17. Januar 2021 / 14:24 Uhr

"So viele Glückgefühle": Garbsenerin Vivian Herrmann erzählt von ersten Schritten beim Judo

"So viele Glückgefühle": Garbsenerin Vivian Herrmann erzählt von ersten Schritten beim Judo

Christian Purbs
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
„Kabbeln und Raufen, das war schon immer mein Ding“: Wenn es bei Wettkämpfen zur Sache geht, fühlt sich Judoka
Vivian Herrmann (rechts) vom Garbsener SC so richtig wohl.
„Kabbeln und Raufen, das war schon immer mein Ding“: Wenn es bei Wettkämpfen zur Sache geht, fühlt sich Judoka Vivian Herrmann (rechts) vom Garbsener SC so richtig wohl. © imago/Revierfoto
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In unserer Serie „So hat’s angefangen“ erzählen Sportler aus der Region vom Start in ihre Sportart, der sie bis heute noch verbunden sind. Dieses Mal erinnert sich Judoka Vivian Herrmann, die für den Garbsener SC startet und seit elf Jahren der deutschen Judo-Nationalmannschaft angehört.

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Wenn Vivian Herrmann in ihrem Judo-Pass blättert, ist das wie eine Reise in ihre sportliche Vergangenheit. „Ich war mir nicht ganz sicher, wann ich mit Judo angefangen habe. Da habe ich den Pass mal wieder rausgekramt“, sagt die Kämpferin vom Garbsener SC. Dort ist alles fein säuberlich notiert, jeder Eintrag eine schöne Erinnerung an die Anfänge in einem Sport, „der mich immer noch fasziniert. Kabbeln und Raufen, das war schon immer mein Ding.“

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Die erste Notiz im Judo-Pass, die den Eintritt beim SC Budokwai Garbsen im Jahr 2000 dokumentiert, hat sie einem Jungen aus der Nachbarschaft zu verdanken – und ein bisschen auch ihrem Trotzkopf. „Damals haben die Garbsener Vereine in den Sommerferien ein Schnuppertraining für Grundschüler angeboten. Der Junge und ich haben zusammen gespielt, dann wurde er von seinen Eltern zum Judo-Training abgeholt. Weil ich keine Lust hatte, alleine weiterzuspielen, habe ich gesagt, dass ich mitkomme. Er hat dann bald wieder aufgehört, aber mir hat es sofort viel Spaß gemacht – und macht es immer noch“, sagt Herrmann.

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Knoten platzt beim Fösseturnier

Sie sei jedoch nicht von Anfang an „so richtig gut gewesen“, sagt die 26-Jährige und schaut erneut in das Judo-Büchlein. „Hier steht, dass ich am 1. Juni 2002 meinen ersten Wettkampf hatte, ein Kreisturnier beim Garbsener SC. Ich habe in der Altersklasse U11 gekämpft, zweimal gewonnen und zweimal verloren. Also eher Durchschnitt.“

Fast auf den Tag genau ein Jahr später, mittlerweile als Mitglied des Garbsener SC, steht sie zum ersten Mal ganz oben auf dem Treppchen. „Am 14. Juni 2003 bin ich beim Fösseturnier in Linden Erste geworden. Da ist der Knoten geplatzt. Wenn ich das hier so lese, war ich von da an richtig gut.“ So gut, dass auch die Landestrainer auf das Talent aufmerksam wurden und sie zum Bezirkskaderlehrgang am Bundesstützpunkt in Hannover einluden. „Da bin ich so reingerutscht, das war ein Selbstläufer. Ich hatte halt Spaß, und andere fanden es gut, was ich mache. Ich wurde nie müde, auf Lehrgänge zu fahren und hatte auch viel Freude an den Wettkämpfen“, sagt Herrmann, die der Sportfördergruppe der Landespolizei Niedersachsen angehört.


Ihr Spitzname: Jack Sparrow

Auch andere Sportarten hat Herrmann schon ausprobiert. Nur der Ball, der wird wohl nie ihr Freund. „Irgendwann haben sie mir den Spitznamen Jack Sparrow verpasst, weil ich immer hinter dem Ball hergetorkelt bin, wenn wir beim Training zum Aufwärmen Fußball gespielt haben“, erzählt die Judoka vom nicht gerade schmeichelhaften Vergleich mit den Bewegungsabläufen des berühmten Piraten und lacht. Ein Fluch sei es jedoch nicht und auch nicht ganz so schlimm. „Beim Abitur habe ich Handball belegt und auch gut abgeschnitten. Ich kriege das schon irgendwie hin. Aber Talent ist da nicht wirklich vorhanden.“

Auf der Matte dafür umso mehr. Die Ausnahmeathletin, die für das Judo-Team Hannover in der Bundesliga kämpft, wurde nach dem Erfolg beim Fösseturnier zum Dauergast auf dem Siegerpodest. Zu ihren größten Erfolgen zählt Herrmann, die in der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm startet, die Bronzemedaille bei der U21-WM 2014 sowie den Weltcupsieg zwei Jahre später bei den Senioren. Aber auch ein im Vergleich dazu nicht ganz so bedeutender Titel ist der Polizistin wichtig: In ihrem Heimatort Garbsen wurde Herrmann bereits mehrmals als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet. „Das ist eine Anerkennung der Stadt Garbsen, über die ich mich sehr freue. Jeder kennt Judo so ein bisschen. Aber kaum einer weiß, was für ein Engagement dahintersteckt, um erfolgreich zu sein und in der Weltspitze mitzukämpfen. Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, das war schon cool.“

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Glücksgefühle > Verletzungspech

Zwölf Trainingseinheiten am Bundesstützpunkt in Hannover stehen pro Woche auf ihrem Programm. Ende Februar hofft Herrmann, die 2020 auch aufgrund einer Verletzung keinen Wettkampf machen konnte, beim Weltcup in Prag an den Start gehen zu können. Um zu schauen, was geht. Und um ihr Können mal wieder unter Wettkampfbedingungen zu zeigen. „Ich hatte schon sehr viele und auch schwere Verletzungen. Da macht man sich Gedanken, ob man sich nicht besser auf andere Dinge konzentrieren sollte. Ich komme jedoch immer wieder zu dem Ergebnis, dass ich in dem Moment, in dem ich kämpfe und auch gewinne, so viele Glücksgefühle habe. Und das möchte ich für nichts auf der Welt hergeben.“