22. März 2021 / 19:04 Uhr

Vollbremsung auf der Zielgeraden: Verwirrung um Modellprojekt von RB Leipzig und SC DHfK

Vollbremsung auf der Zielgeraden: Verwirrung um Modellprojekt von RB Leipzig und SC DHfK

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Enttäuschung bei allen Beteiligten: Bei RB Leipzig und SC DHfK werden vorerst keine Fans ins Stadion, bzw. in die Arena, zurückkehren.
Enttäuschung bei allen Beteiligten: Bei RB Leipzig und SC DHfK werden vorerst keine Fans ins Stadion, bzw. in die Arena, zurückkehren. © Getty Images
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Die Pläne standen, alles war vorbereitet. Dann gab es die kalte Dusche. Aus dem für den 1. April geplanten Start des Modellprojektes von RB Leipzig und dem SC DHfK zur Fanrückkehr wird erstmal nichts. Grund sind die steigenden Inzidenzzahlen. Die Vereine haben wenig Verständnis.

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Leipzig. Die Pressemitteilungen waren längst vorbereitet, die Absprachen eindeutig. Voller Vorfreude erwarteten die Mitarbeiter von RB Leipzig und dem SC DHfK das Signal aus der Geschäftsführung, um auf den sprichwörtlichen roten Knopf zu drücken. Die Nachricht: Das Modellprojekt kommt, die Leipziger Bundesligisten starten ab dem 1. April wieder vor 1000 Zuschauern durch.

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„Wir sind mitten in der dritten Welle“

Es hätte so einfach, es hätte so schön sein können. Doch steigende Inzidenzwerte in der Messestadt könnten den Plänen nun doch noch einen Riegel vorschieben. „Eine Zulassung von Zuschauern in der momentanen Situation ist illusorisch“, schmälerte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) am Montag im Rahmen eines vorab organisierten Pressegesprächs überraschend die Hoffnung der Bundesligisten. Wenige Tage zuvor sah das Stimmungsbild noch gänzlich anders aus. Doch ein Blick auf die Corona-Schutzverordnung und den rasant steigenden Inzidenzwert in der Messestadt (Stand Montag, 22. März: 84,5) sorgt nun für Unsicherheit.

Klar ist: steigen die Werte in Leipzig noch vor dem Beginn des Modellprojekts, also dem 1. April, auf über 100 müssen sich die Beteiligten in Geduld üben. Eine Rechnung, die für Jung eindeutig ist. „Wir sind mitten in der dritten Welle“, stellt der 63-Jährige klar. Er gehe fest davon, dass auch die Messestadt innerhalb der nächsten Woche den kritischen Wert von 100 übersteige. Eine Vollbremsung für das Modellprojekt.

Jung macht zumindest etwas Hoffnung

Vor etwa zehn Tagen sei begonnen worden, das Modellprojekt zu planen, erläutert Stadtsprecher Matthias Hasberg. Da sei die Infektionslage noch etwas entspannter gewesen. Man müsse damit rechnen, „dass wir bis zum 1. April eine Inzidenz von 100 erreichen“, so Hasberg. Die Stadt habe nicht den baldigen Start eines Modellprojekts verkünden wollen, wenn das Ganze womöglich kurz darauf wegen einer veränderten Rechtslage wieder kassiert werden müsse.

„Deshalb plädiere ich sehr, sehr stark dafür, dass wir neben der Inzidenz noch andere Werte, wie die Belastung des Gesundheitssystems, die Sterberate und nicht zuletzt die Impfquote künftig einbeziehen“, machte Jung zumindest etwas Hoffnung. Sollte die Ministerpräsidentenkonferenz die Meinung des SPD-Politikers teilen, könnte in der neuen Corona-Schutzverordnung, die am 1. April in Sachsen in Kraft treten soll, der Rahmen für Modellprojekte vergrößert werden.

„Wir vermissen unsere Fans“

„Bis zum Start der Pressekonferenz war völlig klar, dass die Stadt Leipzig zu 100 Prozent hinter dem Modellprojekt steht , das am 1. April starten sollte“, kritisiert Karsten Günther. Der Manager des SC DHfK spricht aus, was für den Profisport und zahlreiche andere Branchen schon lange gilt: „Wir können nicht noch vier Wochen warten. Wir warten seit einem Jahr immer wieder nur ab. Wir waren so weit und bekommen kurz vor der Ziellinie einen Dämpfer.“

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Der Geschäftsführer der Bundesliga-Handballer fordert endlich eine Perspektive. „Es geht nicht um DHfK gegen Erlangen oder RB gegen Bayern, auch wenn das in allen Schlagzeilen steht. Fans bei diesen Spielen sind ein Ergebnis, nicht der Zweck des Projektes“, so Günther. „Seit einem Jahr wird immer wieder gesagt: Wir wissen nichts, uns fehlen Erkenntnisse. Wir wollen jetzt Wissen sammeln. Wir wollen herausfinden, wie eine sichere Rückkehr von Fans möglich ist.“ Diese Erkenntnisse sollen im Anschluss übertragen werden auf die Kultur, Gastronomie oder sogar Schulen. Ein Zweck, für den es sich lohnen könnte, auch bei einer höheren Inzidenz das Projekt durchzuziehen.

Auch Ulrich Wolter, Direktor Operations bei den Roten Bullen, scharrt mit den Hufen: „Wir vermissen unsere Fans und wollen mit dem Modellprojekt zeigen, dass durch gute Testmodelle die Rückkehr zu einem gesellschaftlichen Leben möglich gemacht werden kann.“ Genug Daten könnten die Sport-Klubs für das ambitionierte Ziel wahrscheinlich sammeln. Als Zeitraum für die Modellprojekt-Spiele ist immerhin die gesamte verbleibende Rückrunde angegeben.