Niklas Bruchmann. Ein Tor mit Symbol-Charakter. Oder, Herr Bruchmann? "Für mich war das ein Tor wie jedes andere auch und ein normales Fußball-Spiel", sagt der nur mit einem schelmischen Grinsen, fügt jedoch direkt an, dass es gut sei, zur Normalität zurückzukehren. Klar ist für ihn, Corona-Pause hin oder her: "Man spielt ja auch, um Tore zu schießen."

Und davon hätte der gut aufgelegte und sehr spritzige SV Eischott sogar noch mehr als fünf schießen können. Das Team der Trainer Lukas Heider und Orazio Buzza zeigte zum Teil sehenswerte Angriffe, belohnte sich aber zu selten. Gibt's Torschuss-Training nächste Woche? Heider mit einem Schmunzeln: "Da werden wir wohl was machen." Aber dennoch lobte er: "Für das erste Spiel bin ich sehr zufrieden, man merkte aber, dass der Spielfluss nicht ganz da ist." Auch war er glücklich, zu null gespielt zu haben. Eischott fehlten beide etatmäßigen Keeper, Mario Volpi war Ersatz - hielt aber die Weste weiß.

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Drei Tore in drei Minuten

Bei der Eintracht hingegen war schnell zu sehen, dass das Wetter und wenig Training dem Team ordentlich zusetzten. "Wir waren läuferisch unterlegen, konditionell nicht auf einem Level - dann passt es auch spielerisch nicht", sagt Coach De Nicolo. Das beweisen auch die drei Gegentore in drei Minuten (79. bis 81. Minute). Und Trainer-Kollege Guiseppe Cristallo ergänzt: "Wir hatten wegen einer Geburtstagsfeier viele Absagen. Aber so oder so stand der Spaß im Vordergrund."

Trotzdem zieht De Nicolo ein positives Fazit: "Es sind viele Zuschauer gekommen, gefühlt mehr als sonst." Außerdem hat der Coach auch Mitglieder anderer Vereine unter den Besuchern ausgemacht. "Da waren auch einige da, um zu gucken, wie wir die Maßnahmen umsetzen." Der VfR war an diesem Tag neben dem Platz eindeutig stärker als darauf.