26. Mai 2020 / 12:37 Uhr

Volker Hempfing trifft 17 Mal für den 1. SC Göttingen 05 in Oldenburg 

Volker Hempfing trifft 17 Mal für den 1. SC Göttingen 05 in Oldenburg 

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Linksaußen Volker Hempfing (r.) erzielte in der Saison 1988/89 in Oldenburg 17 Treffer.
Linksaußen Volker Hempfing (r.) erzielte in der Saison 1988/89 in Oldenburg 17 Treffer. © Karlheinz Otto
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„Meine schönsten Spiele“, heißt die Tageblatt-Serie, in der Sportler aus der Region von unvergesslichen Partien erzählen – so wie Handballer Volker Hempfing vom 1. SC Göttingen 05, der in der Regionalliga einmal 17 Tore pro Spiel erzielte und in der 2. Bundesliga 14 Mal traf.

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„Da muss ich gar nicht lange überlegen, aber eigentlich sind es zwei Spiele, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind.“ Der Handballer Volker Hempfing denkt bei der Frage nach seinem schönsten Spiel an die – aus persönlicher Sicht – torreichsten Partien im Trikot des 1. SC Göttingen. Einmal waren es 17 Treffer in der Regionalliga, in der Saison danach 14 Treffer in der 2. Bundesliga.

"Da hatte ich einen Zuckertag"

17 Tore hat der Linksaußen in der Spielzeit 1988/89 beim VfL Oldenburg erzielt, in der Saison, an deren Ende dann auch der Aufstieg in die 2. Bundesliga gestanden hat. „Da hatte ich einen Zuckertag“, erinnert sich der 59-Jährige an den Auswärtsauftritt. Jürgen Kloth war damals sein Trainer, Jürgen Silvester der Betreuer. Etwa nach 40 Minuten – als seine Torquote schon im zweistelligen Bereich angekommen war – zog sich Hempfing eine Kapselverletzung am rechten Daumen seiner Wurfhand zu. „Ich musste raus und dachte, dass das Spiel für mich gelaufen sei. Der Daumen war sofort dick geworden, Jürgen Silvester schnauzte mich an und fragte, ob ich das Spiel verlieren wolle. Dann hat Doktor Brune den Daumen so getapt, dass ich den Ball noch festhalten konnte und ich bin wieder aufs Spielfeld zurück. Dass die Kapsel an dem Daumen kaputt ist, siehst du heute noch.“

Jeder Treffer war wichtig

Am Ende war jedes seiner Tore wichtig, denn der Spielverlauf war eng. „Zum Schluss haben wir mit Drei vor gewonnen. Oldenburg war damals keine Laufkundschaft, die haben oben mitgespielt“, sagt Hempfing, der sich daran erinnert, dass jeder seiner Würfe ein Treffer war. „An dem Tag hatte ich den Papst in der Tasche, der VfL-Torwart ist fast irre geworden. Und drei weitere Oldenburger in der Mannschaft fanden das auch nicht lustig.“ Mit diesen Spielern war Hempfing im Sommer 1986 in China gewesen. Auf Initiative des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU) gab es einen Sportaustausch mit einem chinesischen Kanton, an dem auch eine Handball-Auswahl des Bundeslandes beteiligt war. Zu dieser gehörte Hempfing.

Zum Ende der Saison stand der Aufstieg in die 2. Bundesliga fest – und Hempfing war Torschützenkönig in der Regionalliga geworden. Den Erfolg feierten die 05er mit „einer Truppe ohne Stars“. Sie seien eine echte Mannschaft gewesen, mit Spielern wie den Sobotta-Brüdern, Rainer Wagner, Michael Hessbrügge, Wolfgang Böttcher, Guido Schröder und Lutz Freiboth. Anlässlich des 30-jährigen Jahrestages ihres Aufstiegs haben sich alle im vergangenen Jahr getroffen und – wie früher – bis in die Morgenstunden zusammen gesessen und in Erinnerungen geschwelgt. „Das wollen wir jetzt regelmäßig wiederholen“, sagt Hempfing.

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Angebot aus Milbertshofen

Das zweite Spiel mit vielen Toren lieferte der Linksaußen dann gleich in seinem ersten Zweitliga-Jahr: 14 Treffer gegen Bayer Leverkusen. „Das war auch so ein Tag, an dem alles zusammenkam“, erzählt der Rosdorfer, der neben dem 1. SC Göttingen 05 nur noch für seinen Heimatverein MTV Rosdorf auf Torejagd gegangen ist. „Angebote waren da. Ich hätte nach Milbertshofen gehen können. Juri Klimov, der damals nicht nur dort Coach, sondern auch Co-Trainer der russischen Nationalmannschaft war, hat bei uns zu Hause angerufen.“ Hempfing, der in den letzten Zügen seines Bau-Ingenieur-Studiums lag, wollte dieses aber beenden und nicht nach Süddeutschland wechseln. „Ein Vierteljahr später haben Conny und ich dann zu Hause auf dem Sofa gesessen und gesehen, wie Milbertshofen Europapokal-Sieger geworden ist.“ Seine spätere Ehefrau Conny habe dann zu ihm gesagt: „Da hättest du auch stehen und jubeln können.“

Erstliga-Angebote kamen dann noch aus Hameln und Gummersbach, doch für Hempfing ging der Beruf vor. Nach wie vor arbeitet er beim Bauhof der Stadt Göttingen, dessen Betriebsleiter er seit vielen Jahren ist.