22. März 2021 / 22:25 Uhr

In Sachen Vogel: Aussprache zwischen zwei VfL-Fußballerinnen und dem DFB-Boss

In Sachen Vogel: Aussprache zwischen zwei VfL-Fußballerinnen und dem DFB-Boss

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Videotalk: Almuth Schult, Alexandra Popp und Fritz Keller.
Videotalk: Almuth Schult, Alexandra Popp und Fritz Keller. © DFB
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DFB-Präsident Fritz Keller hat sich am Montag in einer digitalen Videokonferenz mit Alexandra Popp und Almuth Schult vom VfL Wolfsburg ausgetauscht. Anlass war der Offene Brief von Fußballerinnen zum Sexismus-Skandal um Heiko Vogel und den Westdeutschen Fußball-Verband.

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Die Fußballerinnen Alexandra Popp und Almuth Schult haben sich in der einen Videokonferenz mit DFB-Präsident Fritz Keller ausgetauscht. Anlass war der Offene Brief der Erst- und Zweitliga-Fußballerinnen, die im Sexismus-Skandal rund um Heiko Vogel scharfe Kritik geübt hatten. "Es war mir ein wichtiges Anliegen, mich persönlich an Alexandra Popp und Almuth Schult zu wenden", so Keller. "Es war ein wertvoller und offener Austausch, in dem es darum ging, welche Steine unseren Fußballerinnen in den Weg gelegt werden. Sie werden teilweise immer noch massiv strukturell benachteiligt. Das ist nicht akzeptabel. Die unmögliche Aussage und die darauffolgende unbegreifliche 'Strafe', das Training einer Frauenmannschaft zu leiten, sind nur Ausdruck im Fußball leider auch heute noch viel zu weit verbreiteter Denkmuster. Umso wichtiger ist es, dass wir alle gemeinsam weiter dagegen ankämpfen. Ich habe unseren Spielerinnen dabei meine volle Unterstützung zugesagt."

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Vogel, Trainer der U23 bei Borussia Mönchengladbach, wurde nach beleidigenden Worten gegenüber zwei Schiedsrichter-Assistentinnen mit einer Geldstrafe und einer Sperre belegt, bekam dazu vom Westdeutschen Fußball-Verband die Auflage, Trainingseinheiten von Frauen-Teams zu leiten. Gegen diese sexistische Form der "Strafe" regt sich mittlerweile bundesweiter Protest.

Popp, Kapitänin des VfL Wolfsburg und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, hatte im Deutschlandfunk zuvor klare Worte von DFB-Präsident Keller gefordert. "Da erwarten wir vom Chef, dass der Haltung zeigt und das Ganze dementsprechend auch angeht."

Dass die Einheiten mit Fußballerinnen laut Gladbach-Manager Max Eberl eher ein Angebot Vogels als eine Strafe waren, mache das Ganze nicht besser, so Popp. Die 29-Jährige weiter: "Ich persönlich hätte keine Lust auf ein Training mit Heiko Vogel, um ehrlich zu sein." Denn die Spielerinnen würden bei so einem Trainer sozusagen "auf der niedrigeren Stufe stehen" . Es könnte sein, dass das Training "jetzt nicht mit böser Absicht angeboten wurde". Diskriminierend bleibe der Vorgang dennoch - und mit dem offenen Brief setzten sich die Fußballerinnen darum zur Wehr: "Wir sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo wir Spielerinnen das einfach nicht mehr mit uns machen lassen wollen. Jetzt reicht es halt einfach mal." Und Popp fügte hinzu: "Was ich – und ich glaube auch alle anderen Spielerinnen – gut finden würden: Wenn sich Herr Vogel auch mal in der Öffentlichkeit entschuldigen würde."