12. Juli 2019 / 07:35 Uhr

Volkmar Beier: „Die digitale Fitness wächst und entlastet alle“

Volkmar Beier: „Die digitale Fitness wächst und entlastet alle“

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Volkmar Beier
Für Volkmar Beier (ganz links) stellt der Nachwuchsbereich eine ganz besondere Herausforderung dar. © Ronny Belitz
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NFV-Vorstandsmitglied spricht im SPORTBUZZER-Interview über elektronische Laufwege, mehr Miteinander und Nachwuchssorgen.

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In vergleichsweise kurzer Zeit hat sich auf den Fußballplätzen der Region verdammt viel geändert – auf und neben dem Spielfeld. Ohne Internetverbindung wird keine Partie mehr angepfiffen, während die Vereine um jeden einzelnen Kicker kämpfen und zu kreativen Lösungen greifen, um ihre Mannschaften im Spielbetrieb zu halten. Noch größer sind die Herausforderungen im Nachwuchsbereich. Wir haben mit Volkmar Beier, dem Spielausschuss-Vorsitzenden des Nordsächsischen Fußballverbandes (NFV), über Gegenwart und Zukunft gesprochen.

Spielberichtsbogen online, Pässe online beantragen, Spielpläne online: Überfordert der DFB mit seiner Internet-Plattform DFB-Net die vermeintlich kleinen Vereine nicht langsam?

Unsere Vereine haben damit zum großen Teil gute Erfahrungen gemacht und das auch auf der jüngsten Abteilungsleiter-Versammlung zum Ausdruck gebracht. Für die meisten ist es auch keine große Umstellung, dass Pässe jetzt nur noch online beantragt werden können. Wir stellen fest, dass gerade kleine Vereine diese Möglichkeiten sehr gern nutzen und mit dem DFB-Net gut vertraut sind.

Soll also künftig alles nur noch auf elektronischem Wege laufen?

Es läuft darauf hinaus. Die alte Spielerpassmappe wird überflüssig sein, ist sie ja teilweise schon jetzt, weil die Spielerliste online zu finden ist. Auch Passfotoskönnen digital eingepflegt werden, das ist aber noch kein Muss und es gibt auch noch keinen Termin, wann alles online erfasst sein muss. Insgesamt stellenwir fest: Die digitale Fitness der Nutzer wächst mit dem System. Es erfülltseinen Nutzen und entlastet alle Beteiligten.

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Nicht nur das Drumherum wandelt sich, auch auf dem Platz hat sich in den vergangenen Jahren mit dem demografischen Wandel vieles geändert. Viele Vereine rücken inzwischen wieder ab vom Norwegermodell mit neun oder zehn Spielern und bilden Spielgemeinschaften – ist das die Zukunft?

Beide Varianten sind Überbrückungsmöglichkeiten, die Vereinen mit Spielermangel sinnvolle Alternativen bieten. Viele haben das Norwegermodell nur mal eine Halbserie getestet, andere sind gleich in Spielgemeinschaften gegangen oder haben andere Lösungen gefunden.

Werden sich aus Ihrer Sicht Spielgemeinschaften auf lange Sicht als wichtigste Alternative herauskristallisieren?

Jedenfalls sind die meisten Spielgemeinschaften stabil. Sie sind eine gute Lösung, vorausgesetzt, dass sich die Vereine untereinander verstehen. Wir sehen außerdem, dass viele Spielgemeinschaften, die zunächst im Jugendbereich gebildet werden, sich später auch oft im Erwachsenenbereich durchsetzen.

Heißt das, die Vereine gehen insgesamt entspannter miteinander um?

Ja, die Vereine wollen einander entgegenkommen, auch wenn es etwa um Spielverlegungen geht. Und die Rivalität zwischen Nachbarvereinen ist vielerorts geringer geworden.

Schlägt sich das auch im Fair Play nieder?

Ja, die Zahl der Roten Karten ist wieder zurückgegangen, umso mehr freut es uns, dass wir die fairsten Teams, dank Unterstützung der Sparkasse, prämieren können.

Vor drei Jahren wurde die eingleisige Kreisliga gegründet, damals nicht ohne Nebengeräusche, zum Beispiel was die teilweise weiten Anfahrtswege betrifft. Hat sich das Modell inzwischen bewährt?

Ja, wir hätten ansonsten Probleme mit den Staffel-Größen in den Kreisklassen bekommen. So konnten wir die Kreisklassen stabil halten und einen sinnvollen Spielbetrieb sichern. Außerdem geht es darum, Spielklassen mit Mannschaften, die eine ähnliche Leistungsspanne haben, zu bilden. In den Kreisklassen ist das oft nahe dran am Freizeitfußball, der aber gut organisiert ist. Und es ist in der Kreisliga ja nicht so, dass man permanent vom einen Ende des Kreises zum anderen fahren müsste.

Noch schwieriger gestaltet sich der Spielbetrieb im Nachwuchsbereich. Wie ist dort die Entwicklung?

Es ist jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung, die Spielklassen zu bilden. Insgesamt denke ich, es ist einigermaßen stabil. Aber wir werden nie wieder die ganz großen Sprünge im Nachwuchs machen können. Es wird immer wieder ein Kampf sein, genügend Kinder zum Fußball zu animieren – und sie dazu zu bewegen, im Verein zu bleiben.

Was macht der Verband, um die Attraktivität für den Nachwuchs zu erhöhen?

Ab der kommenden Saison bieten wir „Funino“ an. Das ist eine Spielform des Drei-gegen-Drei mit verkleinertem Spielfeld. So können 10, 15 oder auch 20 Spiele zeitgleich stattfinden, das ist gerade im G-Jugend-Bereich ganz reizvoll. Der Verband hat das entsprechende Equipment, also Tore, Bälle, Hütchen, Leibchen und Beschallungsanlage, beschafft und stellt es dem jeweiligen Gastgeber des Turniers zur Verfügung.

Außerdem hat der NFV die Entschädigung für Schiedsrichter zur neuen Saison leicht angehoben. Warum?

Zunächst einmal muss man wissen, dass wir in regelmäßigem Schiedsrichter-Austausch mit unseren Nachbar-Verbänden stehen, sprich auch Schiedsrichter aus Leipzig oder dem Muldental bei uns pfeifen und umgekehrt. Dort wurden die Schiedsrichter-Sätze wesentlich schneller angepasst, wir liegen also mit unseren Sätzen immer noch unterhalb der Nachbarkreise und versuchen, große Sprünge zu vermeiden. Mit den Erhöhungen liegen wir absolut im Rahmen, haben während der Abteilungsleiterversammlung auch keinen Widerspruch seitens der Vereine geerntet.

Die Spielpläne für Nordsachsen-, Kreisliga und die beiden Kreisklassen sollen in der kommenden Woche veröffentlicht werden.

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