16. April 2020 / 18:37 Uhr

Virtuelle Läufe: Rostocker rennen nach Tokio

Virtuelle Läufe: Rostocker rennen nach Tokio

Horst Schreiber
Ostsee-Zeitung
Jana Millat reicht ihrem Vater Andreas Millat mit Corona-Abstand eine Lauferfrischung während der #runalonechallenge an Ostern.
Jana Millat reicht ihrem Vater Andreas Millat mit "Corona-Abstand" eine Lauferfrischung während der #runalonechallenge an Ostern. © Claudia Millat
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Die Athleten des TC Fiko erlaufen Kilometer, um die virtuelle Strecke nach Japan zu meistern. Aktuell boomen Heimläufe mit einem gemeinsamen Ziel.

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Die Läufer des TC Fiko Rostock sind im tiefsten Sibirien angekommen – zumindest virtuell. Denn die Athleten spulen gerade alleine aber irgendwie doch zusammen ordentlich Kilometer ab. Das Ziel: Tokio.

Ende März rief der Triathlon-Club die Herausforderung #laufennachtokyo aus. Jedes Vereinsmitglied ist seitdem aufgerufen, alleine zu joggen. Die gewetzten Kilometer werden von Trainerin Heike Priess zusammengetragen. Regelmäßig gibt sie Updates heraus, wo sich der Klub auf der gedachten Strecke Richtung japanische Hauptstadt befindet. Gemeinsam wollen die Rostocker ihren Vereinskollegen und Olympiahoffnung Tom Gröschel symbolisch zum Ort der Olympischen Spiele begleiten. Mittlerweile haben sie das russische Tschita erreicht – 7000 Kilometer östlich von der Hansestadt entfernt.

Der TC Fiko rief seine Mitglieder auf zum Lauf ans andere Ende der Welt
Der TC Fiko rief seine Mitglieder auf zum Lauf ans andere Ende der Welt © Gero Schreiber

„Die ersten Tage nach Challenge-Start waren die stärksten. Es kamen direkt 200 Kilometer zusammen“, erinnert sich Priess. Rund 90 Athleten sind dabei. Fleißigster Kilometersammler ist Guido Schilke. Der Ultraläufer trug am ersten Wochenende gleich mal 55 Kilometer bei. „Es gibt ein paar positiv Verrückte bei uns“, bestätigt die Koordinatorin. Sogar Rostocks Senator Steffen Bockhahn „spendete“ bereits Kilometer für den TC Fiko.

Während der Osterfeiertage steigerten die Hobbyläufer das Pensum noch einmal. Hierzu riefen landesweit Vereine zur #runalonechallenge auf. Die Teilnehmer stellten sich 3- (Kinder), 5- (walken oder laufen), 10- oder 21,1-Kilometer-Distanzen. Die Lust auf den Sport zuhause scheint in Corona-Zeiten ungebrochen. „Ich erhielt sofort Meldungen: ,Toll, dann kann ich ja alle drei Strecken laufen‘“, sagt Priess.

Auch die Triathlontrainierin hat zum Start der Tokio-Herausforderung wieder ihre Laufschuhe geschnürt. „Wir Trainer sammeln ebenfalls fleißig Kilometer, aber mit unsere Athleten können wir nicht mithalten“, lacht Priess.

Ursprünglich war das Ziel, Tokio bis zum 19. April zu erreichen. „Denn wir hatten gehofft, dass ab dem 20. das Leben wieder in einigermaßen normalen Bahnen läuft“, begründet Priess. Die Hoffnungen wurden durch die anhaltende Coronakrise und neuesten Beschlüsse der Bundesregierung begraben. Und auch die japanische Metropole scheint noch zu weit weg. Es fehlen noch rund 5000 km. „Daher werden wir noch zwei Wochen weiterlaufen, vielleicht dürfen unsere Triathleten auch mal eine Woche lang Radkilometer beisteuern“, verrät Priess.

Auf diesem Wege rennen die Rostocker nach Tokio – rund 12.000 Kilometer!
Auf diesem Wege rennen die Rostocker nach Tokio – rund 12.000 Kilometer! © google maps

Die Idee eines virtuellen Laufes stammt vom SV Turbine Neubrandenburg. Die Laufgruppe startete in Lissabon und läuft quer durch Europa nach Russland. Die LG Schwerin ist nach Schweden unterwegs.

Erste virtuelle Laufveranstaltung ausgebucht

Neben diesen Laufbewegungen fiel Anfang April auch der Startschuss zur wohl ersten virtuellen Laufveranstaltung Deutschlands während der Coronakrise. Eigentlich sollte der „Start in den Frühling“ unter freiem Himmel im Rostocker IGA-Park stattfinden. Nach der Absage drehten die Veranstalter um Roman Klawun von der Agentur Pro Event, die unter anderem den Rostock Citylauf organisiert, den Spieß um. „Wir hatten alle Teilnehmer aufgefordert, die 5 oder 10 Kilometer zuhause zu laufen und uns Beweisfotos zu schicken. Stichdatum war Ostern“, erzählt Klawun.

Das Event wurde ein großer Erfolg. 300 Leute meldeten sich zusätzlich an, Klawun und seine Crew mussten einen Anmeldestopp einrichten. „Wir hatten nur 390 Medaillen parat“, lacht der Organisator, der allen Teilnehmern Plakette und Urkunde zukommen lässt. „Die Urkunden sollen Anerkennung dafür sein, dass sich die Athleten nicht hängen lassen.“

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Klawun staunt über das Ausmaß der virtuellen Laufpremiere. „Der Zuspruch hat uns überrascht! Wir haben viele tolle Mails von Familien aus sieben Bundesländern mit selbstgebastelten Startnummern erhalten. Das zeigt: Die Leute haben, obwohl sie alleine sind, Bock, beim Laufen im Geiste verbunden zu sein.“

Diese Art von Laufveranstaltung findet bereits Nachahmer. Der Paderborner Osterlauf und der Hamburger Marathon haben nach Rostock geschaut und ihre Teilnehmer ebenfalls zum Heimlauf aufgefordert.