20. August 2021 / 17:51 Uhr

Vierer- statt Dreierkette – sonst läuft in Wipshausen alles wie gewohnt

Vierer- statt Dreierkette – sonst läuft in Wipshausen alles wie gewohnt

Jürgen Hansen
Peiner Allgemeine Zeitung
Wipshausens Felix Böttcher taucht im Testspiel vor Schmedenstedts Torwart Mirko Apostel auf.
Wipshausens Felix Böttcher taucht im Testspiel vor Schmedenstedts Torwart Mirko Apostel auf. © Foto: Ralf Büchler
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Das ist ein hartes Wochenende für die Kicker des TSV Wipshausen (1. Kreisklasse). Sie sind für drei Tage im Trainingslager, haben Sonntagvormittag noch eine Einheit und treten am Nachmittag im Kreispokal an. Der neue Trainer Andreas Laurer ist für die Saison optimistisch.

Seit diesem Sommer hat Andreas Lauer bei den 1. Fußball-Herren des TSV Wipshausen das Sagen. Neuland ist das 1. Kreisklassen-Team für ihn jedoch nicht. Denn in den zurückliegenden beiden Jahren unterstützte er seinen aus dem Amt geschiedenen Vorgänger Jörg Witte als Torwart- beziehungsweise Co-Trainer. Für diese Saison hat sich der 53-Jährige vorgenommen, mit den Seinen oben mitzuspielen.

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„Ich habe eine intakte Mannschaft übernommen. Es gibt keinen Neuanfang. Und großartig verändern werde ich die Abläufe und Aufstellung bei uns nicht“, betont Laurer, der jedoch an einigen Stellschrauben drehen will. „Vorige Saison haben wir zu viele Gegentore kassiert. Daher stelle ich unsere Abwehr um, nehme Positionswechsel vor. Und Jörg bevorzugte hinten die Dreierkette, ich setze auf die Viererkette.“

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Auf seine Spieler hält der Rietzer große Stücke. „Der Charakter stimmt, Es sind alles gute Jungs. Es gibt keine Quertreiber oder Stinkstiefel. Und die Mischung passt – viele junge Spieler, ein paar Routiniers. Unser Altersdurchschnitt liegt bei 25.“

Zudem funktioniere die Zusammenarbeit mit der Zweiten Herren bestens. „Wir trainieren gemeinsam. Bei den ersten Einheiten nach der Corona-Pause waren 30 Leute beim Training. Klar lag das auch daran, dass wieder alle Bock auf Fußball hatten. Aber auch sonst ist die Beteiligung hoch. Es stehen immer rund 20 Mann auf dem Platz. Das ist ein Riesenvorteil, manch andere Trainer müssen oft improvisieren. Ich kann meine zuvor geplanten Übungen durchziehen.“

Eine Übungsleiter-Lizenz besitzt der Geschäftsführer einer Baufirma nicht. „Solch eine Lizenz achte ich als weniger wichtig an. Ich habe acht Jahre Erfahrung als Jugend-Trainer, kriege alles gut hin. Neue Spielformen kann man sich immer wieder aus dem Internet und anderen Medien ziehen.“

Beim Trainingsstart der Wipshäuser im Juni ging es eher locker zu, seit Mitte Juli wird zwei-, dreimal pro Woche „richtig“ trainiert. In den Testspielen gab es unter anderem gegen Kreisligist TuS Bröckel (Kreis Celle) eine knappe 0:1-Niederlage, Kreisligist TSV Meine (Kreis Gifhorn) wurde 5:1 geschlagen.


Dieses Wochenende zieht die Mannschaft in Halberstadt ein dreitägiges Trainingslager durch. Am Abschlusstag werden die Spieler besonders gefordert sein. „Denn Sonntagvormittag habe ich ein Training angesetzt, kurz darauf reisen wir ab und treten dann nachmittags im Kreispokal beim TVJ Abbensen an“, berichtet Laurer, dessen Titelfavorit für die Punktspielserie der TSV Marathon Peine ist. „Und nach meiner Einschätzung werden wir am Ende knapp hinter den Peinern landen.“

Der Kader des TSV Wipshausen

Zugänge: Alexander Müller (SSV Stederdorf).

Abgänge: Sascha Wachs (MTV Egestorf).

Tor: Steffen Ansorge, Mika Laurer.

Abwehr: Felix Böttcher, Sebastian Austen, Till Vollhardt, Alex Müller, Max Wesche, Torben Gust, Lennart Reich, Peter Reinecke.

Mittelfeld: Holger Nowack, Marvin Kleeschätzky, Dominik Laurer, Thilo Trappe, Mika

Dobbert, Melvin Witte.

Angriff: Tim Brennecke, Benjamin Rothe, Hendrik Filbrandt.

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Trainer: Andreas Laurer.

Saisonziel: Oben mitspielen.

Favorit: Marathon Peine.

Jörg Witte: „Das Menschliche werde ich vermissen“

Als Ausnahme-Erscheinung im kurzlebigen Fußball-Geschäft darf man Jörg Witte bezeichnen. Denn solange wie er halten nur wenige Trainer ihrem Verein die Treue. So hatte der 58-Jährige, abgesehen von einer einjährigen Pause, die erste Herrenmannschaft des TSV Wipshausen insgesamt 13 Jahre unter den Fittichen. Vor geraumer Zeit verkündete der Wipshausener seinen Rücktritt, das Amt hat nun der vorherige Co-Trainer Andreas Laurer inne. Im PAZ-Gespräch erläutert Jörg Witte die Gründe des Abschieds sowie seine Pläne für die Zukunft.

Herr Witte, was hat Sie dazu bewogen, als Wipshausens Trainer aufzuhören?

Ich hatte das Gefühl, die Mannschaft braucht neue Impulse durch einen anderen Trainer. Außerdem bin ich seit längerem beruflich stärker eingebunden als zuvor, meine Arbeit ist anspruchsvoller geworden.

Mussten Sie für Ihren Entschluss lange überlegen?

Ja, es war keine Kurzschlussreaktion. Meine Entscheidung ist über die Zeit gereift. Und ich möchte betonen, dass wir im Guten auseinandergegangen sind.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Den Fußball kaum, das Menschliche dafür um so mehr. Und die dritte Halbzeit, den Kabinengeruch, die Sprüche, das gemeinsame Bierchen nach dem Spiel und dem Training – das alles wird mir fehlen.

Wie schneidet die Mannschaft in der kommenden Fußballsaison ab?

Ich hinterlasse eine tolle Truppe, die das Können hat, mit Trainer Andreas Laurer den Aufstieg zu schaffen.

Werden Sie zugucken, wenn Ihre ehemaligen Schützlinge im Einsatz sind?

Nein. Ich werde auch keine andere Mannschaft übernehmen. Jörg Witte sonntags auf dem Fußballplatz wird es nicht mehr geben.

Und was planen Sie, mit der nun gewonnenen Freizeit anzufangen?

Ach, zu tun und zu erleben, gibt es genug. Vor kurzem haben wir uns ein Wohnmobil gekauft, damit werde ich mit meiner Frau am Wochenende Touren machen, Fahrräder nehmen wir auch mit. Außerdem muss unser 1600 Quadratmeter großer Garten in Schuss gehalten werden. Und nicht zuletzt möchte ich Klavier spielen lernen.

Von Jürgen Hansen