11. Mai 2021 / 16:32 Uhr

Abgang der Kapitänin: Antonia Stautz verlässt den SC Potsdam

Abgang der Kapitänin: Antonia Stautz verlässt den SC Potsdam

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
2017 kam Antonia Stautz aus Erfurt nach Potsdam, entwickelte sich dann sportlich und menschlich weiter.
2017 kam Antonia Stautz aus Erfurt nach Potsdam, entwickelte sich dann sportlich und menschlich weiter. © Julius Frick
Anzeige

Nach vier Jahren beim Brandenburger Volleyball-Bundesligisten zieht die Außenangreiferin weiter. Beim SCP hat sie Spuren auf und neben dem Feld hinterlassen.

Anzeige

In den vergangenen vier Jahren hatte sich Antonia Stautz zum Gesicht des Volleyball-Bundesligisten SC Potsdam entwickelt. Nach dem Karriereende von Lisa Rühl 2017 wurde die im gleichen Jahr verpflichtete Spielerin diejenige, die das Bild des Teams nach außen am stärksten prägte. Auf Plakaten, bei Sponsoringveranstaltungen, bei Medienanfragen, nicht zuletzt auf dem Feld. Stautz ist damit das Gesicht in der bisher erfolgreichsten Phase des Vereins. „Es war eine wunderbare Zeit“, sagt sie. War, Vergangenheitsform. Denn wie der Brandenburger Verein am Dienstag bekanntgab, wird die 27-Jährige nicht mehr weiter für den SCP spielen. Damit muss der Club nunmehr sieben Abgänge bei der Kaderplanung kompensieren.

Anzeige

Großer Wille, starker Aufschlag

Der SCP hatte ihr ein Angebot für die Vertragsverlängerung gemacht. Bloß einig wurden sich beide Seiten nicht. „Ich entscheide mich für einen anderen Weg“, sagt die Außenangreiferin. Innerhalb der Bundesliga werde sie wechseln, am Freitag solle verkündet werden, wohin es geht. „Für mich ist es wichtig, dass ich künftig eine sportliche Führungsposition auf dem Feld einnehme. Ich möchte also wieder mehr Spielanteile.“ Denn die hatte sie zuletzt nicht, womit sich der Kreis ihrer Potsdamer Zeit schloss.

Mehr zum SC Potsdam

In Niedersachsen geboren und aufgewachsen kam Stautz über die Stationen USC Braunschweig, SC Langenhagen und Erstligist Schwarz-Weiß Erfurt an den Luftschiffhafen. Als vorherige Top-Scorerin des Thüringer Clubs mit Potenzial und einem enorm guten Aufschlag blieben ihr anfangs nur Kurzeinsätze. Doch immer zeichnete sie ein „unbedingter Wille“ aus, sagt SCP-Sportdirektor Toni Rieger. „Sie hat 100 Prozent gegeben, in jedem Training, in jedem Spiel, wenn sie dran war.“ Zudem fiel Stautz durch ihre starke Persönlichkeit auf, als eine, die das Team motivierte und stützte, selbst wenn sie nur außen vor war.



Ersatz - Stammkraft - Ersatz

Trotz der bis dato spielerischen Nebenrolle wurde sie 2019 wegen ihrer zwischenmenschlichen Qualitäten zur Kapitänin ernannt. Das gab ihr auch einen individuellen Schub. „Sie war nicht mehr nur die Aufschlagexpertin oder Mutmacherin. Sie war viel mehr als das“, sagt Rieger über einen enormen Leistungssprung, den Stautz in ihrer ersten Saison als offizielle Teamführerin gemacht habe. Das habe sie „der großartigen Arbeit“ des Trainerteams um Chef Guillermo Naranjo Hernandez zu verdanken, meint die 1,80 Meter große Volleyballerin. „Sie haben mich mit ihrer Super-Professionalität auf ein neues Level gebracht.“ Athletisch, taktisch, technisch – überall wurde sie besser. Und so zur Stammkraft.

Vorige Saison blieb allerdings wieder meist nur ein Platz in der Ecke der Ersatzspielerinnen. „Ich hatte einige Verletzungen, die mich immer zurückgeworfen haben“, sagt die Frau, die an einer Fern-Hochschule vor dem Abschluss ihres Masterstudiums in General Management steht. „Es war schade, ich hätte gerne angeknüpft.“

Zu ihrer zwischenzeitlichen Potsdamer Stärke wolle sie künftig wieder finden, nur eben andernorts. „Ich gehe mit einem weinenden Auge“, sagt Stautz, die viele schöne Erinnerungen mitnehme. Und zudem die zwei Bronzemedaillen aus der Deutschen Meisterschaft sowie einmal Silber im Pokal. „Hinterlassen“, sagt Rieger, „wird sie Spuren als tolles Vorbild.“ Der SC Potsdam braucht nun eine neue Kapitänin – und ein neues prägendes Gesicht.