05. November 2020 / 14:50 Uhr

Viertliga-Fußball im Bewegtbild: Corona-Pandemie verhilft Livestreams zur Blüte

Viertliga-Fußball im Bewegtbild: Corona-Pandemie verhilft Livestreams zur Blüte

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
Bei der BSG Chemie Leipzig ist der MDR regelmäßig für Live-Übvertragungen zu Gast (hier Reporter Markus Herwig).
Bei der BSG Chemie Leipzig ist der MDR regelmäßig für Live-Übvertragungen zu Gast (hier Reporter Markus Herwig). © imago images / opokupix
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Seit Beginn der Corona-Pandemie kämpft die Regionalliga Nordost gegen Geisterspiele und Zuschauerreduzierungen. Beides ist existenzbedrohend. Damit die Fans ihren Clubs trotzdem beim Kicken zusehen können, gelangen Livestream-Angebote zur Blüte. Der MDR konzentriert sich dabei auf die "Top-Vereine". Zu denen gehören auch die Leipziger Clubs BSG Chemie und 1. FC Lok.

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Leipzig. Wie weiter mit der Regionalliga Nordost? Die Vereine pochen bei der Auslegung der jüngsten Corona-Schutzmaßnahmen auf die Ausnahme-Regeln für den Profisport und wollen „möglichst zeitnah und flächendeckend“ wieder in den Wettkampf- und Spielbetrieb zurückkehren. „Wir werden uns mit einem Schreiben an die zuständigen Sportminister wenden“, erklärte Holger Fuchs, Geschäftsführer des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV), einen Tag nach einer Videokonferenz mit den 20 Clubs, zu denen auch die BSG Chemie, der 1. FC Lok Leipzig und der ZFC Meuselwitz gehören. „Das ist eine Spielklasse mit professionellen Strukturen, 88 Prozent der Akteure sind Vertragsspieler“, sagte Fuchs. Die Mehrzahl der Spieler würden ihren Lebensunterhalt mit Fußball verdienen.

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Livestreams statt Geisterspiele?

Doch selbst wenn die Politik zustimmt - was angesichts der grassierenden Corona-Pandemie alles andere als sicher ist - bleibt für die Regionalligisten ein dickes Problem: Geisterspiele. Die sind für die übergroße Mehrheit der beteiligten Vereine unannehmbar. Denn die Spieltagseinnahmen tragen zu einem Hauptteil den jeweiligen Saisonetat. Ohne Zuschauer in den Stadien wäre das finanzielle Überleben zumindest eines Teils der Clubs akut bedroht. Bereits im Frühjahr - im Zuge des ersten Lockdowns - wurde im NOFV deshalb ein Lösungsansatz diskutiert: Livestreams. Der Saisonabbruch beendete allerdings weitergehende Überlegungen.

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Gelebt wird dieser Ansatz beispielsweise in der Regionalliga West. Dort zählt die vierte Spielklasse zum Profibereich, Spiel- und Trainingsbetrieb sind nicht unterbrochen. Alemannia Aachen bietet eine Live-Übertragung seiner Partien im Stream an. 7,90 Euro pro Spiel werden fällig. Für die 1994 Dauerkartenbesitzer und die Sponsoren ist das Angebot kostenlos. Die anderen Begegnungen der Liga überträgt kostenfrei die Firma Sporttotal TV. Dabei wird eine Kamera an der Mittellinie montiert, die über einen Schwenkkreis von 180 Grad verfügt - eine smarte und wenig personalintensive Variante der Fußballübertragung.

MDR konzentriert sich auf Topvereine

Anders agieren NOFV und Mitteldeutscher Rundfunk (MDR). Der Sender schloss mit dem Verband einen Vertrag über die Live-Rechte aller Spiele für eine symbolische Summe ab. So flimmerten in der aktuellen Saison fast alle im Sendegebiet relevanten Partien über den Bildschirm, kommentiert, versteht sich. Damit ist der MDR "die Nummer 1 in der Ausstrahlung", so Raiko Richter, MDR-Hauptredaktionsleiter Sport, gegenüber dem SPORTBUZZER. Kein anderes drittes Programm bietet eine derartige Fülle von Partien aus der vierten Liga. Der MDR verfügt über vier offene Streaming-Kanäle, die allerdings nicht allein der Fußball-Übertragung vorbehalten sind.


Den Schwerpunkt des Streamings bildeten bisher Auswärtsspiele der "Topvereine" des Sendegebietes. "Topvereine" meint hier die Clubs mit dem stärksten Fanaufkommen. Das waren und sind neben dem 1. FC Lok und der BSG Chemie der FC Carl-Zeiss Jena und der Chemnitzer FC. Richter zufolge wurden die bisherigen Streaming-Angebote "in enger Abstimmung mit den Vereinen" erarbeitet und wurden aufgrund aktueller Veränderungen immer wieder angepasst, wenn sich beispielsweise aufgrund der Pandemie-Entwicklung die Besucherzahlen kurzfristig veränderten.

Auch wenn die Übertragungen den Sender vor laut Richter "große Herausforderungen" stellte, wurde das Angebot bis dato gut angenommen. Die Klickzahlen schwankten zwischen 10.000 bis 40.000 je Stream. Nicht nur die Zahlen, sondern auch die Reaktionen auf das Angebot seien bisher positiv ausgefallen. Letztlich, sagt Raiko Richter, gehe es um die Fans und die Vereine. Man merke deutlich, dass das Interesse am lokalen Sport seit Beginn der Corona-Pandemie gewachsen ist.